Der Kulturspeicher, ein ehemaliger Getreidespeicher am alten Hafen, heute ein Museum, ist für Musik unserer Zeit ein idealer Ort: Er öffnet die Ohren für Neues und Ungewöhnliches. Dort fand das Klangraum-Sonderkonzert zum 75. Geburtstag von Klaus Hinrich Stahmer statt. Wie eng der Jubilar mit dem Musik- und Kulturleben von Würzburg verbunden ist und wie viele Impulse er gegeben hat, die bis heute weiterwirken, zeigte die Begrüßung durch Dr. Gerd Fricke, den 1. Vorsitzenden des Freundeskreises des Museums im Kulturspeicher, die Moderation von Prof. Dr. Christoph Wünsch und das von persönlichen Erinnerungen geprägte Grußwort des Kulturreferenten der Stadt Würzburg Muchtar Al Ghusain.
Den musikalischen Höhepunkt des Konzerts bildete die Uraufführung von Klaus Hinrich Stahmers „Aschenglut“ für orientalische Rahmentrommel und Klavier. Dieser Dialog zwischen arabischer und europäischer Musik wurde durch das der Rahmentrommel nicht nur Rhythmen, sondern auch Melodien entlockende nuancenreiche Spiel von Vivi Vassileva im Duo mit dem Pianisten Maruan Sakas zu einem eindringlichen Aufruf für Verständigung zwischen den Kulturen. Gerade rechtzeitig zum Geburtstag konnte der Herausgeber der Buchreihe „Komponisten in Bayern“, Dr. Franzpeter Messmer, den druckfrischen Band über Klaus Hinrich Stahmer dem Publikum vorstellen. Die Monographie versucht, die vielfältigen Bezüge von Stahmers Werk zu Politik, zur Sprache, zur außereuropäischen Musik und zur bildenden Kunst aufzuzeigen. Zum Buch ist eine CD erschienen; eine weitere CD mit der soeben uraufgeführten „Aschenglut“ konnte ebenso dem Publikum präsentiert werden. Improvisation und synästhetische Aspekte sind für Stahmers Musik wichtig: Im Konzert nahmen die beiden Interpreten diesen Impuls auf und faszinierten das Publikum mit einer Improvisation zu einer Wandarbeit von Norbert Thomas, die zuvor von Dr. Marlene Lauter, der Direktorin des Museums im Kulturspeicher, vorgestellt wurde.
Nach der Pause erklang virtuose und durchaus eingängige Musik von Gregorias Dinicu, Maruan Sakas und Astor Piazzolla für Percussion und Klavier. Die „Musik für einen Sommerabend“, wie die Veranstalter dieses denkwürdige und bis zum letzten Platz gefüllte Konzert nannten, leistete einen Beitrag, Neue Musik einem breiten Publikum zum Erlebnis werden zu lassen, und gab einen Einblick in das weite geistige Spektrum des Komponisten Klaus Hinrich Stahmer.