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1980 trafen sich anlässlich der 25. Internationalen Sommerkurse-Feier im „gelben Haus“ (v.l.n.r. oben) Klaus Bieringer, Klaus Bernbacher, (v.l.n.r. unten) Eckart Rohlfs, Klaus Hashagen und Bernd Bosse. Foto: Archiv
1980 trafen sich anlässlich der 25. Internationalen Sommerkurse-Feier im „gelben Haus“ (v.l.n.r. oben) Klaus Bieringer, Klaus Bernbacher, (v.l.n.r. unten) Eckart Rohlfs, Klaus Hashagen und Bernd Bosse. Foto: Archiv
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Adieu Bernd!

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Erinnerungen an eine lebenslange Freundschaft und Zusammenarbeit
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Es begann kurz nach Gründung der Musikalischen Jugend Deutschland (MJD) als deutsche Sektion der FIJM, so der damalige Name, in den frühen fünfziger Jahren in Bayreuth – Herbert Barth, Eckart Rohlfs, Bernhard Bosse, Klaus Bernbacher, Joseph Anton Riedl, Klaus Bieringer, Fritz Büchtger, Klaus Börner und Hans Busemann, um einige Kollegen der ersten Jahre zu nennen.

Zusammen mit Eckart Rohlfs gründete der Verleger Bernhard Bosse im Rahmen des gleichnamigen Verlages 1952 die Zeitung „Musikalische Jugend“, ab 1969 die spätere „Neue Musikzeitung“. Dadurch wurde unserer jungen Vereinigung von Beginn an der Weg in die Öffentlichkeit ermöglicht. Das war für die Verbreitung der Jeunesse Musicales in der noch jungen Bundesrepublik und West-Berlin von großer Bedeutung!

Bosse beteiligte sich aktiv an der Gestaltung der drei Weltkongresse der Jeunesses in Deutschland – 1954 (Hannover), 1960 (Berlin) und im Olympia­jahr 1972 (Augsburg/München). Inzwischen war das Arbeitszentrum der MJD von Bayreuth nach Weikersheim (Schloss) verlegt worden.

Lassen wir Bernd Bosse an dieser Stelle selbst zu Wort kommen. Noch am 20. September 2016 schrieb er an die damalige JMD-Präsidentin Daniela Stork und Generalsekretär Ulrich Wüster: „Seit mehr als 60 Jahren läuft meine Post an die JMD nun schon an die Adresse in Weikersheim. Erinnerungen laufen gerade jetzt unendlich durch den Kopf und ich kann Ihnen versichern, dass die schönsten Erinnerungen die sind, die mit dem Leben mit und für die JMD, und das in den meisten Fällen in der Zusammenarbeit mit der soeben von mir gegangenen Marianne Bosse, verbunden sind.“

Neue aktive Kollegen traten in unseren Kreis – Klaus Hashagen, Theo Geißler, später Hans-Josef Menke und Michael Jenne.

1963 wurde ich als Nachfolger von Fritz Büchtger zum Bundesvorsitzenden der MJD gewählt. Bernd Bosse übernahm im neuen Vorstand das Amt des Schatzmeisters – Der Bau des „Hauses der Musik“ (heute Logierhaus), wie wir es damals nannten, war unser gemeinsames Ziel.

Unsere enge Zusammenarbeit erforderte Ende der sechziger Jahre auch die Einmischung in das bundesdeutsche Musikleben. Bei der 9. Generalversammlung des Deutschen Musikrates ging 1966 in Essen mit viel Kritik die konservative Aufbauphase der „Ära Mersmann“ zu Ende. Die folgenden Jahre brachten das politische, kulturelle und gesellschaftliche Leben in der BRD in Bewegung. Bernd Bosse griff daher meinen Vorschlag auf, nämlich die Zeitung „Musikalische Jugend“ auch kulturpolitisch auszurichten. Er änderte den Zeitungsnamen in „Neue Musikzeitung“ und übernahm zunächst selbst die Chefredaktion. Als eine Art „Kampforgan“ trug die „nmz“ wesentlich dazu bei, dass 1969 in Stuttgart ein neues Musikratspräsidium gewählt wurde. Auf der Suche nach einem redaktionellen Mitarbeiter konnte ich ihn auf Gerhard Rohde aus Hannover aufmerksam machen, den ich durch seine Tätigkeit an einer hannoverschen Zeitung gut kannte. Rohde wollte sich nach Frankfurt verändern, beide nahmen erfolgreich miteinander Verbindung auf!

In meiner Heimatstadt Hannover fanden von 1958–1998 die „Tage der Neuen Musik“ statt, die ich seitens der MJD mit meinem Freund und Kollegen vom NDR Klaus Hashagen gründete. Bernd Bosse war dort ständiger Teilnehmer – Unvergessen ist die Uraufführung der musikalischen Szene op. 36 „Ophelia 69“ von Hans-Ulrich Engelmann mit der eindrucksvollen Miriam Gold­schmidt, die auch das Libretto schrieb, in der Titelrolle. Bernd betreute das Werk verlegerisch, ich dirigierte. Der NDR machte eine Fernsehaufnahme, die wir 1998 zum 40. Jubiläum nochmals gezeigt haben.

Schließlich bleiben mir noch die Erinnerungen an viele humorvolle Stunden, die meine Frau Christine und ich mit Marianne und Bernd verleben durften. Anfang dieses Jahrhunderts verbrachten wir gemeinsame Sommerurlaube auf seiner geliebten Insel Usedom. Dort war er während des Krieges als Offizier der Marine zeitweise statio­niert. Er hat die Insel- und Boddenlandschaft, die Luft und Natur als Regeneration in seinem hohen Alter gebraucht. Auch in unseren letzten Telefonaten sprach der 95-Jährige von der Sehnsucht, das noch einmal zu erleben, natürlich mit Marianne, die im August drei Monate vorher, nach tapfer ertragenen Leiden verstarb.

Bernhard Bosse war unter anderem Ehrenmitglied der Jeunesses Musicales und des Deutschen Musikrates. Er hat sich um das Musikleben verdient gemacht!

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