Unter der Leitung seines langjährigen künstlerischen Leiters Christoph Wyneken spielte das Landesjugendorchester Baden-Württemberg am 4. November im Beethovensaal der Liederhalle Stuttgart das offizielle Festkonzert zum 40-jährigen Jubiläum seines Bestehens. Die herausragende Jugendorchesterarbeit sowie die Vertretung des Landes im In- und Ausland wurden in den Grußworten und Ansprachen gewürdigt. Ein außergewöhnliches Geschenk überreichte die JMD ihrem langjährigen Mitgliedsorchester: „Dhyana oder: Von den weißen Wolken“.
Auf Initiative des JMD-Landesverbandes Baden-Württemberg hatte die JMD für die Jubiläumstournee des Landesjugendorchesters eine Auftragskomposition an den jungen baden-württembergischen Komponisten Elias Corrinth vergeben.
Corrinth, 1990 in Karlsruhe geboren, ist Preisträger und Stipendiat des Bundeswettbewerbes Komposition der JMD. In seiner Komposition setzte er sich in Anlehnung an Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ – dem Hauptwerk des Festkonzertes – mit Gedichten des chinesischen Dichters Wang Wei auseinander. Während der Arbeitsphase des Landesjugendorchesters in der Musikakademie Schloss Weikersheim verfolgte er die Einstudierung seines Werkes nahm die Gelegenheit wahr, den jugendlichen Musikern seine Komposition selbst zu erläutern. Wo sind hörbar oder verborgen Verbindungslinien zu Mahlers Komposition eingearbeitet? Ist die Poesie der Worte in Musik übersetzbar? Und wenn ja, wie? Den persönlichen Austausch zu Fragen sowohl der Werkentstehung als auch -interpretation erlebten Orchester und Komponist als eine positive und für beide Seiten außerordentlich bereichernde Erfahrung.
Die Komposition und die Aufführung Neuer Musik zu fördern ist eines der zentralen Anliegen der JMD. Dabei liegt der Fokus auf dem pädagogischen Wert des schöpferischen Gestaltens und bietet interessierten Musikerinnen und Musikern durch Kompositionskurse Unterstützung. Mit der Auswahlliste „Neue Musik für Jugendorchester“, von der bislang zwei Folgen erschienen sind, stellt sie Mitgliedsorchestern, die ihr Repertoire um neue, noch unbekannte Werke erweitern möchten, eine Orientierungshilfe zur Verfügung. In den letzten Jahren hat die JMD auch den bundesweiten Diskurs zur Kompositionspädagogik initiiert, dabei wichtige Impulse gesetzt und ihn mit Förderung des Bundesbildungsministeriums maßgeblich voran getrieben. Der JMD-Landesverband Baden-Württemberg machte mit seiner zukunftsweisenden Initiative „Jugendliche komponieren für Jugendorchester“ deutlich, dass neben der theoretischen Diskussion die unmittelbare Erfahrung, das Erleben und selbst Gestalten neuer Musik von zentraler Bedeutung bleibt. Dies unterstrich auch Philipp Vandré, der dem LJO in seiner Funktion als Mitglied im Präsidium der JMD gratulierte und das Geburtstagsgeschenk des Verbandes überreichte. „Es geht uns nicht allein um die Förderung begabter, junger Komponisten, sondern generell um die Verbreitung der Erkenntnis, dass kompositorisches Gestalten einen unschätzbaren pädagogischen Wert hat. Kaum eine musikalische Betätigung wirkt in solchem Maße persönlichkeitsbildend wie das Erfinden von Musik.“ Dass das Wagnis, ein Stück „Zukunftsmusik“ aufzuführen, belohnt wird, zeigte das Landesjugendorchester mit seinem Geburtstagskonzert auf eindrückliche Weise. Die Stuttgarter Erstaufführung von „Dhyana“ war ein voller Erfolg, und das Werk wurde vom Publikum interessiert und mit großen Wohlwollen aufgenommen. Der JMD-Landesverband Baden-Württemberg erhofft sich, dass von seiner Initiative eine starke Signalwirkung ausgeht und die Ermutigung an andere junge Orchester – dem Vorbild des LJO folgend – die Zusammenarbeit mit jungen Komponisten zu wagen.
Mechthild Fischer, Vorstand der JM Baden-Württemberg