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Das Thema „Brundibár“ lässt uns nicht los. Was im Jahr 1995 als einmaliges Aufführungsprojekt begann, hat sich in einem Maße entwickelt, wie es damals niemand für möglich gehalten hätte.
Aber schon in der Ursprungsidee steckte viel von dem, was nach dem Anstoß durch die Jeunesses Musicales Deutschland so viele Menschen und Institutionen an „Brundibár“ begeistert hat. Damals trafen sich drei Kinderchöre aus Ländern, die von den Schrecken des Nationalsozialismus besonders betroffen waren, um die Kinderoper aus Theresienstadt gemeinsam zu erabreiten. Die Inszenierung reiste durch die Hauptstädte der beteiligten Länder, Berlin, Prag und Warschau und alle, die mitgemacht haben oder eine der Aufführungen miterlebten, zeigten sich tief beeindruckt: von der versöhnlichen Idee, die das Projekt prägte, und von der Selbstverständlichkeit, in der die jungen Sänger diese Idee in der gemeinsamen Arbeit realisierten. So war es nicht verwunderlich, dass die Initiatoren das Projekt nicht einfach ad acta legen wollten. Eine Reihe von Menschen, die an wichtigen finanziellen oder politischen Schaltstellen saßen, haben sich für die „Brundibár“-Idee begeistert – nicht zuletzt deshalb, weil in scheinbar spielerischer Art und auf musikalisch hohem Niveau die jüngste deutsche Geschichte ins Gedächtnis gerufen und verarbeitet wird. An mehr als 200 deutschen Schulen und anderen Jugendinstitutionen wurde die Kinderoper bisher aufgeführt – angestoßen durch die umfangreiche „Brundibár-Mappe“, die von der Jeunesses Musicales an alle Interessenten verschickt wurde. Inzwischen hat das Projekt internationale Dimensionen gewonnen.
Nicht nur die Länder, die unmittelbar von der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten betroffen waren, nehmen sich des Themas an. Auch die Jeunesses Musicales International beschäftigt sich mit Realisierungsmöglichkeiten – und selbst in Lateinamerika wurde die Oper in einer bewegenden Aufführung von spanisch singenden und spielenden Kindern zum Besten gegeben.
Dass das Thema über die musikalische Realisierung hinaus Kreise zieht und neue Kontakte fördert, zeigt das Treffen der zehn „Mädchen“ aus Theresienstadt im vergangenen Frühjahr in Weikersheim. Im übrigen findet die Brundibár-Initiative der JMD auch hohe politische Anerkennung. Wir sind ein wenig überwältigt und vor allem natürlich sehr froh über diese Entwicklungen, haben sie doch gezeigt, dass wir mit unserer musikalischen Jugendarbeit Anstöße geben können, die auf vielen Ebenen kultur- und gesellschaftspolitische Relevanz haben. Ein Beispiel, das Mut macht.