Der zweite internationale Meisterkurs für Klavier, Kammermusik und Gesang in Israel, der vom 28. September bis 7. Oktober 2001 in Beit Theresienstadt im Kibbuz Givat Haim (Israel) stattfand, war die Fortsetzung von thematisch ähnlichen Kursen in Israel 1999 und Prag 2000.
Der zweite internationale Meisterkurs für Klavier, Kammermusik und Gesang in Israel, der vom 28. September bis 7. Oktober 2001 in Beit Theresienstadt im Kibbuz Givat Haim (Israel) stattfand, war die Fortsetzung von thematisch ähnlichen Kursen in Israel 1999 und Prag 2000.Im Mittelpunkt standen die Werke der Komponisten Viktor Ullmann, Pavel Haas, Hans Krása, Gideon Klein und Karel Reiner, die alle im Konzentrationslager Theresienstadt inhaftiert waren und bis auf Karel Reiner in nationalsozialistischen Vernichtungs- oder Arbeitslagern ums Leben kamen. Dieser Meisterkurs, an dem neun deutsche, elf israelische und zwei tschechische Nachwuchsmusiker teilnahmen, hatte sich unter dem Motto „History, Music and Remembrance“ gleich einem dreifachen Anliegen gestellt. Solistische und Kammermusikalische Werke der in Theresienstadt inhaftierten Komponisten, aber auch Werke des klassischen Repertoires, die in Theresienstadt zwischen 1942 und 1945 zur Aufführung gelangten, wurden in der Theresienstadt-Gedenkstätte „Beit Terezín“ erarbeitet. Einen besonderen Stellenwert hatte hierbei die Begegnung und der gemeinsame Unterricht bei der Pianistin Edith Kraus und dem Violinisten Paul Kling, die beide in Theresienstadt inhaftiert waren. Edith Kraus war Ende der 1920er Jahre jüngste Schülerin in der Meisterklasse von Artur Schnabel in Berlin. Ihre als „Wunderkind“ begonnene viel versprechende Karriere fand durch die Verschleppung nach Theresienstadt zunächst ein jähes Ende. Nach der Befreiung Theresienstadts konnte sie weiter als Pianistin wirken und unterrichtete später an der Musikakademie von Jerusalem. Paul Kling, der heute in Kanada lebt, konzertierte bereits im Alter von sieben Jahren als Solist mit den Wiener Symphonikern. Nach dem Martyrium der Inhaftierung in Theresienstadt und Auschwitz konnte er an seine Karriere anknüpfen und spielte als Solist beziehungsweise Konzertmeister in Wien und Tokio unter Maestros wie Busch, von Karajan und Strawinsky.Neben den täglichen Unterrichtsstunden und dem aktiven Musizieren erlaubten musikwissenschaftliche Vorträge und die Berichte mehrerer anwesender Zeitzeugen eine noch tiefgründigere Auseinandersetzung mit dem wohl dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte.
Volker Ahmels, Landesvorsitzender des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern der Jeunesses Musicales und Direktor des Schweriner Konservatoriums, hatte es – gemeinsam mit seinen israelischen Partnern – verstanden, dieses gelungene Projekt zu konzipieren. Neben Edith Kraus (Israel) und Paul Kling (Kanada), konnte er auch die Pianisten Allan Sternfield (Israel), Matitjahu Kellig (Deutschland), die Sängerin Emilie Berendsen (Israel), den Cellisten Michael Haran (Israel), den Musikwissenschaftler David Bloch (Israel), den Leiter des Viktor-Ullmann-Archivs in Dornach, Marcus Gerhardts (Deutschland), sowie die Leiterin der Theresienstadt Gedenkstätte „Beit Terezín“, Anita Tarsi (Israel), für das Projekt gewinnen. Neben den beiden durch die Kursteilnehmer gestalteten Konzerten in Beit Theresienstadt und Ein Kerem (Jerusalem) gab es noch ein weiteres Konzert in Yad VaShem – diesem symbolträchtigen Ort der Erinnerung an die Shoah. Dieses Konzert gestalteten der Bariton Christfried Biebrach und die Pianistin Friederike Haufe (beide Deutschland).
Auch von politischer Seite aus fand der gelungene Brückenschlag zwischen Vergangenheit, Musik und Erinnerung Anerkennung und Unterstützung, was nicht zuletzt darin zum Ausdruck kam, dass Rudolf Dressler, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Israel, Shimon Stein, Botschafter Israels in der Bundesrepublik Deutschland und Avi Primor, ehemaliger Botschafter Israels in Deutschland und jetziger Vize-Präsident der Universität von Tel Aviv, die gemeinsame Schirmherrschaft für dieses Projekt übernahmen – eine Konstellation mit symbolhaftem Charakter.
Ebenso symbolhaft auch die Einladung aller Kursteilnehmer zum Empfang des deutschen Botschafters in Israel am Tag der deutschen Einheit und das dortige gemeinsame Singen der deutschen und der israelischen Nationalhymne durch die Kursteilnehmer in Anwesenheit des israelischen Außenministers Shimon Peres, der trotz der schwierigen politischen Lage ebenfalls der Einladung des deutschen Botschafters gefolgt war.
Was auf der großen Bühne der Politik scheinbar nur schwer zu realisieren ist, fand in dem kleinen Rahmen des Meisterkurses problemlos statt: Der gemeinsame Erinnerungsprozess, angeregt durch das kollektive Erlebnis der Musik, des Musizierens und des Einander-Zuhörens, wurde vorangetrieben ohne äußere Zwänge. In dem Bewusstsein, eine gemeinsame – auf traurige Weise verbindende – Vergangenheit zu haben, musizierten Israelis, Tschechen und Deutsche in dem Selbstverständnis, Zeichen zu setzen, wider Intoleranz und Ignoranz.
Bleibt zu hoffen, dass diese Zeichen auch wahrgenommen werden, und in Zukunft noch weitere Kurse dieser Art – auch, oder gerade in Israel – folgen können.