Jakob Peters-Messer setzt in der Opernproduktion 2009 Shakespeares burleske Geschichte um den Heiratsschwindler Falstaff in Szene. Im Interview spricht der Regisseur über bürgerliche Idylle, Prügelei als probates Theatermittel und den besonderen Teamgeist des Internationalen Opernkurses der JMD.
JMD: Sie inszenieren 2009 zum ersten Mal für die Junge Oper Schloss Weikersheim. Wie gefällt es Ihnen hier?
Jakob Peters-Messer: Aus Berlin oder anderen Städten, wo ich sonst inszeniere, komme ich hier in eine ganz andere, eigene Welt. Auf den ersten Blick ist Weikersheim eine Idylle, eine Welt der Vergangenheit, die etwas Abgeschlossenes hat – was sehr schön ist. Weikersheim ist nicht unbedingt ein sehr prunkvolles, aber ein verzaubertes Barock. Hier könnte man ohne weiteres Filme drehen.
JMD: Worin liegt für Sie der Reiz, mit jungen Sängern zu arbeiten?
Peters-Messer: Bei den jungen Leuten ist noch sehr viel Suche dabei. Gleichzeitig sind es erwachsene Persönlichkeiten, die schon fertig sind mit dem Studium. Das heißt, sie sind „inbetween“, was ich sehr spannend finde. Ich bin erstaunt und erfreut nicht nur über das sängerische Niveau, sondern auch darüber, wie offen alle mitmachen. Die Junge Oper Schloss Weikersheim geht frischer an das Ganze heran als viele Opernhäuser. Schön ist auch, dass es eine Gruppenarbeit ist. Da kommt nicht ein Regisseur, der sagt, „jetzt mach mal links rechts oben unten“. In Weikersheim gibt es eine andere und sehr viel persönlichere Form der Kommunikation und Zusammenarbeit.
JMD: Im Stück wird viel schmutzige Wäsche gewaschen: „Nichts sei zu arg, wenn’s dazu diene, die Männer ohn’ Erbarmen zu bestrafen“, singt Frau Fluth. Ist alles nur ein derber Spaß?
Peters-Messer: Nein. Ich glaube, das ist ein Missverständnis, das dieser Oper anhängt. „Die lustigen Weiber von Windsor“ sind garantiert komisch. Aber was ist Tragik, was ist Komik? Es ist immer nur ein Schritt vom Komischen zum Tragischen. Selbst der tragische Held kann plötzlich lächerlich wirken und umgekehrt. Es gibt in der Tat einige derbe Szenen im Stück: die Verkleidung Falstaffs als dicke Frau, Falstaff im Waschkorb – ab mit ihm in den Schlamm der Themse. Auch die Prügelei ist ein klassisches barockes, ganz grobes Theatermittel. Aber auf der anderen Seite ist damit auch etwas ganz Tiefgehendes gezeigt. In der Szene im Wald, in der Natur, rastet das kleine, bürgerliche Windsor aus und verprügelt diesen Mann. Das ist kein lustiges Tänzchen, sondern da geht es um eine kollektive Hatz auf Jemanden. Dieses Provokative von Shakespeare müssen wir bei der Oper auch finden. Eine Komödie ist nur dann eine gute Komödie, wenn sie uns ganz direkt betrifft und nicht nur Klamauk und Comedy.
JMD: Die schlauen Frauen, der heiratsschwindelnde Galan – wie gehen Sie mit dieser stark typisierten Figurenzeichnung um?
Peters-Messer: Die romantische Fassung der Oper von Otto Nicolai neigt dazu, den klischeehaften Charakter zu verstärken. Dem muss man entgegenarbeiten. Falstaff etwa: Bei Shakespeare ist er ganz eindeutig hinter dem Geld der Frauen her. In der Oper ist er mehr ein Verliebter, der mit den Frauen spielt. Die Schärfe und Spitze Shakespeares fehlt hier ein bisschen. Das gilt auch für die anderen Figuren im Stück. Was die Rolle des Herrn Fluth betrifft: Diese wahnsinnige Eifersucht könnte beinahe ein kleines Krankheitsbild sein. Der Fluth ist echt verrückt. Er ist so eine Art komischer Othello.
JMD: Können Sie etwas verraten, in welchem Stil Sie die Oper inszenieren werden?
Peters-Messer: Die Weikersheimer Kulisse ist historisch. Und die Bilder werden auch mit der Shakespeare-Zeit spielen. Trotzdem werden wir, um der Fassade und der Ästhetik des Schlosses etwas entgegenzusetzen, eine eigene Sprache finden. Skakespeare-Theater ist ein Theater des Puren, des Echten, das mit einfachen, klaren Mitteln arbeitet. Ich möchte also wieder zu diesem Deftigen, Barocken zurückkehren. Wir werden eine Art Shakespeare-Bühne haben, aber natürlich in einer übersetzten Form mit modernen Materialien.
Die Fragen stellte Käthe Bildstein
Jakob Peters-Messer
Jakob Peters-Messer inszeniert an zahlreichen Opernhäusern (u.a. in Bordeaux, Innsbruck, Lissabon, Tel Aviv) und bei verschiedenen Festivals, unter anderem den Schwetzinger Festpielen, den Festwochen der Alten Musik Innsbruck oder beim Festival dei Due Mondi in Spoleto.
Premiere der „Lustigen Weiber”: 22. Juli 2009, Schlosshof Weikersheim. Weitere Vorstellungen am 24., 25., 26., 28., 29. Juli, 1., 2. August 2009. Karten unter Tel. 07934 9936-36 oder www.oper-weikersheim.de