Seit 2005 hat sich in der städtischen Bildungslandschaft der Gemeinde Ismaning ein musikalisches Kooperationsprojekt fest etabliert. Hauptschulmusiklehrerin Monika Förster rief gemeinsam mit Carsten Reinberg, Leiter der Musikschule Ismaning e.V., das Projekt „Musik am PC“ ins Leben. Die Projektleitung übernahm der Musikschullehrer Markus Adam. Im jährlichen Turnus finden während der regulären Unterrichtszeiten an der Haupt- und Realschule in Ismaning Musikstunden statt, innerhalb derer die Schüler unter professioneller Anleitung ein eigenes Musikstück über einen Zeitraum von acht Wochen kreieren und auf CD brennen. Dabei wird das Projekt an die jeweilige Altersstufe und die Lehrplaninhalte im Fach Musik angepasst. Auch der Deutschunterricht wurde in das Projekt mit einbezogen. Ziel ist es, am Ende des Projektes jedem Schüler eine CD mit nach Hause zu geben, auf der seine eigene Arbeit zu hören ist. Die ideale technische Ausstattung dazu bietet die Volkshochschule Ismaning.
Im Mittelpunkt des Projekts stehen das Kennenlernen einer bestimmten Musikrichtung und die kreative Eigeninitiative der Schüler. Die Wahl fiel bislang auf den Musikstil „Rap“. In den Räumen der VHS lernen die Schüler, wie man einen eigenen Pop-/Rapsong produzieren und aufnehmen kann. Die rhythmisch-musikalische Grundlage eines Rapsongs beruht auf sogenannten Samples; das sind übereinander gelagerte Ausschnitte bestehender Songs. Um diese Grundlage zu schaffen, benötigen die Schüler eine Einführung in die professionelle Sequenzersoftware. Mit dieser können einzelne musikalische Abschnitte mittels Computermaus und -tastatur rhythmisch exakt geschnitten und kombiniert werden. So entsteht das musikalische Fundament eines Rapsongs, der um die textliche Komponente erweitert wird. „Während die Erstellung eigener Texte von Beginn an erklärtes Ziel innerhalb des Projekts war, zunächst jedoch beinahe den Zeitrahmen gesprengt hätte, sind Kreation und Aufnahme eigener Verse mittlerweile zu integralen Bestandteilen geworden“, erklärt Carsten Reinberg. Als Inspiration für die verschiedenen Stufen der Songs – von der Grundidee bis zum Arrangement – sind Hits der Popgeschichte dienlich. So fungierten bereits Klassiker wie „Streetlife“ (Crusaders), „Lady in Black“ (Uriah Heeps) oder „Paint it Black“ (Rolling Stones) als Vorlagen für eigene musikalische Ideen.
Neben musikalischen Lerneffekten steht bei diesem Projekt die Medienkompetenz im Mittelpunkt. Die Bedienung einer Sequenzersoftware sei für Laien und nicht musikalisch aktive Jugendliche beileibe keine Selbstverständlichkeit. Daher sei das Projekt eine gute Möglichkeit, die Schulung der eigenen Medienkompetenz mit aktiv-kreativer Betätigung zu verbinden, so Reinberg.
Um einen „geschmacklichen“ Konsens zwischen den beteiligten Acht- bis Zehntklässlern herzustellen und um einen musikalischen Stil für die Produktion zu wählen, der in seiner Komplexität für unerfahrene Musiker zu bewältigen ist, biete sich die Rap-Musik in mehrfacher Hinsicht an: „Einerseits ist diese Musik ein Produkt der Jugendkultur, mit der sich ein Großteil junger Menschen identifizieren kann oder zumindest über Kenntnisse der Szene verfügt, die bei anderen Musikrichtungen nicht vorausgesetzt werden können“, erklärt der Leiter. Anderseits biete die Rap-Musik den Vorteil, dass für das Schneiden und Zusammenfügen von Samples via Computersoftware keine instrumentalen oder vokalen Fertigkeiten notwendig sind, die es Schülern ohne musikalisches Können extrem erschweren würden, an einem solchen Projekt teilzunehmen. Dennoch wurden zum Beispiel auch Choraufnahmen gemacht oder es kam eine Querflöte als zusätzliches Songelement zum Einsatz. Wesentlicher Pluspunkt der Rap-Musik sei zudem die Möglichkeit, mit Texten experimentieren zu können, ergänzt Reinberg. Diese rhythmisch zu gestalten, fordere die Schüler besonders. Die Ergebnisse der Kurse „Musik am PC“ sind Rapsongs mit jugendnahen Texten über Liebe, Gewalt, Mobbing oder Drogenprobleme.
In der Öffentlichkeit findet das Projekt „Musik am PC“ positive Resonanz. Von der Gemeinde Ismaning wohlwollend gefördert, informiert sich auch der Bürgermeister Michael Sedlmair über die Kursergebnisse und findet die Resultate beeindruckend. Die Schüler selbst sind begeistert und betonen mehrheitlich, weiterhin Musik machen zu wollen oder einfach viel Spaß an der Arbeit gehabt zu haben. Der gesamte Erfolg des Projektes sei vor allem einer hervorragenden technischen Infrastruktur sowie eines hoch qualifizierten Lehrpersonals zu verdanken, resümiert Reinberg.