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Hauptgebäude der Landesakademie für die musizierende Jugend in Baden-Württemberg, Ochsenhausen.
Hauptgebäude der Landesakademie für die musizierende Jugend in Baden-Württemberg, Ochsenhausen.
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Geballte Fortbildungskompetenzen

Untertitel
30 Jahre Stiftung Landesakademie Ochsenhausen
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Am 26. November 2016 jährt sich zum 30. Mal die Gründung der Stiftung Landesakademie für die musizierende Jugend in Baden-Württemberg. Bereits in den späten 70er-Jahren forderte der Landesmusikrat eine Musik­akademie und ab 1979 stellte sich auch die damalige Landesregierung unter Minis­terpräsident Lothar Späth hinter die Forderung, eine Akademie für die musizierende Jugend im Land Baden-Württemberg einzurichten. Die darauf folgende Standortfrage glich einem Politkrimi. Nachdem sich zunächst der Standort Lahr als Favorit herausgebildet hatte, wendete sich im Hin und Her der politischen Diskussion immer wieder das Blatt. Intensives Werben und politisches Geschick führten dazu, dass am Ende die ehemalige Benediktiner-Reichsabtei Ochsenhausen als Akademiegebäude den Zuschlag bekam.

So kam es am 26. November 1986 zur Gründung der Stiftung Landesakademie im Bibliothekssaal Ochsenhausen. Im Mai des da­rauffolgenden Jahres trat der erste Akademiedirektor, Prof. Dr. Hans-Bruno Ernst, seinen Dienst an und es galt, die von der Stiftungssatzung vorgegebene Aufgabe mit Leben zu füllen. Neben der Organisation des Übergangs vom Aufbaugymnasium zum Akademiebetrieb bedurfte es der ersten Planung von Kursen und der Institutionalisierung von Gremien und Personalentscheidungen. Mitte 1988 lief der Akademiebetrieb an, welcher durch massive Baumaßnahmen, unter anderem den Ausbau des Konzertsaales im Bräuhaus und entsprechenden Einbau von Übernachtungs- und Arbeitsräumen, begleitet wurde.

Mit der Veröffentlichung des ersten Kursprogramms begann der offizielle Start der Akademie im Juli 1989, nachdem durch zahlreiche Vorkurse erste Erfahrungen gemacht wurden. Die offizielle Eröffnung erfolgte dann am 1. September 1990 durch den damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth. Die kommenden Jahre galten der Profilbildung des Hauses, welche sich in zahlreichen Projekten zeigte. So wurde das Themenfeld „Musik für Kinder“ durch die Uraufführung des Kindermusicals „Krach im Mustopf“ 1991 intensiv bearbeitet. Darüber hinaus gelang es, dank der guten räumlichen und sächlichen Ausstattung, große und international bekannte Orchester zu Arbeitsphasen nach Ochsenhausen einzuladen. Die Fortbildungen für Lehrkräfte waren von Anfang an zentraler Aspekt der Kursarbeit.

Während in den Endneunzigern noch starke Schwerpunkte im Orff-Instrumentarium und in der Rhythmik lagen, eroberte in den letzten Jahren vor allem der Bereich Jazz/Rock/Pop einen bedeutenden Platz. Ebenfalls zeigen die letzten Jahre auch eine deutliche Renaissance des Singens innerhalb der Schule, vor allem schwerpunktmäßig in der Grundschule. Ebenso entwickelte sich der Bereich Klassenmusizieren sehr intensiv, zuerst mit Blockflöte oder Mundharmonika, dann mit Keyboards. Aber auch die späteren systematischen Modelle wie Bläserklasse, Streicherklasse, Singeklasse und Keyboardklasse zeigen die methodische Orientierung des modernen Musikunterrichts in handlungsorientierten Ansätzen. Die Fortbildungen für Lehrkräfte spiegeln politische, gesellschaftliche und musikpädagogische Entwicklungen der letzten 30 Jahre kaleidoskop­artig wieder. Das Eigenverständnis der Akademie ist dabei, diesen Prozess aktiv als musikpädagogisches Kompetenzzentrum des Landes Baden-Württemberg aktiv mitzugestalten und zugleich immer wieder „Labor“ für Neuerungen zu sein.

Aber auch der Bereich der internationalen Jugendbegegnungen, welcher vor allem seit 1996 durch das Internationale Chorfestival C.H.O.I.R. geprägt ist, bildet einen Schwerpunkt der Akademiearbeit. Diese Internationalität wird durch viele Meisterkurse, aber vor allem durch die International Summer Academy of Music ISAM im Sommer weiter fortgetragen und ausgebaut.

Aber auch Fortbildungen für Erzieher/-innen bilden einen zentralen Schwerpunkt der Arbeit, welche seit zirka zehn Jahren besonders in den Fokus der Lehrgangsarbeit gerückt sind. Die Erkenntnis, dass die Musikalisierung nicht erst in der Grundschule, sondern schon im Kindergarten und in den Jahren davor beginnt, hat dazu geführt, den Bereich der Fortbildung in der elementaren Musikpädagogik auszubauen und eine Vielzahl an Fortbildungen für Erzieherinnen und Erzieher anzubieten. Auf der Basis dieser Erkenntnis war es folgerichtig, auch in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, die Internetplattform „Ganz Ohr“ in die Wege zu leiten, auf der junge Eltern mit Kindern viele Anregungen für das Musikmachen mit ihren Kindern erhalten. Liederblätter zum Mitsingen, Fingerspiele und Kniereiterspiele, eine Vielzahl an Hintergrundinformationen und Anregungen zum gemeinsamen Musizieren und Musikhören werden auf dieser Plattform angeboten. Dieses niederschwellige Angebot wird von einer Vielzahl Eltern intensiv genutzt.

Aber auch der Bereich „Neue Medien“ ist in den letzten Jahren in der Akademiearbeit in den Fokus des Interesses gerückt. Dazu wurde eigens eine halbe Stelle geschaffen und mit der Internetplattform „OXbits“ ein jugendgemäßer Zugang zu diesem Thema im Internet geschaffen.

Mit all diesen Themenfeldern sieht sich die Akademie für die nächsten Jahre gut aufgestellt, um auch in Zukunft für eine lebendige Musikvermittlung und ein lebendiges Musizieren von Kindern und Jugendlichen in Baden-Württemberg ihren Beitrag zu leis­ten. In einem feierlichen Festakt am 26.11.2016 wurde der Akademie ein neuer Konzertflügel übergeben, so dass sich auch die dingliche Ausstattung der Akademie weiterentwickelt.

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