Banner Full-Size

Musikschulen in der Mongolei

Untertitel
Ein Erfahrungsbericht · Von Reinhard Lüttman
Publikationsdatum
Body
Das Vorhaben: Die Gründung von Musikschulen im Lande Dschingis Khans, einem Land, viereinhalb Mal so groß wie Deutschland aber mit nur 2,2 Millionen Einwohnern, von denen mehr als die Hälfte in der Steppe und in Jurten wohnt. Die Mongolei ist aber auch ein Land mit einer ausgeprägten eigenständigen traditionellen Musikkultur, einem eigenen Instrumentarium mit Anleihen aus Tibet und China und mit einer faszinierenden Gesangskunst, dem Obertonsingen. Die Mongolei besitzt eine Universität für Kunst und Kultur mit einem Fachbereich Musik. Hier wird sowohl traditionelle wie auch europäische Musik vermittelt. Die europäische Sektion hat ungefähr 200 Studenten. 80 Prozent davon sind Sänger, 15 Prozent studieren Klavier und fünf Prozent verteilen sich auf einige Streicher und einen Flötisten. Da ist die Sorge der beiden Chefs der staatlichen Orchester berechtigt, dass für den Bereich der Bläser bald kein Nachwuchs mehr da ist. Dabei hat die Musikhochschule selbst Schwierigkeiten, Studenten zu finden für ihre „Mangelfächer“, weil sie zur Nachwuchsrekrutierung nur auf eine Musikschule und ein Musikcollege, beide in der Hauptstadt Ulan Bator zurückgreifen kann. Die hier geschilderte Situation gab den Ausschlag zur Gründung von Musikschulen. Aber da ist noch etwas anderes: Die vielen Sängerinnen und Sänger, die im Opernfach ausgebildet werden, wollen niemals an eine Oper, es zieht sie vielmehr zur Pop-Musik! Die euro-amerikanische Unterhaltungsmusik ist das erstrebenswerte Ziel mit aller damit verbundenen Verflachung und musikalischen Verarmung. Hinzu kommt in den Städten ein pures auf Gewinn ausgerichtetes Konsumdenken bei vielen Menschen. Es müssen also schon die Kinder für andere Werte und Ordnungen sensiblisiert werden. Als ich 1996 zum ersten Mal in die Mongolei eingeladen war, überarbeiteten wir zunächst alle Studien- und Prüfungsordnungen und passten sie an westliche Standards an. Dies geschah zusammen mit dem betroffenen Ministerium und der Universität für Kunst und Kultur ein Projekt, das zum Ziele hatte, Musikschulen auch außerhalb der großen Städte zu gründen, die es Kindern schon vom dritten Lebensjahr an ermöglichen werden, mit Musik in Berührung zu kommen. Auf diese Weise soll die Musikerziehung auf eine viel breitere Basis gestellt werden. Es geht um einen elementaren Zugang zur Musik, der sowohl den Zugang zur eigenen traditionellen wie zur europäischen Musik offen hält. Sibylle Endris-Lüttmann bildete an der Universität für Kunst und Kultur in Ulan Bator die ersten Lehrer im Fach „Elementare Musikerziehung“ aus. Es konnten für zirka 20.000 Mark Instrumente gekauft werden und auf langem Weg durch Russland in die Mongolei gesandt werden. Dank der Unterstützung durch Instrumentenhersteller sowie den Lions Club konnten die ersten fünf Musikschulen mit Instrumenten ausgerüstet werden. Der Deutsche Akademische Austauschdienst unterstützte die Reise finanziell.

Weiterlesen mit nmz+

Sie haben bereits ein Online Abo? Hier einloggen.

 

Testen Sie das Digital Abo drei Monate lang für nur € 4,50

oder upgraden Sie Ihr bestehendes Print-Abo für nur € 10,00.

Ihr Account wird sofort freigeschaltet!