Hauptbild
Kursteilnehmer/-innen des 3. Europäischen Chorforums mit dem Orpheus Vokalensemble und den Dozenten Bo Holten und Gunnar Eriksson. Foto: Landesmusikakademie Ochsenhausen
Kursteilnehmer/-innen des 3. Europäischen Chorforums mit dem Orpheus Vokalensemble und den Dozenten Bo Holten und Gunnar Eriksson. Foto: Landesmusikakademie Ochsenhausen
Banner Full-Size

Neue Chormusik aus Europa in Ochsenhausen

Untertitel
3. Europäisches Chorforum für Junge Komponisten der Landesmusikakademie Ochsenhausen
Publikationsdatum
Body

Vom 3.–9. September 2012 veranstaltete die Landesakademie Ochsenhausen zum dritten Mal das Europäische Chorforum für junge Komponisten. Es stand dieses Mal auch im Zeichen des Landesjubiläums „60 Jahre Baden-Württemberg“. Der Workshop, der alle zwei Jahre stattfindet, will Innovationen in der Chorszene anregen, junge Komponisten motivieren, sich mit vokaler Musik auseinanderzusetzen, und eröffnet Nachwuchskomponisten die Möglichkeit, sich mit erfolgreichen, die Chorlandschaft prägenden Komponisten und Arrangeuren auszutauschen.

Sieben junge Komponisten wurden nach Einsendung ihrer Kompositionen von einer Jury ausgewählt, sich eine Woche lang intensiv in die Besonderheiten vokaler Chormusik zu vertiefen: der (Neo-) Klassiker Josep Ollé Sabate aus Barcelona, der Jazzchor geprägte Patrick Prestel aus München, der in Frankreich lebende experimentierfreudige, sich an zeitgenössischen Musikströmungen orientierende Chris­tian Wenzel, die aus der Rockbandszene kommenden polnischen Musikstudenten Jakub Neske und Mariusz Lewy, die junge deutsche, Pop geprägte, Julia Terwald, und mit Tomasz Gargól aus Lodz  ein junger Komponist, der in seinen balladenhaften, lyrischen Kompositionen Klassik und Jazzpop verbindet. Hier haben sich junge Komponisten aus ganz Europa ausgetauscht, sich, ihre  Musik, ihre Klang-Ästhetik, ihre Emotionen eingebracht. Sie alle genossen die inspirierende Umgebung eines 1.000 Jahre alten Benediktiner Klosters, perfekte Arbeitsbedingungen und nutzten das großzügige Raumangebot.

Als Mentoren konnten zwei Urgesteine der skandinavischen Chorbewegung um Gunnar Eriksson gewonnen werden. Beide haben als Komponisten, Arrangeure und Chorleiter diesen weltweit vorbildlichen, chorpädagogischen Ansatz entscheidend mitprägten.

Bo Holten, Komponist und derzeit Dirigent des Flämischen Radiochores, hat mehr als hundert Werke geschrieben, darunter Opern, Symphonien, Solokonzerte und eben vor allem auch a cappella Chormusik. Es ist ihm wichtig, dass seine Musik verstanden wird und die Menschen berührt. Seine neue Oper Gesualdo wird im nächsten Jahr in wichtigen Kulturzentren Europas uraufgeführt werden.

Gunnar Eriksson, ein Wanderer zwischen stilistischen Welten, ein Virtuose im Bereich Chorimprovisation, ein Urgestein in der Chorszene weltweit, verbindet in seinen Arrangements und Kompositionen verschiedenste kulturelle Einflüsse. Er ist von Jazz, Volksmusik wie auch von zeitgenössischer Musik in gleicher Weise inspiriert und schafft es, dass alle diese Einflüsse in der ihm eigenen Musiksprache verschmelzen. Eine Musiksprache, die Melodie, Puls und Harmonik gleichwertig behandelt und philosophische Tiefe atmet.

Das professionelle Orpheus Vokalensemble stand als Choir in Residence unter wechselnder Leitung der beiden Dirigenten zur Verfügung. Das Ensemble besteht aus Chor erfahrenen Gesangssolisten, aber viele unter ihnen sind eben auch erfahrene Chorleiter. So ist dieses Ensemble ein idealer fachlicher Begleiter des Chorforums und Ansprechpartner für die Komponisten. Die jungen Komponisten genossen es, mit einem aufgeschlossenen, hochmotivierten und professionellen Vokalensemble in direktem Kontakt Stücke erarbeiten zu können, dabei auch Dinge auszuprobieren und sich selbst quasi „druckfrisch“ anzuhören und unmittelbar nach dieser direkten Hör- und Klang­erfahrung ihr Werk weiter entwickeln zu können.

In diesem idealen Zusammenspiel dreier Kräfte wird das Chorforum für alle Beteiligten zu einem Kompetenzzentrum der Chormusik. Der fachliche Austausch findet in verschiedensten Ebenen statt, befruchtend für alle. 

Die jungen Komponisten haben zum einen ihre eigenen Kompositionen eingebracht und täglich weiterentwickelt. Zum anderen konnten sie Komposi­tionsansätze, Kompositionsideen oder aus Anregungen entstandene Modelle direkt praktisch ausprobieren.

In besonderer Weise war auch das Dichterland Baden-Württemberg im Kurs präsent: 

Literarische Arbeitsvorlagen von Ulrich von Winterstetten und Eduard Mörike regten zu Kompositionsversuchen an. Zwei Ergebnisse aus der Woche, das Sommerlied von Ulrich von Winterstetten in Form einer  notierten Improvisation und Hugo Wolfs Seufzer, nach einem Gedicht von Eduard Mörike, von Bo Holten für Chor a cappella arrangiert, erlebten im Abschlusskonzert umjubelte Uraufführungen. Weitere sehr beachtenswerte zehn Uraufführungen von Werken der jungen Komponisten zeigten die hohe Qualität der Arbeit und auch die gesamte Bandbreite aktueller Chormusikkompositionen.  

Dies alles ermuntert zur Fortsetzung dieses zwar aufwendigen aber lohnenswerten Engagements der Landesakademie Baden-Württemberg für innovative Chorkompositionen und zur Förderung junger Komponisten. 

Weiterlesen mit nmz+

Sie haben bereits ein Online Abo? Hier einloggen.

 

Testen Sie das Digital Abo drei Monate lang für nur € 4,50

oder upgraden Sie Ihr bestehendes Print-Abo für nur € 10,00.

Ihr Account wird sofort freigeschaltet!