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Beeindruckende Vielfalt und Qualität

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Eindrucksvoller Tag der Berliner Musikschulen in der Berliner Philharmonie
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Zum zweiten Mal fand am 25. April der „Tag der Berliner Musikschulen“ in der Berliner Philharmonie statt. Unter der Schirmherrschaft von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse und im Haus der Berliner Philharmoniker wurde bis in den Abend ein umfangreiches Programm geboten, das die zwölf Berliner bezirklichen Musikschulen auf die ihnen eigene vielfältige Weise gestalteten. 

Die Beute des Tages waren über 400 Fotos, lahme Beine, die Ohren voller Musik und glänzende Augen. Wie ist es, wenn mehr als 900 Musikschülerinnen und Musikschüler nicht als Gäste die Berliner Philharmonie besuchen, sondern nach dem 25. April sagen können: „Ich bin in der Philharmonie aufgetreten?!“ Die Antwort ist leicht: „KLASSE“ – und dies zeigte sich deutlich an der Freude der Mitwirkenden und der Begeisterung der Zuschauer, die mit Applaus nicht geizten.

Nicht nur im Kammermusiksaal und im Hermann-Wolff-Saal, sondern auch auf den umlagerten Bühnen im Foyer zeigten die Musikschulen einen Querschnitt dessen, was bei ihnen so „auf die Beine gestellt wird“, wie es in den Bezirken klingt und tanzt. Dabei ist viel mehr los, als in der Öffentlichkeit bekannt ist – und das bezieht sich dabei nicht nur auf „Masse“, sondern auch auf Qualität. Die Vielseitigkeit der Präsentationen mit ungewöhnlichen Kombinationen verschiedenster Ensembles war bemerkenswert und erfrischend. Es war für jeden Geschmack und aus jeder Richtung etwas dabei.

Das Publikum wusste dies sehr zu würdigen und ließ sich von bekannten Melodien und Schlagern, aber auch von unbekannten Tönen und Klängen begeistern. Kleine und große Besucher konnten nicht immer die Füße still halten und so manch einer sang die Texte leise mit. Ohnehin, der Gesang – nicht nur die Instrumentalisten zeigten, wie viel Freude das gemeinsame Spiel macht, verschiedenste Chöre demonstrierten mit einem abwechslungsreichen und spannenden Programm, dass Gesang absolut „up to date“ ist.

In der zentralen Veranstaltung mit Wolfgang Thierse, die musikalisch äußerst feinfühlig von „Der kleinen Barockband“ eröffnet wurde, antwortete dieser auf die Frage nach den Ursachen für das wirtschaftliche Dilemma der musischen Ausbildung sowohl an Berlins Schulen als auch an dessen Musikschulen: „Wenn ich mir die Situation (…) ansehe, dann muss ich zu dem Schluss kommen, dass der Beruf des Musiklehrers nicht die nötige gesellschaftliche Relevanz und Anerkennung hat, die ihm aufgrund der hohen Qualifikation eigentlich zukäme – und zwar auch finanziell.“ Mit erschütternder Detailkenntnis, die man sich von manchem Bildungspolitiker auf dem kargen Boden der Berliner Musikschullandschaft wünschen würde, erläuterte er, „dass dem Musikunterricht in unserer Stadt zu wenig Wertschätzung entgegen gebracht wird.“ Und weiter: „Geben Sie uns Politikern keine Möglichkeit, uns mit Sachzwängen zu entschuldigen.“ Man kann nur hoffen, dass viele Kolleginnen und Kollegen in den zuständigen Berliner Musikschulgremien diesen Worten bei den Strukturveränderungen, die in den kommenden Monaten und Jahren in Berlin anstehen, Nachdruck verleihen werden.

Mit dem darauf folgenden amüsanten Beitrag des „Vogelpfeifenensembles“ konnten die Besucher die harten Fakten wieder etwas verschmerzen und in die angenehme Atmosphäre der nächsten Konzertbeiträge übergleiten. Nach Ausklang dieses Abends dürfte wohl so mancher mitwirkende Musikschüler und mancher Besucher die Berliner Philharmonie voller neuer Eindrücke verlassen haben.

Der Einladung zur anschließenden Podiumsdiskussion waren Vertreter aller politischen Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhauses gefolgt. Die schwierige Lage der Musikschulen, ihrer Schüler und Lehrkräfte wurde in Videosequenzen verdeutlicht. Die Statements u.a. von Lehrer- und Elternvertretung machten die Problematik langer Wartelisten und eines unsicheren, weil freiberuflichen Musikschullehrerdaseins deutlich. Auf die Frage, ob man die Lösungsvorschläge des Kommissionsberichtes Musikschulen versuchen wolle, erhielt der Moderator Christian Höppner von Matthias Pannes die aufschlussreichste Antwort: „Wer etwas erreichen will, findet Wege, wer es nicht will, findet Gründe.“
 

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