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Erfolgsgeschichte eines halben Jahrhunderts

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Die Deutsche Streicherphilharmonie feiert ihren 50. Geburtstag
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Dreikönigstag im Dresdner Kulturpalast. Der Goldjubilar wartet gespannt auf seine Gäste. Am Ende sind es viel mehr, als in diesen Zeiten zu hoffen war. Der Maître de Plaisir ist Dresdner Urgestein und hat alles richtig gemacht, um das Geburtstagsfest zu einem großartigen Erfolg werden zu lassen. Es ist das erste Konzert in einem Jahresreigen an Jubiläumsveranstaltungen der Deutschen Streicherphilharmonie, die 2023 ihren 50. Geburtstag feiern darf.

Das Publikum erlebte an diesem 6. Januar ein buntes Konzertprogramm mit einer glänzend aufgelegten Deutschen Streicherphilharmonie unter Leitung von Chefdirigent Wolfgang Hentrich mit dem weltweit gefeierten Chopin-Interpreten Rafał Blechacz. Als Chopin das Klavierkonzert Nr. 2 f-Moll op. 21 komponierte, war er mit gerade mal 19 Jahren so jung, wie es die „Alten“ unter den Orchestermitgliedern der DSP sind. Einige von ihnen haben während ihrer Ausbildung in diesem jüngsten Bundesauswahlorchester dieses Klavierkonzert bereits mehrfach gespielt. Aber die Interpretation und das Zusammenspiel mit dem polnischen Pianisten Rafał Blechacz war atemberaubend. So nahm es auch nicht wunder, dass sich selbst das als äußerst zurückhaltend bekannte Wiener Publikum zwei Tage später im dortigen Musikverein zu Standing Ovations hinreißen ließ. Der nicht enden wollende Applaus hier wie dort schloss freilich auch die eindrucksvolle Leistung und ansteckende Spielfreude des Orchesters bei den weiteren Programmpunkten ein. Mit Werken von Edvard Grieg (Holberg Suite, 1. Satz), Johann Strauss (Vater, Musikverein-Tänze) und Timm Tzschaschel (Uraufführung der Mitklatsch-Polka, eine Erinnerung an 100 Jahre Zwölftonmusik) hatte Wolfgang Hentrich für den ersten Konzertteil ein ebenso anspruchsvolles wie lockeres Neujahrsprogramm zusammengestellt. Dabei durfte auch die Pizzicato-Polka der Brüder Johann und Josef Strauss nicht fehlen. Sehr zur Freude des Publikums überreichte der Chefdirigent seinen Geigenbogen einer Zuhörerin, um mitzupfen zu können, und löste diesen im Anschluss an die Polka gegen ein Glas Sekt wieder aus. Mit den jungen spanischen Schwestern Julia und Daniela Dueñas und dem Konzert für Violine und Violoncello von Antonio Vivaldi wurde das Publikum in die Pause entlassen. Im Dresdner Kulturpalast ebenso wie im Wiener Musikverein, wo die Deutsche Streicherphilharmonie am 8. Januar bereits zum fünften Mal konzertieren durfte, wurde es im zweiten Programmteil still, als Rafał Blechacz und die jungen Musikerinnen und Musiker Chopins erstes Klavierkonzert (das wegen seiner späteren Veröffentlichung als zweites nummeriert ist) zu Gehör brachten. Die Faszination erlebten nicht nur die Zuhörer: Wenige Tage später vereinbarten der äußerst rührige Veranstalter VIENNA CLASSIC, der Solist, der Dirigent und der Verband deutscher Musikschulen das Folgeprojekt: Frédéric Chopins Klavierkonzert Nr. 1 am 7. Januar 2024 im Wiener Musikverein. Mit Antonio Vivaldis „Winter“ aus den Vier Jahreszeiten und, als Zugabe, den ersten beiden, feurig gespielten Rumänischen Tänzen von Béla Bartók endeten die beiden Konzerte zum Auftakt des Jubiläumsjahres furios.

Zum Abschluss ihrer Eröffnungstournee beeindruckte die Deutsche Streicherphilharmonie mit einem Konzert im Gewandhaus Leipzig. Wolfgang Hentrich übergab seinen Taktstock an einen Shootingstar unter den Dirigenten, den erst 27-jährigen bereits als Violinisten hervorgetretenen Emmanuel Tjeknavorian, der mit der schulisch bedingt nun deutlich kleineren Streicherbesetzung in wenigen Probentagen in Berlin ein neues Programm zur Konzertreife bringen musste. Der erste Programmteil wurde mit der Suite für Streicher (1877) von Leoś Janácek eröffnet, bevor einige Stücke aus dem Dresdner und Wiener Programm folgten. Für den zweiten Teil hatten sich Tjeknavorian und das junge Spitzenensemble der Musikschule mit Antonín Dvóraks Streicherserenade E-Dur nicht gerade ein „Leichtgewicht“ vorgenommen. Auch im gut gefüllten Mendelssohn-Saal in Wien konnten Orchester und Gastdirigent einen großen Erfolg verzeichnen. Fast erübrigt es sich zu sagen, dass es bereits im Sommer 2023 ein neuerliches Zusammentreffen zwischen dem jungen Dirigenten und der Deutschen Streicherphilharmonie geben wird und gerade für das kommende Jahr spannende gemeinsame (noch geheime …) Pläne geschmiedet werden. Der Erfolg gibt dem Verband deutscher Musikschulen als Träger des Orchesters einmal mehr recht, die hohe Qualität der musikalischen Ausbildung an den öffentlichen Musikschulen und den Musikgymnasien durch das langjährige Dozententeam des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin, Patenorchester der DSP, und den seit nunmehr zehn Jahren engagierten Chefdirigenten zusätzlich intensiv zu fördern und auszubauen. Der Erfolg gibt auch der GVL recht, die den Spitzenstreichernachwuchs in seinem Jubiläumsjahr erneut großzügig fördert. Auch das nächste Geburtstags­event, dem die Musikerinnen und Musiker nun entgegenfiebern, wird dank der Unterstützung durch die GVL möglich: ein Konzert unter Leitung des früheren Chefdirigenten und heutigen Ehrendirigenten der DSP, Michael Sanderling, in Weimar. Erneut kommt das Orchester dann im April für vierzehn Tage aus allen Teilen Deutschlands zusammen, um in Weimar (Weimarhalle, 23.4.), in Berlin (Haus des Rundfunks, 27.4.), in Kassel (im Rahmen des Musikschulkongresses, Kongress Palais, 28.4.) und in Neuenhagen (Bürgerhaus, 30.4.) die Jubiläumsfeierlichkeiten fortzusetzen. Neben vielen weiteren spannenden Projekten wird die Deutsche Streicherphilharmonie in ihrem Geburtstagsjahr zu Pfingsten selbst als Geburtstagsgratulant nach Zwickau eingeladen. In der sächsischen Stadt wird am 28. Mai das Jubiläum „60 Jahre Jugend musiziert“ gefeiert. Immerhin ist die Deutsche Streicherphilharmonie seit vielen Jahren direkte Anschlussmaßnahme für die Ersten Preisträger des Bundeswettbewerbs und dank der in Deutschland von der Pike auf intensiven und hochqualitativen musikalischen Ausbildung wird es überhaupt möglich, dass die 11- bis 20-jährigen Musikerinnen und Musiker in einem weltweit so berühmten Konzertsaal wie dem Wiener Musikverein wie selbstverständlich ein- und ausgehen.

Wo die Deutsche Streicherphilharmonie ihr eigenes „diamantenes“ Jubiläum feiern darf, bleibt spannend.

 

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