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Jedem Kind seine Musikschule

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Die Würzburger Musikschule feiert 50. Geburtstag
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Nachdem der Vorläufer der heutigen Würzburger Musikschule, die „Würzburger Singschule“, 1936 ihre Tore schließen musste, erfolgte der Neustart im Jahr 1963. Von den 3.000 Anmeldungen konnten im ersten Jahr nur 200 berücksichtigt werden. Drei Jahre später waren es dann schon 1.431 Schüler, die von 18 Lehrern unterrichtet wurden – zunächst in den Instrumenten Blockflöte, Gitarre, Violine und Akkordeon. Die Schülerzahl wuchs stetig, auch der Fächerkanon erweiterte sich mit der Zeit.

1980 stieg der Landkreis Würzburg mit anfänglich sechs Außenstellen in die Musikschularbeit ein, bis 1982 erhöhte sich diese Zahl auf 22.1997, schließlich wurde die Sing- und Musikschule ein Zweckverband mit Stadt und Landkreis Würzburg. Geschäftsleiter Michael Dröse leitet die Geschicke bis heute – gemeinsam mit einem künstlerisch-pädagogischen Schulleitungsteam, das aus sechs Fachbereichsleitern besteht.

Heute zählt die Sing- und Musikschule Würzburg rund 100 Unterrichtsstätten im gesamten Verbandsgebiet und vermittelt mehr als 3.000 jungen Menschen eine musikalische Ausbildung. Neben einem umfangreichen Instrumentalangebot haben auch Rock, Pop und Jazz Eingang ins Unterrichtsprogramm gefunden. Dazu kommen interkulturelle Elemente wie Cura oder Baglama und natürlich zahlreiche Ensembles für Anfänger und Fortgeschrittene und für fast alle Instrumentengattungen. Das Jubiläumsjahr wurde und wird mit vielen Sonderveranstaltungen und Konzerten gefeiert. Zu den Highlights zählte das Festkonzert im Mai unter dem Titel „Musikschule & Friends“. Außerdem fand das Unterfränkische Musikschulfestival in diesem Jahr in Würzburg statt – mit 90 Ensembles und 900 jungen Musikern aus 16 Musikschulen.

Eine gelungene Kooperation gab es mit dem Würzburger Medienunternehmen Vogel Business Media. Auszubildende des Unternehmens gestalteten die Jubiläumsfestschrift – und nutzten dafür crossmediale Präsentationsformen: Neben dem traditionellen, pfiffig gestalteten Printprodukt gibt es ein ePaper und – in der Broschüre – zahlreiche QR-Codes mit Links zu Ton- und Filmbeispielen auf der Webseite der Musikschule (www.musikschule-wuerzburg.de). Ein in der Publikation erschienenes Interview mit Geschäftsleiter Michael Dröse gibt einen informativen Einblick in die aktuelle Situation der Musikschule. Mit freundlicher Genehmigung drucken wir es an dieser Stelle in gekürzter Form ab.

Sing- und Musikschule: Die Sing- und Musikschule Würzburg hat die stolze Anzahl von 3.100 Schülern mit 3.800 Fachbelegungen. Welche Fachbereiche wachsen in den letzten Jahren am stärksten?

Michael Dröse: Am stärksten wächst im Moment der Fachbereich Zupfinstrumente. In unserer „Top Ten Liste“ findet sich die Gitarre inzwischen auch auf Platz 1, gefolgt vom Klavier. Ein sehr stark wachsender Fachbereich ist auch der Fachbereich Elementare Musikpädagogik, und hier speziell die Angebote für Kleinkinder ab dem Alter von sechs Monaten bis ins Vorschulalter.

SuMS: Nicht nur die Musikschule, auch die allgemeinbildenden Schulen haben sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Haben Sie Auswirkungen der Einführung des achtjährigen Gymnasiums an der Sing- und Musikschule zu spüren bekommen?

Dröse: Die Nachfrage an sich ist gleich geblieben – trotz G8, trotz Mehrbelastung der Kinder und Jugendlichen. Allerdings hat das G8 insofern große Auswirkungen, als die Unterrichtsplanungen immer aufwändiger werden. Die Terminierung von Unterricht und die Nutzung von Räumen für den Musikschulunterricht sind inzwischen denkbar schwierig. Das bedeutet, dass sich auch für unsere Lehrkräfte ganz andere Arbeitsbedingungen ergeben.

SuMS: Immer häufiger wird von der Politik Instrumentalunterricht auch an allgemeinbildenden Schulen zum Beispiel in Form von Klassenmusizieren oder JeKi eingefordert. Welche Rolle spielt hierbei die Sing- und Musikschule?

Dröse: Unsere Zielsetzung lautet „Jedem Kind seine Musikschule“. Das bedeutet: Wir möchten möglichst vielen Kindern einen Zugang zur Musikschule verschaffen. Das schaffen wir durch unsere Flächendeckung und zusätzlich über Angebote zum Klassenmusizieren, über (echte) Bildungspartnerschaften. Es geht darum, die Kinder zunächst an die Musik in Klassenverbänden heranzuführen und das Interesse zu wecken, um später eine individuelle Förderung im Einzel- oder Kleingruppenunterricht zu schaffen. „Jedem Kind seine Musikschule“ bedeutet für uns auch: Jedem Kind sollte ohne eine finanzielle Zugangsbeschränkung der Weg in die Musikschule gewährt werden.
Wir wollen auf jeden Fall ein nachhaltiges Angebot schaffen, nicht nur zwei Jahre einen Klassenverband mit einem musikalischen Angebot versorgen und danach wieder entlassen. Die Nachhaltigkeit erreichen wir dadurch, dass wir den Schülern in der Regel Anschlussangebote machen können.

SuMS: 2013 hat die Sing- und Musikschule Würzburg ihr 50-jähriges Jubiläum. Was waren in Ihren Augen die wichtigsten Veränderungen der SuMS Würzburg?

Dröse: In den letzten 15 Jahren, die ich begleitet habe, ist sicherlich der Ausbau des Angebotes und die Öffnung der Musikschule in alle Richtungen wichtig gewesen. Unter dem Stichwort „Inklusion“ Menschen mit Behinderungen und jeden Alters aufzunehmen, Menschen aus anderen Kulturkreisen deren Instrumente anzubieten, gehört genauso dazu, wie die Arbeit mit demenzkranken Menschen. Wir haben den Bereich der musikalischen Früherziehung sehr stark ausgebaut. Wir haben den Bereich der U-Musik erweitert, die Big Band entsprechend gefördert, Jazzabteilungen und Rock und Pop entsprechend etabliert. Ich denke, da hat sich viel getan.

SuMS: Sicherlich haben Sie auch Ihre ganz persönlichen Wünsche für die Zukunft der Sing- und Musikschule  Würzburg.

Dröse: Das eigene Gebäude – diesen Wunsch können Sie durch jede Jubiläumsfeier, durch jede Festschrift der Musikschule nachverfolgen – ist längst überfällig. Wir haben eine Größe und Struktur erreicht, die mit einer virtuellen Musikschule, als die wir uns derzeit eigentlich präsentieren, nicht mehr händelbar ist und auch nicht mehr in die heutige Zeit passt. Das Ambiente einer Musikschule sollte einladen, in die Musikschule zu kommen!
Ich würde mir außerdem wünschen, dass wir nicht nur seitens der Politik, sondern insbesondere auch von allgemein bildenden Schulen noch stärker als Bildungspartner anerkannt werden. Es geht nicht nur um die „Raumbelegung am Nachmittag“, sondern um echte Partnerschaften, die wir derzeit weiter entwickeln und die wir ausbauen müssen. Wir sollten eine viel höhere Wertschätzung auch in der Gesellschaft erfahren. Der gesellschaftliche und soziale Aspekt einer Musikschule ist weitaus höher anzusiedeln als der rein musikalische Mehrwert.

Das Interview wurde von Susanne Müller-Gorges geführt.

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