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Vom 7. bis 10. Oktober kamen in Weimar die Delegierten der Europäischen Musikschul-Union (Emu) zu ihrer diesjährigen Generalversammlung zusammen. In diesem Jahr auf Einladung des VdM in die Kulturstadt Europas angereist, wurden sie durch die Musikschule Weimar „Ottmar Gerster“ hervorragend beheimatet. Direktor Hartmut Geppert hatte das Plenum im wunderschön restaurierten Saal der 1825 errichteten ehemaligen Bürgerschule und die Arbeitsgruppen in Unterrichtsräumen untergebracht – ein Ambiente, das sicher zur konzentrierten und inhaltsreichen Arbeit beitrug. Eine hervorragende Darbietung mit zum Teil ehemaligen Schülern der Musikschule unter dem Motto „Begonnen in der Musikschule...“ zeigte den Gästen repräsentativ das obere Niveau der deutschen Musikschulausbildung.
Als neue Mitglieder wurden die Association of Irish Music Colleges (Irland) und der Musikschulverband der Slowakei einstimmig aufgenommen. Die Wahl des Präsidiums bestätigte den vom bisherigen Präsidenten Josef Frommelt (Liechtenstein) angeregten Wechsel: Neuer Präsident der emu wurde Jan van Muilekom, Direktor des niederländischen Verbandes VKV. Der VdM-Vorsitzende Dr. Gerd Eicker wurde zum Vizepräsidenten gewählt. Frommelt wurde für seine langjährige Tätigkeit mit der Ehrenmitgliedschaft der emu ausgezeichnet.
Die fachliche Arbeit fand diesmal einen Schwerpunkt im Erfahrungsaustausch über das Qualitätsmodell der EFQM (European Foundation for Quality Management), das in den Niederlanden, in Deutschland, aber auch in Spanien für Musikschulen angewendet wird. Die emu wird diese Entwicklungen weiter beobachten und prüfen, inwieweit das EFQM-Modell in jeweils eigenen nationalen Ausprägungen erfolgreich wirken kann.
Auch diskutierte man über die ausgesprochen vielfältige Landschaft der Musiklehrerausbildung in Europa und nahm sich vor, hier zunächst eine zuverlässige Bestandsaufnahme als Grundlage für eine vergleichende Bewertung , Harmonisierung und verlässliche Formen der gegenseitigen Anerkennung von Diplomen zu erstellen.
Schließlich konnte VdM-Vorstandsmitglied Klaus-Jürgen Weber die Dokumentation der 1. Arbeitsphase des emu-Projektes „Interkulturelles Musiklernen in Europa“ präsentieren, das unter seiner Leitung steht.
Wichtigstes Ergebnis der Tagung aber war die „Weimarer Deklaration Musikschule in Europa“. Das Positionspapier wird der kulturpolitischen Arbeit der emu, aber auch den nationalen Musikschulverbänden in den nächsten Jahren eine gemeinsame Grundlage geben. Basierend auf der Feststellung, dass Musikschulen das Menschenrecht auf Kulturelle Bildung realisieren (UNO-Konvention „Rechte der Kinder“ und UNESCO-Postulat zu den Rechten aller Menschen auf Bildung, Kunst und Kultur), fordert die Resolution die Anerkennung von Musikschulen als Bestandteil der Allgemeinbildung und der kulturellen Grundversorgung. Auch die gesetzliche Verankerung, ein Namensschutz und die öffentliche Trägerschaft und Finanzierung der Musikschulen werden nachdrücklich eingefordert. Schließlich reklamiert die Europäische Musikschul-Union ein offizielles Mandat für ihre Arbeit, Fördermittel für ihre Projekte sowie Mitgestaltungsrechte an den europäischen Kulturförderprogrammen.
Das Volkshaus Jena war am Abend des 9. Oktober Schauplatz eines Konzertes, mit dem das Deutsche Musikschulorchester DMO seine diesjährige Herbsttournee und auch die emu-Generalversammlung glanzvoll beendete. Die europäischen Gäste waren fasziniert von dem nuancenreichen, ausdrucksstarken und makellosen Klang des vom VdM getragenen Orchesters, das unter Leitung von Prof. Hanns-Martin Schneidt Werke von Peter Hoch, Corelli, Janacek, Weber und Grieg spielte.