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Isang Yun. Foto: Boosey & Hawkes
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Aus dem Neue Musik-Koma erwacht – ein Isang Yun-Festival an der Schumann Hochschule Düsseldorf

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Wird jetzt doch noch alles gut? Eine komplette Hochschule, in der Vergangenheit immer ein wenig verschnarcht, wenn es ans Zeitgenössische ging, reckt und streckt sich, verkündet zur allgemeinen Verwunderung, aus ihrem neue Musik-Koma erwacht zu sein. Tatsächlich geriet die Demonstration des Rekonvaleszenten eindrucksvoll. Fünf Tage neuer koreanischer Musik von Isang Yun, Younghi Pagh-Paan, In-Sun Cho, Aseon Han auf höchstem Niveau – gestemmt von Studierenden. Keine Frage: Das war die Schwalbe. Nun wartet man auf den Sommer.

Younghi Pagh-Paan hätte sie alle umarmen können und abküssen obendrein. Stundenlang. So selig war die koreanische Komponistin angesichts dessen, was sie in den fünf Tagen an Düsseldorfs Musikhochschule mit dem berühmten Namenspatron gehört und gesehen hatte. Apropos. Die Namen derer, die ein prall gefülltes Korea-Festival zu einem selten gehörten musikalischen Genuss machten, hat man noch auf keinem Plakat gelesen. Sie heißen Cho, Choi, Jung, Lee, Kim, Kang, Shirai, Yoo, aber auch Brodska, van Durling, Färber, Hecker, Henckens, van Holen, Ingenhoven, Kholodova, Luosujärvi, Schuldt, Zilias, Ziemendorff und andere mehr. Ein Zusatz, der keinesfalls übertrieben ist, hatte Rüdiger Bohn zu diesem Isang Yun-Fest doch die halbe Hochschule mobilisiert, obendrein Gastdozenten, ausgewiesene Yun-Spezialisten geladen: Eduard Brunner, Ingo Goritzki, Hansheinz Schneeberger, nicht zu vergessen die koreanischen Yun-Kenner Kaya Han, Aseon Han und eben – Younghi Pagh-Paan.

Letztere vor allem hat diesem koreanischen Musik-Fest am Rhein ihren Charme, ihre Begeisterung mitgegeben. Dass Pagh-Paan über Yuns Orchesterwerk „Ryak“ seinerzeit überhaupt zur Komposition gefunden hat, spürt man bis heute. Und – darin liegt die Wichtigkeit – diese Nähe gibt sie weiter und damit eben das, was zur Technik hinzutreten muss, damit Musik entsteht. Dafür vermag das Musikstudium, die Musikausbildung aus dem Geist der Handwerkskammer schwerlich einen Sinn zu entwickeln. Rüdiger Bohn weiß davon ein Lied zu singen. Sein Blick auf die Verhältnisse wie er sie 2006 beim Antritt seiner Düsseldorfer Dirigier-Professur vorgefunden hat, ist nüchtern, freilich mit glasklarer Vision, sprich: definiertem Ausbildungsziel. „Es ist nach wie vor so, dass vor allem Instrumentalisten ausgebildet werden, aber nicht Musiker. Und da bin ich sehr dagegen. Ich möchte hier eine neue Dimension aufbauen.“

Einen Vorgeschmack darauf hat das dicht gepackte Yun-Festival jetzt gegeben. Ob Yuns weltabgewandtes Bratschen-Duo „Contemplation“ (David Hecker/ Min-hyung Yoo), sein verzaubert-bezauberndes Klavierwerk „Interludium A“ (Suk-Yeon Kim) oder das Ost und West verschmelzende „Concertino“ für Akkordeon und Streichquartett mit rein koreanischer Besetzung oder ob „Loyang“ für Kammerensemble unter Bohns eigener Leitung – die musikalischen Ergebnisse hätten auf jeder ‚richtigen’ Bühne Furore gemacht. Schwachpunkte waren die Wortbeiträge des Festivals. Gewiss, ein sattsam bekanntes Leiden, dass das Sprechen über Musik so oft im Metapherngestöber untergeht.

Bliebe noch die Frage: Warum überhaupt Isang Yun? Die Antwort des künstlerischen Leiters kommt prompt, verweist auf das zu knüpfende Band zwischen Kunst und Pädagogik: „Ich möchte, dass die Studenten darauf vorbereitet werden, professionell zu arbeiten, auf dem höchsten Niveau zu arbeiten. Die Ansprüche müssen viel höher geschraubt werden. Es muss Ihnen klar werden, dass das eine Vorbereitung ist auf den Beruf und nicht auf eine Musikschule. Sie sollen hier lernen, auf dem allerhöchsten Niveau mit Musik umzugehen. Und da ist Yun die beste Herausforderung.“

Tatsächlich sind die Partituren des 1995 verstorbenen Komponisten wegen ihrer exorbitanten Schwierigkeit gefürchtet, was Bohn freilich nur recht ist. „Yun fordert alles – in jeder Hinsicht, physisch, technisch, musikalisch, geistig und das ist das, was ich den Studenten vermitteln möchte und da ist er von Beethoven nicht weit entfernt.“ Womit das andere Stichwort des agilen Lübeckers gefallen ist, eines, das über das Portal (nicht nur) dieser Hochschule zu schreiben wäre, in großen Lettern. „Die Studenten sollen lernen, gute von schlechter Musik zu unterscheiden, aber nicht neue von alter.“

Zum Beispiel Heidi Luosujärvi. Mit der finnischen Akkordeonistin hat Younghi Pagh-Paan ihr träumerisches „Ne Ma-um“ (mein Herz) vorbereitet. Nach einer Aufführung von wahrer, zwischen Ernst und Heiterkeit balancierenden Tiefsinnigkeit ist Pagh-Paan hin und weg: „Sie hat ihr Herz mitgearbeitet, hat zuerst die Noten gearbeitet und dazu ihre Musik gespielt, ihr Herz gegeben. Unglaublich schön.“

 

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