Hauptbild
Andreas Schaerer. Foto: Ssirus W. Pakzad
Andreas Schaerer. Foto: Ssirus W. Pakzad
Hauptrubrik
Banner Full-Size

Jazz & The City: Eintritt frei für Jedermann

Publikationsdatum
Body

Neidvoll dürfte manche Kulturhochburg nach Salzburg schauen: dort gönnt man den Einheimischen in der malerischen Altstadt im Oktober ein groß angelegtes, fünftägiges Spektakel namens „Jazz & The City“, das in vierzig verschiedenen Locations über die Bühne geht. Musiziert wird im Weinarchiv eines Arthotels wie im Landestheater. Wer immer sich rechtzeitig anmeldet, kann lokale wie internationale Größen bei freiem Eintritt erleben.

Wer als Außenstehender im Oktober nach Salzburg reist, kann sich nur fragen: wie stemmen die das? Wie kriegen sie es hin, gut hundert Konzerte, verteilt auf vierzig verschiedene Bühnen, zu veranstalten, ohne von den Besuchern auch nur einen Schilling, pardon Euro, zu verlangen. Das Programmheft zu „Jazz & The City“ weist eine stattliche Anzahl an Sponsoren auf – doch mit deren Geld alleine wäre das Festival nicht zu wuppen. Es gehört auch schon eine Menge Idealismus vonseiten einheimischer Einrichtungen und Lokale dazu – sie stellen ihre Räumlichkeiten, ihr Personal frei zu Verfügung.

Mit „Jazz & The City“  kommt ein ganz anderes, cooles Flair in die Stadt, die man sonst eher mit Klassik, mit Mozart, mit „Jedermann“, mit den Festspielen assoziiert. Man sieht hippe Konzertgänger zwischen den Veranstaltungsorten hin- und herpendeln, spürt die Neugier der Salzburger auf den Jazz in all seinen Ausprägungen. Am Wochenende mischt sich manchmal gemeines Partyvolk unter Zuhörwillige und fällt unangenehm auf – aber das ist nur ein kleiner Wehmutstropfen.

Allein die Auswahl der Locations ist schon ein Event für sich. So stellte der franko-iberische Bassist Renaud Garcia-Fons seine gefürchtete Virtuosität im Weinarchiv eines „arthotels“ in der Getreidegasse zur Schau („Blaue Gans“). Ein besonderer Ort ist das „Kavernen“, ein imposanter in den Fels gehauener Bau, der Wüstenrot gehört. Dort gastierte etwa die Schweizer Band „Hildegard Lernt Fliegen“ um den genialen Sänger Andreas Schaerer – und zelebrierte eine Musik, in der umwerfende Komik-Elemente auf ernsthaftes Entertainment trafen. Die Kehlkopfexkursionen und Human Beatbox-Einlagen, die minutiösen Arrangements und die vielen Überraschungseffekte lösten eine Standing Ovation aus.

Die Heimat von „Hildegard Lernt Fliegen“, aber auch Portugal zählten zu den Schwerpunkten bei Jazz & The City. Trotzdem gehörte die Hälfte der rund hundert Auftritte einheimischen, österreichischen Bands und Künstlern, die in Clubs, Restaurants, Bars und sonstigen Lokalitäten Werbung für ihre Kunst machten.

Wer wollte, konnte zwischen dem 9. und 13. Oktober auf musikalische Entdeckungsreise gehen – oder aber sich an Vertrautem delektieren. Im Landestheater etwa spielte zum Finale unter den Augen und Ohren des Landeshauptmanns Dr. Wilfried Haslauer der kolumbianische Harfen-Zauberer Edmar Castaneda auf, den in diesen Breitengraden bislang nur Insider kannten.
Wer auf Bewährtes setzte, konnte sich in einmal mehr von Carla Bley, Maceo Parker, Erika Stucky. Eric Truffaz, Gianmaria Testa, John Abercrombie oder Ray Anderson begeistern lassen, der im „Republic Theater“ in einer furiosen Suite das sündige Chicago ins brave Salzburg brachte. Dort, an den Ufern der Salzach, findet im Oktober 2014 zum 15. Mal das Festival „Jazz & The City“ statt. Es ist eine Reise wert.

Weiterlesen mit nmz+

Sie haben bereits ein Online Abo? Hier einloggen.

 

Testen Sie das Digital Abo drei Monate lang für nur € 4,50

oder upgraden Sie Ihr bestehendes Print-Abo für nur € 10,00.

Ihr Account wird sofort freigeschaltet!