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Punktesieg des jüngsten Berliner Staatsopern-Nachwuchses: Jugendklub und Jugendchor spielen „Moon Calling“

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Gemessen an der vorangegangenen Werkstatt-Produktion der Berliner Staatsoper im Schillertheater konnten die Jüngsten im Nachwuchs einen klaren Sieg für sich verbuchen. In diesem Arbeitsjahr gab es keine zu adaptierende Spielvorlage, sondern ein freie Schöpfung der 15 jungen Akteure und des 20-köpfigen Jugendchors zum Thema Träumen, als vom Mond beschienene Wunsch- und Albträume.

Mit Mathias Claudius’ vom Klavier begleiteter Weise „Der Mond ist aufgegangen“, intoniert vom Jugendchor unter der musikalischen Leitung von Frank Flade, richten die jungen Darsteller ihre persönlichen Wünsche an den Mond. Die fast ausschließlich in deutscher Sprache ausgeführte Produktion trägt daher den Titel „Moon Calling“. In verschiedenen Traumphasen aller Jugendlichen werden unterschiedliche Fallbeispiele visualisiert: Im Programm ist zu erfahren, dass „ mit etwas Glück Mondmenschen aus ihrem Wolkenbett herab“ steigen um „die Träume der schlafenden Menschen [zu] betreten“. Das Unterbewusstsein der Menschen werde in das Bewusstsein katapultiert.

In der Ausstattung von Julie Junge ist der Jugendchor mit bunt gewürfelten Märchenkostümen aus dem Fundus angetan, und bildet mit einheitlicher Schminke so etwas wie den kollektiv personifizierten Mond, der aber in Form reflektierenden Plexiglasscheiben vervielfacht über der Spielfläche hängt. Regisseur Adrienn Bazsó hat mit den Akteuren und Sängern Kopf-Bilder der Schlafenden virulent bebildert. Eine junge, keifende Mutter mit Sprechhemmung wird durch eine silberne Geigenfrau zum Tanzen gebracht; die Tochter behandelt ihre Mutter, die ihren Wunschtraum, einen kreativen Beruf zu ergreifen, ausgeschlagen hat, als willenlose Gliederpuppe. Ein junges Paar übt sich in Rübchenschälen als tödlichem Geschlechterkampf, und eine schlafende Verliebte wird von einem leibhaftigen Froschkönig entführt. Die Angst, zu verschlafen, zu spät zum Flugzeug zu kommen oder in der Klausur zu versagen, wird zu einem szenischen Leitmotiv.

Die Schauspielszenen, häufig mit Musik-Remix (Wiedermaier) der vorangegangenen Chornummern unterlegt,  werden von den Jugendlichen mit überbordender Begeisterung, und ganz professionell mit Brüchen dargestellt.  Rhythmus, repetierende Textsequenzen und schrille Textausbrüche bilden dabei eine Art zweiter Musikebene. Die Bilder des Abends sind gleichwohl stärker als die Texte: Unbekümmert werden ganze Szenen aus neueren Dramen (Arbeitsbewerbung; Reklamationsannahme der Telefonistin eines Elektronikbetriebes) ebenso in den Handlungsablauf integriert, wie „I feel pretty“ aus Bernsteins „West Side Story“ für den hierfür auf die weiblichen Stimmen reduzierten Jugendchor.

Sicherlich war bei der neunmonatigen Probenarbeit der Weg das Ziel. Aber für Theaterleute bedeutet eben doch der Premierenabend ihre eigentliche Zielline, und die haben die jungen Enthusiasten, heftig beklatscht und am Ende mit Blumen überladen, erfolgreich überschritten.

Weitere Aufführung: 7. Mai, 20.00 Uhr, Staatsoper im Schillertheater – Werkstatt

 

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