Besorgt über mögliche globale Gefahren wie den Klimawandel appelliert die kanadische Pianistin Marianne Trudel ans Gewissen und wirbt mit ihrem Album „Espoir et autres pouvoirs“ (Hoffnung und andere Fähigkeiten) für Einklang von Natur und Humanität.
Religiöser Impetus bestimmt deshalb ihr Gebet im Septett mit dem Hinweis auf das Galieo-Credo "Et la terre tourne..." (und die Erde dreht sich doch), wenn die Brass-Sektion (Trompete, Posaune und Horn) mit weit gespannter Melodie rituelle Vokalscats von Anne Schaefer einhüllt.
Das ist (trotz des ähnlichen Sounds) natürlich keine Imitation von europäischer Sakralmusik oder gar Gospel, sondern der Versuch, eine "heilige" Aufgabe in ein moderat modernes Jazzidiom zu übersetzen. Deutlicher beginnt "Souffle" (Atem) als polyphoner Choral, der dann von den beiden Schlagzeugern, dem Bassisten und Marianne Trudel selbst synkopisiert und aerodynamisch zum Swing geglättet wird. Solche Modifikationen finden auch im Titelsong beim hymnischen Motiv sowie als rhythmische Überlagerungen im Bebopstil des "Rire sur la gréve" (Gelächter über den Streik) statt.
Im Sinne ihres Appells haben die Arrangements ihrer Kompositionen fürs Septett klare Strukturen. Doch im perfekt balancierten Trio "M" erlaubt Marianne Trudel sich und ihren Partnern mehr Freiheit, wobei ihr Talent zu melodischer Improvisation beeindruckt. Jazz von Marianne Trudel wird so zum unprätentiösen Botschafter gegen die krude Ideologie der Globalisierung.