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Ulrich Wilhelm, Meret Becker, Diane Iljine, „Look & Listen“-Preisträger Martin Böttcher und Harold Faltermeyer. Foto: Bayerischer Rundfunk / Julia Müller
Ulrich Wilhelm, Meret Becker, Diane Iljine, „Look & Listen“-Preisträger Martin Böttcher und Harold Faltermeyer. Foto: Bayerischer Rundfunk / Julia Müller
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„Wenn sie nicht da ist, ist das die Hölle“ – filmtonart 2013 des BR zum Start des Filmfests München

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Bereits zum fünften Mal fand am 28. Juni der Tag der Filmmusik „filmtonart“ im Bayerischen Rundfunk statt. Verschiedene Panels und Podiumsgespräche mit illustren Gästen wie Konstantin Wecker, Meret Becker, Florian David Fitz und Harold Faltermeyer fanden vor Fachpublikum im Studio 1 und 2 parallel statt und beleuchteten verschiedene Aspekte der aktuellen Szene.

Nach der Begrüßung durch den Intendanten des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, lobte Diane Iljine, die Leiterin des Filmfests München die gute Zusammenarbeit: „Wir haben ein sehr etabliertes Filmfest und eines der größten Sommerfestivals von Europa. Der BR begleitet uns seit 30 Jahren in vielfältiger Hinsicht, und ich bin auch mit Herrn Wilhelm im Gespräch über Sponsoren, bei denen er mir auf Grund der guten Kontakte hilft.“

Die Schauspielerin, Multiinstrumentalistin und Sängerin Meret Becker gab im Anschluss eine sehr persönliche „Keynote“ zum Besten. „Filmmusik sollte sich geschmeidig in den Film arbeiten, so dass man sie gar nicht merkt, aber wenn sie nicht da ist, dann ist das die Hölle“, so Becker. Zusammen mit ihrem Begleiter, dem Gitarristen Buddy Sacher illustrierte sie mit einer eigens für die filmtonart zusammengestellten Klangcollage und einigen anderen bezaubernden Stücken ihre Vorstellungen und Erfahrungen mit dieser besonderen Musikgattung.

„Der Herr der Filmhits“ war ein Gespräch mit dem Komponisten Harold Faltermeyer übertitelt, das BR-Moderator Fritz Egner danach führte. Faltermeyer, der neben Giorgio Moroder als der Pionier der Synthesizer-Musik gilt, erlangte unter anderem mit dem Titelsong zum Blockbusterfilm „Beverly Hills Cop“ mit Eddie Murphy Weltruhm. Noch heute pendelt er zwischen seiner Heimat Baldham bei München und Hollywood.

Nebenan diskutierten Konstantin Wecker, die juristische Referentin des Bayerischen Rundfunks Christine Heisler, der Medienrechtler Matthias Lausen, Komponist und Produzent Klaus Weigand und Filmkomponist Markus Lehmann-Horn unter der Moderation von Ulrich Höcherl, dem Chefredakteur der Zeitschrift „Blickpunkt:Film“ über das Thema Urheberrecht in Zeiten von Youtube & Co. Übereinstimmend wurde dabei fest gestellt, dass ein Umgang mit geistigem Eigentum, wie ihn Megakonzerne wie Google zurzeit betrieben, in Zukunft keine hochklassigen Musikkompositionen mehr möglich machen werde. Youtube lehne zum Beispiel den Vorschlag der GEMA, 0,03 Cent pro Click an die Urheber zu zahlen, ab, wie Matthias Lausen aus den laufenden Verhandlungen berichtete.

Noch drastischer umschrieb Konstantin Wecker die Situation: Filmmusik werde im allgemeinen „so beschissen bezahlt“, dass man es nur noch wegen der GEMA mache. Fielen diese Verdienste weg, könne niemand mehr von seiner Kunst leben. Das bestätigte auch sein Kollege Markus Lehmann-Horn. Wecker, selbst im Aufsichtsrat der GEMA, gab aber auch zu bedenken, dass die Verwertungsgesellschaft in der Vergangenheit möglicherweise zu arrogant gewesen sei, um einer jungen Zuhörerschaft zu vermitteln, wie wichtig und wertvoll das geistige Eigentum sei, dass sie schütze.

In medias res ging es in weiteren Gesprächen im Laufe des Tages: Unter dem Titel „Bayerische Musik made in Hollywood“ wurde die Entstehungsgeschichte der Filmmusik zum Oktoberfest-Drama „Der blinde Fleck“, das während des Filmfest Premiere hatte, nacherzählt. Unter der Moderation von Klaus Schaefer, dem Geschäftsführer des FilmFernsehFonds Bayern (FFF Bayern), erläuterten der Autor, Produzent und Regisseur des Films, Daniel Harrich, der Filmkomponist Ian Honeyman, der Schauspieler und Musiker August Zirner und die Redaktionsleiterin Kurzfilm und Debut beim BR Claudia Gladziejewski, wie es gelang, authentisches Archivmaterial mit den Originalkompositionen des Amerikaners Honeyman über die Kontinente hinweg in Einklang zu bringen.

Ein Jungstar des deutschen Kinos, Florian David Fitz („Vincent will Meer“), berichtete im Gespräch mit dem Filmmusikkomponisten Marcel Barsotti und dem Redaktionsleiter Kino im BR-Hörfunk, Markus Aicher, anhand einiger Ausschnitte aus seinem Regiedebüt „Jesus liebt mich“ sehr anschaulich und lebendig von den Schwierigkeiten und Besonderheiten, ein Werk, das zwischen Actionkomödie und Drama changiert, musikalisch auszustatten.

Das Panel zum Thema Urheberrecht wurde aufgezeichnet und wird am 3. August, 22.30 Uhr auf BR-alpha ausgestrahlt, bereits am 6. Juli ab 19.25 Uhr findet auf 3sat ein Themenabend mit einem Porträt des Komponisten Martin Böttcher statt, der den „Look & Listen“-Preis 2013 erhielt. Ebenfalls auf BR-alpha wird am 10. August, 22.30 Uhr ein Mitschnitt des Panels „Wenn der Wolf tanzt und der Bär steppt“ gesendet. Es geht um Musik im Naturfilm.
Weiter Infos unter www.br.de/filmtonart

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