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Der Vorsitzende des Hochschulrats Dr. Werner Barlmeyer und die neu gewählte Rektorin Judith Schinker
Der Vorsitzende des Hochschulrats Dr. Werner Barlmeyer und die neu gewählte Rektorin Judith Schinker
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Zum Rücktritt des Hochschulrates der Hochschule für Musik in Dresden

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Dass ein Hochschulrat geschlossen zurücktritt, kommt nicht häufig vor. In Dresden ist es nun passiert. Grund dafür: Die Wahl der neuen Rektorin der Musikhochschule Carl Maria von Weber in Dresden. Im Gegensatz zum letztlich entscheidenden sogenannten erweiterten Senats optierte die Hochschulrat für Ekkehard Klemm als neuen Rektor. Judith Schinker setzten sie auf Platz 3. „Ein gedeihliches und unbelastetes Zusammenwirken der Hochschulorgane zum Wohl der Hochschule ist so nicht einzulösen, ein Versuch dazu sollte den Akteuren aller Seiten nicht zugemutet werden.“ Das ist konsequent! Lesen Sie die Stellungnahme des Hochschulrates im Wortlaut.

Rücktrittserklärung des Hochschulrates der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden

Sehr geehrte Frau Staatsministerin Dr. Stange,

die Mitglieder des Hochschulrates der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden erklären mit sofortiger Wirkung ihren Rücktritt von dem Amt.

Ein solcher Schritt  ist nicht ohne Auswirkung, er muss in seinen Konsequenzen und auch mit zeitlichem Abstand zum Anlass bedacht und erwogen sein.

Das Sächsische Hochschulfreiheitsgesetz  (SächsHSFG) weist den Hochschulräten im Verfahren der Wahl des Rektors/der  Rektorin eine teils begleitende, teils steuernde, in jedem Fall verantwortliche und zu verantwortende Rolle zu. Der Hochschulrat der Hochschule für Musik Dresden hat sich 2014/2015 im Gang von Ausschreibung und Auswahl dieser Aufgabe mit Ernsthaftigkeit gestellt. Er hat, vertreten durch zwei Mitglieder, in der Auswahlkommission (Sitzung am 23. Februar 2015) mitgewirkt, die Vorschlagsliste erörtert (Sitzung am 19. März 2015) und zu einer Anhörung von drei Bewerbern vor der hochschulinternen Öffentlichkeit (11. Mai 2015) eingeladen.

ln Würdigung und Gewichtung der jeweiligen Tätigkeiten und Leistungsprofile, der schriftlichen Bewerbungsform und der Präsentation in der Anhörung hat der Hochschulrat am selben Tag den Wahlvorschlag gem. § 82 (6) Satz 3 SächsHSFG beschlossen. Der Wahlvorschlag setzte einvernehmlich den derzeitigen Amtsinhaber Prof. Ekkehard Klemm auf Platz 1, den auswärtigen  Bewerber Dr. Joachim Junghanss auf Platz 2 und die derzeitige Prorektorin Frau Judith Schinker auf Platz 3. Über den Wahlvorschlag wurde noch am selben Tag das Benehmen mit dem Senat hergestellt. An den Sitzungen bzw. der Anhörung hat Ihr Haus, vertreten durch Herrn MR Dr. Kühme, teilgenommen.

ln der Sitzung des Erweiterten Senats am 18. Mai 2015 hat der Vorsitzende des Hochschulrates den Wahlvorschlag eingebracht und begründet.

Wir gestatten uns, einige Sätze daraus noch einmal wörtlich  zu zitieren: „Bei den Erwägungen stand durchaus nicht und vereinfacht das Argument einer Kontinuität in der strategischen  Ausrichtung der Hochschule im Vordergrund. Ergänzende und alternative Vorstellungen und Ansätze wurden mit Aufmerksamkeit und ernsthaft zur Kenntnis genommen und gewichtet. Am Ende war abzuwägen, mit welcher Persönlichkeit, welchen Anstößen und welchen Konzepten unsere Hochschule in den nächsten fünf Jahren am besten gesteuert werden könnte. Dabei waren im Blick zu behalten: die Hochschule als Verfasstheit von Lehrenden, Lernenden und Verwaltung, die Hochschule als Kunstinstitut im Wettbewerb mit anderen Einrichtungen, die Hochschule im Kunst- und Klangnetz der Kulturregion Dresden. Auch Sie müssen diese Gesamtheit erwägen und in Ihre Entscheidung einbeziehen.“

Der Erweiterte  Senat hat sich in der anschließenden Wahl mit deutlicher Mehrheit für Frau Judith Schinker als Rektorin der Hochschule für Musik Dresden ausgesprochen. Dieses Ergebnis ist zu respektieren und zu akzeptieren.

Allerdings ist auch festzustellen, dass zwischen der Mehrheit des Erweiterten Senats und dem Hochschulrat hinsichtlich der konzeptionellen Ausrichtung der Hochschule und der Besetzung der Leitungsfunktion deutlich unterschiedliche Vorstellungen bestehen. Ein gedeihliches und unbelastetes Zusammenwirken der Hochschulorgane zum Wohl der Hochschule ist so nicht einzulösen, ein Versuch dazu sollte den Akteuren aller Seiten nicht zugemutet  werden.

Wir erinnern uns gern an unsere Arbeit in den vergangenen sechs Jahren und bleiben der Hochschule  für Musik Carl Maria von Weber Dresden mit den besten Wünschen verbunden.

Mit freundlichen Grüßen

  • Dr. Werner Barlmeyer (Vorsitzender)
  • Prof. Olaf Bär
  • Prof. Wilfried Krätzschmar
  • Regine Lorenz
  • Jan Vogler

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