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Keine KI im Einsatz. Aber Algorithmen. Foto: Hufner

Keine KI im Einsatz. Aber Algorithmen. Ein Selfie. Foto: Hufner

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Deutschlandweit erste Studie zu Auswirkungen von KI auf Bildende Kunst

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Die heute vorgestellte Studie„KI UND BILDENDE KUNST“ untersucht erstmals die Chancen und Risiken von generativer Künstlicher Intelligenz (KI) für den Bereich der Bildenden Kunst. Dabei werden klare Forderungen nach Vergütung, Transparenz und Medienkompetenz erhoben.
Die von der Stiftung Kunstfonds und der Initiative Urheberrecht beauftragte und von der Goldmedia GmbH erstellte Studie zeigt, dass viele bildende Künstler:innen KI-basierte Tools bereits nutzen und auch Rezipient:innen offen sind für KI-Kunst. Bei der Mehrheit der über 3.000 befragten Künstler:innen überwiegt jedoch die Sorge vor Nachteilen und Einkommensverlusten und viele äußern konkrete Forderungen an KI-Unternehmen und Politik. Auch die wirtschaftliche Dimension von generativer KI beleuchtet die Studie.

KI: Kreativ-Booster oder Bedrohung?

42% der befragten Künstler:innen haben bereits eigene künstlerische Erfahrungen mit KI bei der Erstellung von Arbeiten gemacht, von diesen nutzen 50% KI-Tools bei der Ideenfindung und 39% bei der Entwicklung neuer Arbeiten. 43% der bildenden Künstler:innen sehen die Entstehung neuer Kunstarten, Stile und Techniken als größte Chance von KI. Gleichzeitig gibt es Vorbehalte: 56% der befragten Künstler:innen befürchten, dass für sie durch KI Einnahmequellen wegfallen könnten, 53 % sehen sogar die Lebensgrundlage bildender Künstler:innen gefährdet. Von den über 1.000 befragten Kunst-Rezipient:innen zeigen 64% Interesse an Arbeiten, die ganz oder teilweise mit Hilfe von KI-Anwendungen entstanden sind.

Klare Forderungen nach Vergütung, Kennzeichnungspflicht und einer besseren Aufklärung

Generative KI-Anwendungen benötigen sehr große Datenmengen, um zu funktionieren. Wie viele andere Kreative stehen auch bildende Künstler:innen jedoch vor dem Problem, dass sie nicht wissen, ob und in welcher Form ihre Kunstwerke bereits genutzt wurden, um komplexe KI-Modelle zu trainieren. 87% der bildenden Künstler:innen fordern daher, dass ihre Werke nur nach expliziter Zustimmung von KI-Unternehmen zu Trainingszwecken genutzt werden können. 91% fordern eine finanzielle Kompensation für die Nutzung. 85% der Künstler:innen und 83% der Kunst-Rezipient:innen plädieren außerdem für eine verpflichtende Kennzeichnung von mit oder durch KI erstellten Produkten.

Ein Ergebnis der Interviews mit Expert:innen ist darüber hinaus die Forderung nach einer besseren Aufklärung zu den Chancen und Risiken von KI, die bereits an Kunsthochulen und -akademien starten und durch begleitende Aufklärungskampagnen ergänzt werden sollte.

Klaus Goldhammer, Goldmedia GmbH: 

„Dies ist die deutschlandweit erste Studie, welche die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf die bildende Kunst untersucht. Klar ist, dass generative KI mit seinen unterschiedlichen Tools in vielen Ateliers bereits angekommen ist. Doch neben der Offenheit vieler Künstler:innen für die KI als Instrument gibt es auch Sorgen und Vorbehalte: So befürchten viele der befragten Künstler:innen u.a. eine Entwertung der Kunst (45%) und einen steigenden Wettbewerbsdruck (55%). Interessanterweise bewerten knapp die Hälfte (47%) der Kunst-Rezipient:innen den Einsatz von KI in der bildenden Kunst positiv. Sie sprechen sich aber mit großer Mehrheit (83%) für eine Kennzeichnungspflicht von mit KI-erstellten Produkten aus. Wir können in der Studie außerdem zeigen, dass in Deutschland allein mit KI-Bildgeneratoren im Jahr 2030 rund 2 Mrd. EUR umgesetzt werden. Umsätze, die ohne die Werke der bildenden Künstler:innen als Trainingsgrundlage für die KI-Systeme nicht möglich wären.“

Karin Lingl, Stiftung Kunstfonds: 

„Die Studie offenbart die Ambivalenz, mit der KI in der bildenden Kunst wirkt. Einerseits als ein innovatives Werkzeug, das gestalterische Spielräume öffnet. Anderseits als Maschine, deren Produkte das Einkommen der Künstler:innen schmälern, da sie den Kunstmarkt überfluten und so die Kunst entwerten. In noch größerem Stil erobert KI die kunstvermittelnden Bereiche, was Arbeitsplätze und Aufträge im gesamten Kunstbetrieb, in Museen, Verlagen, Galerien und der Presse gefährdet. Wir brauchen dringend eine weitere Datenerhebung zum wirtschaftlichen Einfluss von KI auf das gesamte Netzwerk der bildenden Kunst, um Folgen für alle Akteur:innen der Kunstszene abzuschätzen. Darüber hinaus zeigt die Studie, wie wichtig Medienkompetenz ist. Wir müssen ein Bewusstsein für Authentizität entwickeln, um die Glaubwürdigkeit der Bilder prüfen und einschätzen zu können. Wer wenn nicht die bildenden Künstler:innen sollten dies als Expert:innen vorgeben?“

Katharina Uppenbrink, Initiative Urheberrecht: 

„Entsprechend der Forderung nach finanzieller Beteiligung von Künstler:innen (86%), müssen alle Nutzungen geschützter Werke und Leistungen durch KI-Anwendungen entweder im Rahmen von Lizenzmodellen oder von gesetzlicher Vergütungen zu angemessenen Vergütungen für Kreative führen. Die im AI Act nun enthaltenen Ansätze sind ein Weg in die richtige Richtung, aber noch lange nicht ausreichend. Diese Studie ist eine sehr gute Grundlage für die weitere politische Arbeit.“

  • Die Studie (Summary: S. 11-18) zum Download und den Livestream der Pressekonferenz finden Sie hier

 

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