Es gibt ein Bundesjugendorchester, auch ein Bundesjazzorchester für Jugendliche, jetzt ist ein Bundesjugendensemble für Neue Musik in Planung. Aber interessieren sich die jungen Musiker denn überhaupt für Neue Musik? Diese gilt immer noch als kompliziert und elitär.
Aus dieser Ecke soll sie nun raus, soll dem musikalischen Nachwuchs näher gebracht und von ihm mitgestaltet werden. Deshalb hat sich in diesem Jahr das „Ensemble der Länder“ gegründet, ein Pilotprojekt für ein zukünftiges Bundesjugendensemble für Neue Musik. Im Rahmen der Rheinsberger Pfingstwerkstatt Neue Musik fand am 19. Mai 2013 das Gründungskonzert statt. „Die Idee, ein Ensemble der Länder zu gründen, lag eigentlich in der Luft“, sagt Ulrike Liedtke, die Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin der Musikakademie Rheinsberg. Denn schon seit einigen Jahren sind regelmäßig Landesjugendensembles für Neue Musik zu Gast in Rheinsberg, die, ganz formlos, auch schon miteinander gespielt haben. Solche Ensembles gibt es schon in Rheinland-Pfalz/Saarland, Niedersachsen, Thüringen und Nordrhein-Westfalen. Erst in diesem Jahr, auch durch die Anregung des Rheinsberger Pilotprojektes, formierten sich zwei weitere Jugendensembles in Berlin und Schleswig-Holstein, ein Bremer Projekt gründet sich gerade.
Zunächst stellen die drei Gründungsensembles aus Rheinland-Pfalz/Saarland, Niedersachsen und Thüringen das „Ensemble der Länder“, nach und nach sollen immer mehr Landesensembles hinzukommen. Ein Von- Unten-Wachsen-Lassen, das sei ihnen wichtig, so Liedtke. Dafür treffen sich die Ensembles im nächsten Jahr wieder zur Pfingstwerkstatt in Rheinsberg. Hier gibt es das inspirierende Umfeld zum Experimentieren, Spielen und Wachsen. Neben den Jugendensembles für Neue Musik finden sich auch Kompositionsklassen, Schriftsteller und professionelle Musiker in der Musikakademie zusammen. Liedtke schwärmt von dem Zusammenspiel zwischen Nachwuchs und Profis, Musikern, Komponisten und Autoren: „Hier besucht man sich gegenseitig, nimmt die Konzerte der anderen wahr; plötzlich schreiben junge Autoren Texte für die Musiker oder die Schüler spielen mit den Profis zusammen.“
Was aus solch einem Umfeld entstehen kann, war bei dem Gründungskonzert im Mai zu hören. Das „Ensemble der Länder“ improvisierte und spielte in unterschiedlichen Besetzungen Werke der zeitgenössischen Komponisten Johannes K Hildebrandt, Iannis Xenakis, Samir Odeh-Tamimi und Benjamin Scheuer. Speziell für das Ensemble der Länder erweiterte Alexander Strauch sein „Hin & Her III“ für Altflöte solo und Ensemble. Geleitet wurde das Gründungskonzert von Juri Lebedev, der als Dirigent des Thüringer Jugendensembles Neue Musik viel Erfahrung in der Jugendarbeit hat. Die passenden Werke zu finden wird wohl nicht leicht werden, denn zunächst sollen alle Mitglieder der teilnehmenden Landesensembles im „Ensemble der Länder“ mitspielen können. Auch deshalb möchte man jedes Jahr ein Auftragswerk an einen Komponisten vergeben.
Die Zusammenarbeit von jetzt drei, im nächsten Jahr sieben Landesensembles erfordert eine lange Vorbereitungszeit. Nicht nur für die Organisatoren, sondern auch für die Musiker. Die einen müssen einen Termin finden, Stücke auswählen, Proberäume finden; die anderen müssen üben, üben, üben; zu Hause und in dem jeweiligen Landesensemble. Einmal im Jahr soll sich das „Ensemble der Länder“ dann zu einer Arbeitsphase zusammenfinden, die ein Konzert abschließen wird. Wenn dann noch etwas unklar ist, hilft ein Mentoren-Ensemble. In diesem Jahr war dies das ensemble mosaik aus Berlin. Die künstlerische Leitung des Jugendensembles soll alle zwei Jahre zwischen den Dirigenten der Landesensembles rotieren, um den jungen Musikern vielfältige Herangehensweisen zu bieten.
Das „Ensemble der Länder“ und die Musikakademie Rheinsberg hoffen nun auf eine institutionelle Einbindung in den Deutschen Musikrat, ähnlich der des Bundesjugendorchesters und des Bundesjazzorchesters. Erst dann könnte man sich Bundesjugendensemble Neue Musik nennen. Auch wünscht man sich die finanzielle Unterstützung durch die Bundeskulturstiftung, um die Auftragswerke der Komponisten angemessen honorieren zu können. Dennoch, Liedtke will es bewusst langsam angehen lassen: „Alles mit höchster Professionalität vorbereiten, was man vorbereiten kann und dann aber die jungen Leute musizieren lassen.“ Denn das gemeinsame Musizieren sei das Wichtigste, ob nun unter dem Namen „Ensemble der Länder“ oder als Bundesjugendensemble Neue Musik.