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Bach-Akademie Köthen wurde aufgelöst

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Der Verein "Schloss Köthen Bach-Akademie" hat am Freitag (7.10.) seine sofortige Auflösung beschlossen, weil er angesichts der Finanzsituation keine Möglichkeit sieht, zur Sanierung und Nutzung des Köthener Schlosses beizutragen. Zuvor hatte ein vom Verein nicht autorisiertes Konzept-Papier des holländischen Unternehmers und Vereins-Vorsitzenden Drewes Hielema für Aufsehen gesorgt.

"Der Verein bedauert die dadurch entstandenen Irritationen", sagte Köthens Oberbürgermeister Kurt-Jürgen Zander (SPD) nach der Sitzung.

In einer für den 7. Oktober anberaumten Pressekonferenz, die kurzfristig abgesagt wurde, sollte ursprünglich das ominöse Konzept zur „totalen kulturellen Erneuerung“ des Schlosses vorgestellt werden. Darin war nicht nur von der bereits vollzogenen Berufung des jungen niederländisch-australischen Dirigenten Simon Murphy als künstlerischer Leiter und Kapellmeister, sondern auch von der Neugründung der Köthener Hofkapelle nach 300 Jahren die Rede gewesen. Vier Musikfestivals pro Jahr, eine innovative "Klassik-Lounge" und sozial engagierte "Outreach-Programme" zählten zu den Versprechen ebenso wie CD- und Rundfunkaufnahmen vor Ort. Das Ganze sollte unter dem Dach jener Bach-Akademie geschehen.

Deren Vorsitzender, Drewes Hielema, versprach bereits1998 der Stadt insgesamt 50 Millionen Mark Sponsorengelder für die Schloss-Sanierung. Im März 2005 forderten Mitglieder des Vereins, zu denen auch Kurt-Jürgen Zander gehört, eine Debatte über die Auflösung des Vereins, der bis dato "faktisch nichts bewegt" hatte. Doch Hielema ging in die Offensive: So wurden fünf Millionen Euro, die von der Landesstiftung Dome und Schlösser für die Sanierung des Marstalls und den Wiederaufbau der Reithalle bereitgestellt wurden, als Legitimation für das Nutzungskonzept angeführt. Weder die Kulturstätten noch die Bach GmbH oder der Förderverein der Bachgedenkstätte, die bislang als Nutzer des Schlosses auftreten, wurden als Partner der ehrgeizigen Pläne erwähnt. Und über deren Finanzierung war an keiner Stelle die Rede.

Zander und Kulturstätten-Chef Bodo Elze zogen jetzt die Konsequenzen aus den unrealistischen Plänen Hielemas, die letztendlich nur heiße Luft waren, und lösten den Verein auf. Der Fortgang der Schloss-Sanierung soll von dieser Entscheidung unberührt bleiben.

Quellen: ots, Mitteldeutsche Zeitung