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«Bigamie kommt nicht infrage»: Salzburg sucht Pereira-Nachfolge

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Wien - Es war ein kurzes Gastspiel und das Publikum nicht so begeistert, wie es sich der Star gewünscht hätte. Deshalb hat sich Intendant Alexander Pereira (65) bei den Salzburger Festspielen kurzerhand selbst vom Programm genommen: Ab 2015 leitet er die Mailänder Scala, obwohl sein Vertrag an der Salzach bis 2016 läuft.

 

Für ihn ist der Doppeljob kein Problem, aber das verärgerte Festspiel-Kuratorium wäre ihn gerne bereits nach dieser Saison los.Die Gerüchteküche über einen Nachfolger beim weltberühmten Musikfestival brodelt bereits.

«Es ist unterm Strich das G'scheiteste - für beide Seiten», kommentiert die österreichische Zeitung «Kurier» die Trennung am Mittwoch. Denn das Verhältnis von Salzburg und Pereira glich ziemlich schnell eher einem Rosenkrieg als einer echten Liebe: Zwar sorgte der gebürtige Wiener in seiner ersten Saison 2012 für ein Rekordbudget und volle Häuser, doch viele Kritiker warfen ihm vor, mehr auf den kommerziellen als auf den künstlerischen Erfolg zu schielen.

Dann kritisierte Dirigent Franz Welser-Möst öffentlich von Pereira zu eng gesetzte Aufführungstermine und warf seine geplanten Mozart-Opern in Salzburg hin. Es folgte ein öffentlicher Dauerstreit des Intendanten mit dem Festspiel-Kuratorium um eine Erhöhung des Budgets. «Pereira wird jedenfalls als der Intendant in Erinnerung bleiben, der größten Wert auf Masse legte», schreibt der «Kurier». Pereiras Expansionsgelüste seien auf wenig Gegenliebe gestoßen, analysiert die Zeitung «Der Standard».

Wie es nun in Salzburg weitergeht, scheint zunächst offen. Für die in etwa sechs Wochen beginnenden Festspiele mit nach Pereira-Geschmack sehr üppigem Programm ist alles vorbereitet, sie werden sicher noch von ihm verantwortet. Der Intendant selbst will seinen Vertrag aber noch länger erfüllen: «Sie können sicher sein, dass ich die Salzburger Festspiele weiterhin mit großer Liebe und Energie betreuen kann und trotzdem die Saisonen in der Scala vorbereiten kann», sagt er. Bis 2015 lägen ja bereits fertige Verträge über Programmpunkte vor, einen Spontannachfolger für ihn zu finden sei schwierig.

Das Festspiel-Kuratorium sieht das allerdings anders und hatte anderweitige Verpflichtungen des Intendanten immer ausgeschlossen. «Bigamie kommt nicht infrage», bekräftigt der Salzburger Bürgermeister und Kuratoriums-Mitglied Heinz Schaden am Mittwoch gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA. «Eine Übergangs-Intendanz für ein, zwei Jahre wäre kein Beinbruch, die Präsidentin und Schauspielchef Bechtolf könnten das schon machen.» Salzburgs Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf und Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler waren zuvor in den Medien als mögliche Übergangsnachfolger ins Gespräch gebracht worden.

Länger als bis nach der Saison 2014 könne sie sich Pereira nicht in Salzburg vorstellen - und das auch nur zur höchstens halben Gage, sagt auch Salzburgs Landeshauptfrau (Ministerpräsidentin) Gabi Burgstaller.

Als mögliche langfristige Pereira-Nachfolge in Salzburg fällt nun der Name von Markus Hinterhäuser, der eigentlich ab 2014 die Wiener Festwochen leiten soll. Der 55-jährige Pianist und Kulturmanager hatte als Konzertchef und dann Übergangsintendant (2011) der Festspiele einen glänzenden Eindruck hinterlassen. «Ich würde mich freuen, wenn er sich trotz seiner Verpflichtung bei den Wiener Festwochen bewerben würde», sagte Burgstaller.

Miriam Bandar


 

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