Warum fördern Sie gerade Musik und nicht eine andere Kunstform?
Seit 1996 wird beim Bundeswettbewerb von “Jugend musiziert“ zusätzlich zu den „normalen“ Preisen der Sonderpreis der Bundesapothekerkammer verliehen. Die Preisträger erhalten die Summe von jeweils 1.000 Mark und sind eingeladen, bei jährlich stattfindenden Kongressen der Bundesapothekerkammer in Meran oder Westerland/Sylt zu konzertieren. Andreas Kolb sprach mit dem Begründer des begehrten Sonderpreises, Werner Trockel, Vizepräsident der Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände (ABDA), die aus Apothekerverbänden und der Apothekerkammer besteht. nmz: Warum fördern Sie gerade Musik und nicht eine andere Kunstform? Werner Trockel: Musik zu fördern ist mein persönliches Interesse. Auf den Kongressen finden neben musikalischen Konzerten aber auch Ausstellungen von Malern oder malenden Apothekern sowie Vorträge zu kulturellen oder politischen Themen statt. Was sind Ihre wichtigen Konzertveranstaltungen?Je einmal pro Jahr finden in Davos Klavierabende mit bekannten Stars und in Meran und Westerland Kammerkonzerte mit “Jugend musiziert“-Preisträgern statt.
Welche Ziele verfolgt die Bundesapothekerkammer mit ihrem Engagement für klassische Musik?Es geht uns nicht darum, nach außen ein Image aufzubauen. Apotheker und Ärzte sind meist sehr an Kunst interessiert, und man findet unter ihnen viele ausübende Laienmusiker. Bei der Programmauswahl haben wir keinerlei Vorlieben. Allerdings bieten die etablierten Künstler eher konventionelle Programme an. Ich nehme aber auch gerne moderne Musik ins Programm auf, die besonders von den jungen Leuten mit großer Selbstverständlichkeit musiziert und vom Publikum sehr gut aufgenommen wird.
Der Preis stellt ja eine Fördermaßnahme für junge Künstler dar. Wie genau bekommt man ihn?Wir vergeben vier Sonderpreise pro Jahr an erste Preisträger bei “Jugend musiziert“. Die Bundesapothekerkammer ist Mitglied in einem Stiftergremium, in dem Vertreter großer Firmen und Stiftungen wie der Jürgen-Ponto-Stiftung, der Deutschen Lufthansa, der Stiftung Musikleben und andere zusammenkommen, um Förderpreise an Bundespreisträger bei “Jugend musiziert“ zu vergeben. Unser Preis unterscheidet sich von denen der anderen Stifter dadurch, dass er einen Geldpreis und einen Konzertauftritt beinhaltet, für den wir Anreise- und Aufenthaltskosten übernehmen. Ich favorisiere junge Künstler mit guter Bühnenpräsenz, die ich wieder gut „verkaufen“ kann.
Die Konzerte, zum Beispiel in Meran, sind öffentlich. Es gibt einen Kartenverkauf, und es werden Gewinne erwirtschaftet.
Wie setzt sich das Budget solcher Veranstaltungen zusammen?Wir rechnen mit zirka 25.000 bis 30.000 Mark, die wir für diese beiden Konzerte aufwenden müssen. Deshalb haben wir unsererseits Firmen, die uns unterstützen. Ich lege Wert darauf, dass wir mit allen Einnahmen und Ausgaben für die drei Konzertabende ein ausgeglichenes Ergebnis haben.
Im jüngsten Programm gehen Sie auf die Schiene „Jazz“ ein. Gibt es schon Überlegungen, die Jugend im Bereich Jazz zu fördern?Mit dem Jazz-Programm habe ich organisatorisch nichts zu tun. Für diese Dinge zeichnet ein Apotheker-Kollege verantwortlich, der dem Geschäftsführer beratend zur Seite steht. Die Jazzprogramme stellen eine gesunde Konkurrenz zu den klassischen Konzerten dar, genauso wie wir auch Vorträge zu politischen und schöngeistigen Themen bieten. All das wird von einer Organisationsgesellschaft gemanagt, bei der ich Treuhänder unseres Berufsverbandes bin.
Die Ausbildungssituation für Musiker ist ja schwierig, bereits in der Schule und später auch an der Hochschule. Der Konkurrenzdruck wird stärker. Wie sehen Sie hier die allgemeine Entwicklung, und welche Rolle spielt da der Sonderpreis der Bundesapothekerkammer?Meine persönliche Meinung ist, dass die modernen Medien die Entwicklung der Kinder stark beeinflussen, so dass die Beschäftigung mit Musik an Bedeutung verliert. Ich bedaure, dass immer weniger Menschen selbst ein Instrument spielen. Die intensive Beschäftigung mit Musik sollte vor dem Perfektionsanspruch stehen. Mich faszinieren die jungen “Jugend musiziert“-Preisträger wegen ihrer hohen Motivation und ihres Elans, und deshalb unterstützen wir sie mit unserem Preis. Ich würde mir wünschen, dass mehr große Unternehmen derartige Fördermaßnahmen bieten.
Eine Frage an den Apotheker: Kann Musik auch eine Art Therapeutikum sein?Musik ist sicher ein Mittel, um zu sich selbst zu finden, eine Art Therapie, um zu innerem Ausgleich und innerer Zufriedenheit zu gelangen. Für mich selbst ist es sehr entspannend, Klavier zu spielen.
Das nächste Preisträgerkonzert findet in Westerland statt. Können Sie uns dazu schon Informationen geben?Wir haben soeben beim Bundeswettbewerb in Berlin die Künstler ausgewählt, die in Westerland auftreten werden. Es wird ein Ensemble mit Klaviermusik zu vier Händen und ein Duo Klarinette/Klavier zu hören sein. Die musikalischen Konzertprogramme werden erst noch erstellt.
Was planen Sie für Davos?Für letzteres wünsche ich mir ein gemischtes Programm im alten Stil, das heißt im Stil der Jahrhundertwende oder zu Franz Liszts Zeiten, mit wechselnden Zusammensetzungen. Ich hätte gern einen Cellisten, einen Klarinettisten und eine Sängerin, natürlich einen Pianisten, und so könnte zum Beispiel der „Hirt auf dem Felsen“ von Schubert aufgeführt werden, die Cellosonaten von Brahms und Rachmaninoff, eine Sonate von Brahms für Klarinette, Cello und Klavier, und zwei Lieder von Schumann oder Brahms. So hätte jeder Künstler einen solistischen Auftritt, daneben entstünden interessante kammermusikalische Kombinationen. Das Ganze soll als „Starkonzert“ aufgezogen werden, für das etablierte Künstler verpflichtet werden. Und dann könnte dazu eine Sängerin eingeladen werden, die sich noch in der Ausbildung befindet.