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Deutscher Bühnenverein - "Wir werden in Deutschland immer Theater spielen"

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Berlin/Erfurt - Mit dem Deutschen Theaterpreis "Der Faust" soll knapper Kassen zum Trotz auf die Einzigartigkeit der deutschen Bühnenlandschaft aufmerksam gemacht werden. Natürlich tangiere die Geldnot der "öffentlichen Hand" die Branche, sagte der Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Rolf Bolwin, im dapd-Interview. Die Bühnenhäuser hätte etwa 6.000 Arbeitsplätzen eingespart. "Wenn wir diese Veränderungen nicht vorgenommen hätten, würden die Theaterbetriebe heute jährlich gut 350 Millionen mehr kosten", sagte Bolwin.

 

Die deutsche Bühnenwelt sei jedoch in ihrer Vielfalt "ein Schatz" und als solcher anerkannt. "Wir werden in Deutschland immer Theater spielen", sagte Bolwin. Dennoch könne das Sparen in dieser Größenordnung nicht weitergehen. "Der Faust", der in diesem Jahr am 10. November in Erfurt verliehen wird, biete daher eine gute Möglichkeit, um auf die weltweit einmalige deutsche Theater- und Orchesterlandschaft aufmerksam zu machen. "In Deutschland gibt es feste Ensembles und zwar in über 140 Stadt- und Staatstheatern und Landesbühnen, das heißt in großen und in kleinen Städten", sagte Bolwin. So etwas könnten andere Länder nicht vorweisen.

Zudem gebe es in den öffentlichen Theatern jedes Jahr fast 3.000 Neuinszenierungen. Diese Vielfalt in dem Preis abzubilden, sei schwierig, aber gerade darum existiere die Auszeichnung. Die Bühnenhäuser hätten dabei ein Vorschlagsrecht - Produktionen aus dem eigenen Haus ausgenommen. "Wir bekommen jährlich 500 bis 600 Vorschläge und daran beteiligen sich die unterschiedlichsten Theater", sagte Bolwin. Prinzipiell habe jede Produktion aus ganz Deutschland die Chance, nominiert zu werden.

"Wir haben häufig großartige Produktionen in kleineren und mittleren Theatern", sagte Bolwin. Zudem stünden auch für Nachwuchskünstler die Chancen gut. Seit der Einführung des Preises vor sechs Jahren, habe es jedenfalls noch keine Diskussion darüber geben, dass die Falschen nominiert wurden, oder die Falschen den Preis erhalten hätte, betonte Bolwin. Der Preis sei in der Branche anerkannt, auch wenn er undotiert sei. "Beim Deutschen Theaterpreis ist es wie beim Oscar, es ist eine Ehre, für einen solchen Preis nominiert zu sein bekommen", sagte Bolwin.

 

 

Die Nominierten in den acht Kategorien des Theaterpreises "Der Faust" im Jahr 2012:

Regie im Schauspiel:

Martin Kušej - "Die bitteren Tränen der Petra von Kant", Bayerisches Staatsschauspiel

Sebastian Nübling - "Three Kingdoms", Münchner Kammerspiele - Koproduktion mit dem Theater NO99 Tallin und dem Lyric Hammersmith Theatre London

Rüdiger Pape - "Wolke 9", Theater im Bauturm Köln

Darsteller im Schauspiel:

Fabian Hinrichs in "Kill your Darlings! Streets of Berladelphia", Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin

Burghart Klaußner, Will Loman in "Tod eines Handlungsreisenden", St. Pauli Theater in Hamburg

Jana Schulz, Viola/Sebastian in "Was ihr wollt", Schauspielhaus Bochum

Regie im Musiktheater:

Lorenzo Fioroni, "Carmen", Theater Augsburg

Lydia Steier, "Saul", Oldenburgisches Staatstheater

Joss Wieler/Sergio Morabito, "Die glückliche Hand/Schicksal (Osud)", Oper Stuttgart

Sänger/Sängerin im Musiktheater

Nicole Chevalier, Violetta Valéry in "La Traviata", Oper Hannover

Ana Durlovski, Amina in "Die Nachtwandlerin", Oper Stuttgart

Bo Skovhus, Lear in "Lear", Hamburgische Staatsoper

Choreografie:

Mei Hong Lin, "Romeo und Julia", Staatstheater Darmstadt

Nanine Linning, "Voice Over", Theater Osnabrück

Martin Schläpfer, "b.09 - Ein Deutsches Requiem", Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg

Darsteller/Darstellerin im Tanz:

Jackson Carrol in "Violakonzert " im Rahmen des dreiteiligen Ballettabends b.11, Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg

William Moore, Oliver Brusson in "Das Fräulein von S.", Stuttgarter Ballett

Jörg Weinöhl in "Nicht ich - Über das Marionettentheater von Kleist", Eine Produktion von Isabel Mundry und Jörg Weinöhl in Rüsselsheim

Regie Kinder- und Jugendtheater:

Barbara Bürk, "Alice im Wunderland", Junges Schauspielhaus Hamburg (Deutsches Schauspielhaus Hamburg)

Jan Gehler, "Tschick", Staatsschauspiel Dresden

Tobias Ribitzki, "Freunde!", Junge Oper Hannover

Bühne/Kostüm:

Victoria Behr, "Emilia Galotti", Theater Oberhausen

Barbara Ehnes/Chris Kondek, "Quijote. Trip zwischen Welten", Thalia Theater Hamburg

Paul Zoller, "Le Grand Macabre", Staatstheater Mainz

Der Preis für das Lebenswerk geht an den Dramatiker, Schriftsteller und Regisseur Tankred Dorst gemeinsam mit seiner Ehefrau und Co-Autorin Ursula Ehler.

Der Preis des Präsidenten geht an den Dramaturgen und Intendanten, Matthias Lilienthal.

(Quelle: Deutscher Bühnenverein)