Der Orchestervorstand der Jenaer Philharmonie kritisiert das Strukturpapier „Perspektive 2025“ zur Zukunft der Theater und Orchester in Thüringen. Eine Sicherung von Qualität und Umfang des kulturellen Angebotes bei gleichzeitiger tarifgerechter Bezahlung kann es ohne ausreichende Zuschusserhöhung nicht geben. Musiker und Theaterschaffende arbeiten hart, sind aber keine Zauberer.
Dabei kritisieren wir auch die Finanzierungspläne des Landes Thüringen für die Jenaer Philharmonie. Das Orchester kooperiert als größtes Konzertorchester Thüringens bereits intensiv und auf vielen Gebieten, so mit der Hochschule für Musik Weimar, ist als einziges deutsches Orchester im europäischen Orchesternetzwerk ONE aktiv, organisiert im musikpädagogischen Bereich vielfältige Projekte an und mit Schulen und Kindergärten, arbeitet regelmäßig im Rahmen von „Tutti pro“ mit der Musik-und Kunstschule zusammen und leistet nicht nur in Jena, sondern in ganz Thüringen seinen Beitrag zur musikalischen Grundversorgung der Thüringer Bevölkerung. Mit diesen unterschiedlichen Aufgaben neben den Konzerten für alle Bevölkerungsgruppen in Jena sowie zahlreichen nationalen und internationalen Gastspielen ist das Orchester vollkommen ausgelastet.
Mit nur 25% hat die Jenaer Philharmonie bei der Landesförderung schon jetzt die rote Laterne unter allen Theatern und Orchester in Thüringen, die alle deutlich höhere Prozentsätze erhalten. Unsere seit Jahren nachhaltige und innovative Arbeit wird nicht belohnt, sondern eher bestraft. Wir befürchten, dass mit den aktuellen Landesplänen unser Orchester, dessen Mitglieder seit vielen Jahren im Rahmen eines Haustarifvertrages arbeiten und auf Gehalt verzichten, schleichend erodieren wird. Eine angedachte Kooperation mit Opernorchestern der Region würde bei der Jenaer Philharmonie zwangsläufig zu deutlichen Einschränkungen des eigenen Angebotes, zum Wegfall externer Gastspiele und damit erheblichem Verlust von Eigeneinnahmen führen. Sie erscheint uns wirtschaftlich ebenso kontraproduktiv wie unter künstlerischen und organisatorischen Gesichtspunkten inakzeptabel.
Kultur stiftet Identität. Das ist in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation wichtiger denn je. Jedes Theater und Orchester, jeder Musiker leistet einen unverzichtbaren Beitrag dazu. Die deutsche Orchester-und Theaterlandschaft wurde von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt, steht (Zitat) „in der Mitte der Gesellschaft“. Das beinhaltet den Auftrag an die Politik, mit diesbezüglichen Investitionen irreparablen Schaden vom Gemeinwohl abzuwenden.