Berlin/Peking - Die umstrittene deutsche Ausstellung «Die Kunst der Aufklärung» in Peking droht zu einem teuren Flop zu werden. «An Werktagen kommen im Durchschnitt 200 Personen, am Wochenende sind es 400», zitierte «Die Welt» vom Donnerstag eine Museumsmitarbeiterin.
Das Museum lässt den Angaben zufolge täglich 8.000 Besucher umsonst hinein. Für die Ausstellung der Staatlichen Museen Berlin, Dresden und München müsse jedoch umgerechnet 3,30 Euro Eintritt bezahlt werden. «Das ist auch ein Grund für den schwachen Besuch», sagte die Mitarbeiterin. Auf knapp 3.000 Quadratmetern werden in einem kleinen Teil des neuen chinesischen Nationalmuseum rund 500 Werke gezeigt. Die Ausstellung war am 1. April von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) eröffnet worden. Das Auswärtige Amt beteiligt sich mit 6,6 Millionen Euro maßgeblich an der Finanzierung des Zehn-Millionen-Euro-Projekts. Die Ausstellungsmacher stehen nach der Festnahme des Künstlers und Regimekritikers Ai Weiwei am 3. April massiv in der Kritik, unangemessen mit dem Pekinger Regierung zu kooperieren. Ai war am 3. April am Flughafen Peking festgenommen worden. Sein derzeitiger Aufenthaltsort ist nicht bekannt.
Weg zu der Ausstellung in dem riesigen Museum ist nicht augeschildert, wie die «Welt» weiter berichtete. Vom dicken Ausstellungskatalog würden täglich nur zwei Exemplare verkauft. Er koste allerdings auch rund 115 Euro.
Eissenhauer schließt Abbruch der China-Ausstellung nicht mehr aus
Erstmals hat einer der Macher von «Die Kunst der Aufklärung» einen Abbruch der umstrittenen Ausstellung in Peking nicht mehr ausgeschlossen. «Wir sind auf das Szenario vorbereitet, die Ausstellung nicht unter allen Umständen weiterlaufen zu lassen», sagte der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Michael Eissenhauer, am Donnerstag in einem dapd-Interview. Es gebe eine rote Linie.
Mehrere Politiker und Kulturschaffende hatten den Ausstellungsmachern aus Berlin, Dresden und München nach der Verhaftung des Künstlers Ai Weiwei am 3. April vorgeworfen, mit dem Pekinger Regime in unangemessener Weise zu kooperieren. Der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Martin Roth, und der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Klaus Schrenk, hatten bislang jedoch einen Abbruch der am 1. April eröffneten Ausstellung kategorisch ausgeschlossen.
Eissenhauer plädierte zwar ebenfalls grundsätzlich für eine Fortsetzung der Ausstellung. Er fügte jedoch hinzu, die drei Generaldirektoren würden genau beobachten, wie sich die Situation weiterentwickele. Es werde auf die ausstellungsbegleitenden Dialogforen und den Umgang mit Ai Weiwei geachtet, sagte er. «Es gibt eine rote Linie», betonte er. Ein Problem sei allerdings, dass man eine solche Ausstellung anders als beispielsweise eine Konzerttournee nicht von heute auf morgen abbrechen könne.
Wenn der Veranstalter die Ausstellung beispielsweise einfach offen ließe, bliebe sie erstmal offen, sagte Eissenhauer. Außerdem gebe es logistische Probleme. Der Aufbau habe drei Wochen gedauert, der Abbau werde genauso lange dauern. Speditionsfirmen müssten mit der Rückholung der Werke beauftragt werden, Kuratoren, Restauratoren müssten hinreisen und mithelfen. «Das Ganze bedarf also einer gewissen Anlaufzeit», sagte Eissenhauer.
Die Ausstellung soll bis Ende März 2012 laufen. Das Auswärtige Amt beteiligt sich mit 6,6 Millionen Euro maßgeblich an der Finanzierung des Zehn-Millionen-Euro-Projekts.