Die Mitgliederversammlung des Landesmusikrats Sachsen-Anhalt e. V. hat sich am Sonnabend (22.11.) auf ihrer 18. ordentlichen Mitgliederversammlung ein neues Präsidium gegeben. Zudem wurde eine Resolution zum Erhalt des „Musiklandes Sachsen Anhalt“ verfasst.
KMD Prof. Wolfgang Kupke wurde zum Präsidenten wiedergewählt, zum Vizepräsident wurde der Magdeburger Komponist Bernhard Schneyer bestimmt. Beide setzten sich gegen andere Bewerber durch.
Sowohl im seinem Bericht wie auch bei der Beschreibung kommender Aufgaben vertiefte Prof. Kupke die Position des Landesmusikrats als Moderator und Inspirator der laufenden Prozesse. Am Beispiel der aktuellen Diskussion um die Staatskapelle Halle diskutierte die Mitgliederversammlung die weitere Entwicklung der Orchesterlandschaft des Landes und forderten eine langfristige Konzeption, die von den Kommunen und dem Land gemeinsam getragen werden muss, ein. Darin sollen die Aufgaben der Orchester benannt und ihre notwendige Größe bestimmt werden.
Erstmals in seiner Geschichte wählte die Mitgliederversammlung einen Vertreter der Wirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt zu ihrem Ehrenmitglied. Sie würdigte in der Person von Dr. Friedrich Leffler, Vorstandsvorsitzender i. R. der ÖSA Öffentliche Versicherungen Sachsen-Anhalt, den beispielhaften Einsatz von Entscheidungsträgern der Wirtschaft für die Förderung Jugendlicher in ihrem kulturellen und sozialen Engagement.
Die Mitgliederversammlung entlastete einstimmig das Präsidium und die Geschäftsstelle des Landesmusikrats für die Arbeit des vergangenen Berichtszeitraumes.
Dietmar Georg
Geschäftsführer des Landesmusikrates Sachsen-Anhalt e. V.
Der Landesmusikrates Sachsen-Anhalt verfasste anlässlich seiner Mitgliederversammlung folgende Resolution:
Entschließung der Mitgliederversammlung des Landesmusikrates Sachsen-Anhalt
Aus Sorge um den Erhalt des von der Politik oft und gern postulierten „Musiklandes Sachsen-Anhalt“ wendet sich die Mitgliederversammlung des Landesmusikrates Sachsen-Anhalt e. V. an die Öffentlichkeit.
In den vielfältigen Anstrengungen, seit 1990 die kommunalen und kulturellen Strukturen in Sachsen-Anhalt zu stabilisieren, ist auch von den Orchestern im Land ein hoher Tribut eingefordert worden: Von ehedem 16 Kulturorchestern existieren noch 6, von 9 Musiktheatern noch 4. Immer wieder aufflammende Diskussionen um Aufgaben und Größe von Kulturorchestern und Musiktheatern, wie z. B. aktuell in Halle zeigen, dass dieser Prozess immer noch nicht abgeschlossen ist.
Der Landesmusikrat Sachsen-Anhalt erwartet von den verantwortlichen Trägern und Gesellschaftern der Orchester, ihre Verantwortung um die Zukunft des Landes zu erkennen und ihr ideenreich nachzukommen. Kulturelle Dienstleistungen gehören juristisch zwar zu den „freiwilligen“ Aufgaben, sind aber harte Standortfaktoren. Sie machen zu großen Teilen die Attraktivität des Arbeitsortes aus und wirken auf die soziale Struktur und ihre Stabilität oder Labilität zurück.
Weiter dringt der Landesmusikrat darauf, dass notwendige Entscheidungen über Stellen in Abhängigkeit mit den Aufgaben getroffen werden, die die Orchester auszuführen haben. Der Landesmusikrat fordert von der Landespolitik, dazu mit den Kommunen gemeinsam eine langfristige Konzeption für die künftige Entwicklung der Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt zu entwickeln. Sie muss die einmalige Vielfalt des Musiklandes Sachsen-Anhalt dauerhaft sichern.
Der Beispielsatz eines deutschen Innenministers, wer Musikschulen schlösse, gefährde die innere Sicherheit, ist genauso auf andere kulturelle und bildende Institutionen anzuwenden und wirkt in seiner Umkehrung motivierend: „Wer kulturelle Einrichtungen fördert, stärkt die Demokratie!“
Halle (Saale), am 22. November 2008