Hamburg - Der Hamburger Maler Daniel Richter hat die Kulturpolitik der Stadt kritisiert. Diese sei zu stark auf den Tourismus fixiert, sagte Richter am Montagabend im Deutschlandradio Kultur. Es handle sich um «die immer gleiche abgeschmackte Art von Konsum und Massenunterhaltung.»
Der Maler hält derzeit mit anderen Künstlern mehrere Häuser im Hamburger Gängeviertel besetzt, um einen drohenden Abriss zu verhindern und stattdessen Räume für Künstler einzurichten. Eine Sprecherin der Kulturbehörde wies Berichte zurück, nach denen es bereits zu Räumungsaktionen gekommen sein soll.
Richter warf der Stadt vor, sich nicht um Kultur zu kümmern. Hamburger Künstler gingen nicht deshalb nach Berlin, weil sie nicht gern in der Hansestadt lebten, sondern weil die Mieten zu hoch seien und es in der Innenstadt keine Akzeptanz für ihr Schaffen gebe. Insbesondere jüngere Künstler, die noch keine Karriere vorweisen könnten, bräuchten Raum für Experimente. Er habe darüber hinaus kein Interesse an einer Eskalation, betonte der Maler. Er hoffe, dass die Kultur- und die Finanzbehörde ihr Verhalten noch einmal überdenken.
Unterdessen hat die Kulturbehörde Gespräche mit den Künstlern aufgenommen. Die Anliegen der Künstler würden sehr ernst genommen, betonte Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos). Gemeinsam mit allen Beteiligten müsse nun geklärt werden, inwiefern eine Lösung im Gängeviertel möglich sei und welche Alternativen es in der Stadt gebe.
Stadtentwicklungssenatorin Anja Hajduk (GAL) kündigte an, ihre Behörde werde sich «zügig dafür einsetzen, dass möglichst unter Erhaltung historischer Bausubstanz das Gängeviertel wieder zu einem lebendigen Teil der Hamburger Innenstadt wird». Es sei wünschenswert, bei der Nutzung einen «bunten Mix aus Wohnen, Kultur und Gewerbe» zu erreichen.