Berlin - Die umstrittenen Fusionspläne für das Deutsche Symphonie-Orchester (DSO) und das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) sind offenbar vom Tisch. Bei einer Gesellschafterversammlung der Rundfunk Orchester und Chöre GmbH Berlin (ROC) am Dienstag habe sich gezeigt, «dass die Option einer Fusion beider Orchester keine tragfähige Grundlage hat», teilte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) in Berlin mit.
«Für den Bund ist deshalb diese Option ausgeschlossen», hieß es weiter. Beide Orchester gehören zur ROC, deren Gesellschafter der Bund, das Deutschlandradio Kultur, der RBB und das Land Berlin sind. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) begrüßte die Entscheidung.
Deutschlandradio-Intendant Willi Steul hatte eine mögliche Fusion am Wochenende ins Gespräch gebracht. Laut ROC wurde bei der Gesellschafterversammlung am Dienstag deutlich, «dass nicht alle Gesellschafter eine Zusammenführung der beiden Orchester DSO und RSB befürworten können». Die vier Gesellschafter hätten gleichwohl festgestellt, dass mit Blick auf eine «langfristige Sicherung der ROC und ihrer Klangkörper nach wie vor Handlungsbedarf» bestehe, sagte Neumann. Steul habe dafür im Auftrag aller Gesellschafter Lösungsvorschläge entwickelt.
Der Deutschlandradio-Intendant hatte erklärt, dass er «eine Vereinigung von DSO und RSB vor allem inhaltlich künstlerisch für notwendig» halte. Die Mittel für die nächsten drei Jahre seien gesichert, deshalb bestehe nun Handlungsspielraum.
Wowereit sagte, es sei für die «Musikstadt Berlin» eine gute Nachricht, dass eine Fusion auch für den Bund keine Option sei. Berlin stehe zur ROC und werde seine Förderung ab 2010 vereinbarungsgemäß um 1,2 Millionen Euro erhöhen. Das Berliner Abgeordnetenhaus soll am Donnerstag der geplanten Etaterhöhung für die ROC zustimmen. Insgesamt soll ihr Etat um sechs Millionen Euro erhöht werden.
Die mögliche Zusammenlegung der beiden Orchester hatte in den vergangenen Tagen für zahlreiche Proteste gesorgt. Am Dienstag hatte sich unter anderem der Gesamtvorstand der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) gegen die Fusion gewandt. Beide Orchester hätten sich weltweit einen hervorragenden künstlerischen Ruf erarbeitet, hieß es. Angesichts der angekündigten Etaterhöhung für das ROC bestehe zudem «kein Anlass, eine Fusionsdebatte vom Zaun zu brechen», sagte DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens auf ddp-Anfrage. Steuls Vorschlag sei offenbar ein «Versuchsballon» gewesen, um zu testen, wie weit man gehen könne. Auch der Rundfunkchor Berlin hatte sich für einen Erhalt beider Orchester ausgesprochen.
Laut DOV sind in den vergangenen 17 Jahren deutschlandweit 35 künstlerische Orchester durch Auflösung oder Fusionen verschwunden. Von 168 Orchestern im Jahr 1992 existierten heute noch 133.
Auch der Landesmusikrat Berlin brachte seinen Potest zum Ausdruck.