Köln - Seit Wochenbeginn lockern die Bundesländer die ersten Corona-Beschränkungen. Museen und Theater bleiben weiterhin geschlossen. Nun appellieren sie an die Politik, bald den Weg für eine schrittweise Öffnung auch des Kulturbetriebes frei zu machen.
Die Rufe nach einer behutsamen Öffnung der wegen der Corona-Krise geschlossenen Theater und Museen werden lauter. Der Deutsche Bühnenverein fordert eine «schrittweise Normalisierung» des Spielbetriebs der Theater- und Orchester. Nachdem die Bundesregierung gemeinsam mit den Bundesländern erste Erleichterungen für die Bevölkerung und einige Branchen beschlossen habe, sei es nun an der Zeit, auch bei der Kultur «vorsichtig nach vorne zu blicken», teilte der geschäftsführende Direktor Marc Grandmontagne am Dienstag in Köln mit.
Für die Bühnen gebe es aber immer noch keine Klarheit. «Die unscharfe Regelung zu Großveranstaltungen darf nicht einfach auf Theater und Orchester angewendet werden», so Grandmontagne. Vielmehr müssten nun gemeinsam mit der Politik Konzepte hin zu einer schrittweisen Normalisierung entwickelt werden. Klar sei, dass der Gesundheitsschutz dabei Priorität habe.
Auch die Künste seien gerade in diesen Zeiten «systemrelevant», sagte Bühnenvereins-Präsident Ulrich Khuon. «Sie können der Gesellschaft Halt geben und dabei helfen, wieder Hoffnung zu schöpfen.» Die neuen digitalen Theaterkonzepte seien langfristig kein Ersatz für den Kontakt zum Publikum.
Der Bühnenverein sieht die Zukunft der Theater und Orchester angesichts der erwarteten massiven steuerlichen Einnahmeausfälle in den Städten und Gemeinden bedroht. An Bund und Länder appellierte der Verband, die Häuser nicht im Stich zu lassen. Der Deutsche Bühnenverein ist der Interessen- und Arbeitgeberverband von rund 470 Theatern und Orchestern.
Nach dem Deutschen Museumsbund plädieren nun die Kunstkritiker für eine «behutsame Wiedereröffnung» der Museen. Beim Besuch von Kunstmuseen gebe es schon immer bestimmte Verhaltensregeln zum Schutz der ausgestellten Werke, sagte die Präsidentin der deutschen Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbandes AICA, Danièle Perrier, in Köln. Wie bei Blockbuster-Ausstellungen üblich, könne zum Beispiel eine nur begrenzte Besucherzahl pro Stunde zugelassen werden. Eine maximale Verweildauer und Schutzmasken könnten vorgeschrieben werden. «Was in Baumarkt oder Bibliothek nun an Abstand und Achtsamkeit ganz neu eingeübt werden muss, das ist in Kunstmuseen mit ihren kostbaren Werken schon immer und mit Erfolg üblich.».
Der Internationale Kunstkritikerverband AICA hat in 65 Ländern rund 6000 Mitglieder, der deutschen Sektion gehören rund 200 Kunstkritiker sowie Museumskuratoren an.
Der Deutsche Museumsbund erwartet, dass in den kommenden Wochen Schritt für Schritt auch weitere Kultureinrichtungen wieder geöffnet werden können. Die Museen könnten bei dieser schrittweisen Wiederöffnung der Kultureinrichtungen eine Vorreiterrolle einnehmen, hatte der Verband kürzlich mitgeteilt. So können Museen auf zahlreiche Erfahrungen beim Besuchermanagement zurückgreifen und mit verschiedenen Maßnahmen eine Öffnung unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln gewährleisten.