Noten auf Noten? Noch gibt es sie nicht: Tönende Banknoten. Aber die Geldmacher etlicher Länder fanden es immer wieder wert, die Wertpapiere in unseren Brieftaschen mit musikalischen Motiven und Symbolen zu zieren. Der Euro gibt uns aktuellen Anlass, einen Abschiedsblick in die Spezialsammlung unseres Redaktionsmitgliedes Eckart Rohlfs zu werfen.
Noten auf Noten? Noch gibt es sie nicht: Tönende Banknoten. Aber die Geldmacher etlicher Länder fanden es immer wieder wert, die Wertpapiere in unseren Brieftaschen mit musikalischen Motiven und Symbolen zu zieren. Der Euro gibt uns aktuellen Anlass, einen Abschiedsblick in die Spezialsammlung unseres Redaktionsmitgliedes Eckart Rohlfs zu werfen.Musikdarstellungen auf Münzen – das gab es schon in der Antike. Musikmotive auf Geldscheinen dagegen sind selten. Unter vielen tausend offiziellen Banknoten europäischer Länder finden sich in den zurückliegenden hundert Jahren gerade 15 solche mit musikbezogenen Themen: welch große Ehr’ und Anerkennung für die Kunstsparte Musik, dass neben oder statt Staatsoberhäuptern und Staatsemblemen Komponisten, Opernhäuser und Instrumente auf Geldnoten unters Volk gebracht werden. Zweifellos ein bedeutsames Stück Bildungsarbeit für Jedermann.Untersucht man darüber hinaus während der Krisenjahre nach dem Ersten Weltkrieg den grauen Geldmarkt, so trifft man ähnlich auf kunstbewusstes Ansinnen. Auf den kurzlebigen Notgeldscheinen zwischen 1918 und 1923, dem Inflationshöhepunkt, offenbart sich eine enge Verbundenheit der Kommunen gegenüber ihrem heimischen Musikerbe. Musikpraxis und -tradition im Heimatlied, Volksinstrumente und Aufführungsstätten wurden zu beliebten Motiven auf dem Ersatzgeld dieser Zeit. Denn Münzen waren rar. So halfen sich die Städte, ja auch kleine Gemeinden in Deutschland und Österreich, mit mehr oder weniger künstlerisch konzipierten Papierchen und einer Wertangabe zwischen fünf Pfennig und einigen Milliarden Mark. Solches papierne Notgeld als begrenzt einlösbare Gutscheine für „Echtgeld“ waren zum Beispiel von örtlichen Sparkassen zunächst in einfachem Druck hergestellt und wurden nach und nach immer schmuck- und fantasiereicher ausgestaltet. Da finden sich folkloristische Details, Volkslieder, Wandervogel, Minnesänger, historische Musikszenen, ja der Abdruck von denkwürdigen Urkunden – zweifellos lässt sich die wenig erforschte Geldscheinsparte der Numismatik noch als ergiebige Quelle musikalischer Lokal- und Sozialgeschichtsforschung entdecken.
Von all diesen Noten mit dem Hauch von Musik in Mark, Franc, Lire, Schilling, Peseta und dergleichen gilt es nun mit dem Jahre 2002 Abschied zu nehmen. Dass die nun in unsere Geldtaschen wandernden Euros dereinst auch mal von Musik sprechen werden, und dass damit gute Musik in unserer europäischen Gesellschaft zum jedem zugänglichen Maßstab werde, solches wünschen sich kooperierend Europas Musikzeitschriften – eine Initiative, die in gleicher Weise auch für den Europäischen Musikrat eine verdienstvolle Hauptsache sein könnte?
Markneukirchen 1918/19: 50 Pfg., Vogtländer Geige, Pfretschnerbogen und Gitarre
Bayreuth 1918: 50 Pfg., Festspielhaus
Mindelheim 1923: 100 Millionen Mark, Alte Glocke „Einklang – Wohlklang“
Duisburg 1923: 5 Millionen Mark, Stadttheater
Euro-Fragebogen an die Leser der nmz
Die französische Musikzeitung „La lettre du musicien“ hat ihren Lesern zwei musikalische Fragen zum Thema Europa gestellt. Die nmz schließt sich diesem Projekt an und bitten Sie um Ihre Meinung: