Hauptrubrik
Banner Full-Size

Was du ererbt …

Untertitel
Hamburger Bücherhallen geben Teile ihres Notenbestandes auf
Publikationsdatum
Body

Die Musikbücherei in der Zentralbibliothek der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen ist ein Eldorado für die Trüffelschweine unter den Musikern. Seit dem 19. Jahrhundert haat das Ins-titut kontinuierlich Noten zeitgenössischer Musik gesammelt, darunter tausende Raritäten, die in Hamburg sonst nirgends zu finden sind. Wer Literatur abseits des Kernrepertoires sucht, hat gute Chancen, sie dort zu finden.

Leider muss man inzwischen sagen: hatte. Denn im Zuge allgemeiner Umbauarbeiten in dem Gebäude wird nun auch in der Musikabteilung Platz geschaffen durch eine „Reduktion der physischen Bestände für Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und mehr Arbeitsplätze“, wie es die Leiterin der Bücherhallen, Hella Schwemer-Martienßen, ausdrückt. Man muss eben mit der Zeit gehen. Im Klartext: mehr Hörsessel, weniger Regale. Der Bestand wird um etwa 15 bis 20 Prozent „angepasst“; neben anderen Medien hat man im vergangenen Herbst etwa 10.000 Notenbände aussortiert.

Aber wohin damit? Der Einladung an andere Hamburger Musikbibliotheken, darunter die Hochschule für Musik und Theater Hamburg, die Staatsbibliothek und die Nordkirchenbibliothek, die Bestände durchzusehen und mitzunehmen, was ihnen bewahrungswürdig erschien, scheint kaum jemand gefolgt zu sein. Jedenfalls fand der Doktorand der Musikwissenschaft Simon Kannenberg kurze Zeit später bei einem Notenausverkauf, vulgo Flohmarkt, in der Zentralbibliothek in Regalmetern von Noten rare Ausgaben von Kammermusik und Klavierwerken aus dem 19. Jahrhundert, darunter Werke von Ferdinand Thieriot, Joachim Raff und Louise Héritte-Viardot, der Tochter von Pauline Viardot, außerdem Noten aus dem Hamburger Verlag August Cranz. „Da hat offenbar keiner erkannt, was diese Bestände für einen Schatz darstellen“, sagt Kannenberg. Erstaunlich. Für dieses Mal gibt es ein Happy End: Die Hochschule für Musik und Theater griff zu, ein Gutteil der Kostbarkeiten bleibt der interessierten Öffentlichkeit also erhalten.

Weiterlesen mit nmz+

Sie haben bereits ein Online Abo? Hier einloggen.

 

Testen Sie das Digital Abo drei Monate lang für nur € 4,50

oder upgraden Sie Ihr bestehendes Print-Abo für nur € 10,00.

Ihr Account wird sofort freigeschaltet!