Vor 100 Jahren: Deutsches Opernhaus in Charlottenburg +++ Vor 50 Jahren: Verband der Jugend- und Volksmusikschulen +++ Donaueschinger Musiktage 1962 +++
Vor 100 Jahren
Deutsches Opernhaus in Charlottenburg: Wiederum ist in Deutschland ein neues Opernhaus eröffnet worden, ein Haus, das 2.300 Menschen gute Plätze bietet und das es der Direktion ermöglicht, sich mit Eintrittspreisen von 80 Pfennig bis zu nur 5 Mark zu begnügen. Schon seit langen Jahren sind in Berlin fortgesetzt Pläne für die Errichtung eines zweiten Opernhauses geschmiedet worden, denn einmal ist das Königliche Opernhaus bei weitem nicht groß genug, um mehr als einem von je 2.400 Berlinern am Abend Eintritt zu gewähren, und dann sind die Preise der Plätze so exorbitant hoch, dass der Mittelstand beinahe gar nicht in der Lage ist, sich das Vergnügen des Besuchs einer Hofopernvorstellung leisten zu können. Die Kosten betrugen 5.620.000 Mark. Der Betrieb ist von einer mit 1.000.000 Mark gegründeten Aktiengesellschaft übernommen worden, deren Aufsichtsrat Kauf- und Finanzleute, Stadtverordnete, ein Architekt, Direktor Georg Hartmann und die beiden Musiker Philipp Scharwenka und Prof. Hans Joachim Moser angehören. Man sieht also, dass Leute darin sind, die rechnen können, und dass auch angesehene und erfahrene musikalische Fachleute mitreden sollen. Neue Musik-Zeitung, Jg. 34.1912/1913, Heft 5
Vor 50 Jahren
Vor zehn Jahren wurde auf Schloss Oberwerries bei Hamm/Westf. der Verband der Jugend- und Volksmusikschulen gegründet. Die Anregung hierzu gab Dr. Wilhelm Twittenhoff, heute Direktor der Musischen Bildungsstätte Remscheid und seit Gründung des Verbandes sein erster Vorsitzender. Es schlossen sich damals die Leiter von etwa zwölf bestehenden Schulen mit Berufskollegen zusammen, die sich um die Einrichtung weiterer Schulen bemühten. Heute stellt der Verband etwa 100 Mitgliedsschulen.
Donaueschinger Musiktage 1962 … sie hatten auch dieses Jahr ihre Sensation: Ein wildgewordener Schlagzeuger knallte eine Anzahl von Becken voller Verachtung dem Dirigenten vor die Füße (das war die „prekäre Schlusswendung“ einer Komposition von Wimberger): Dessen „Stories“ sind eine Mischung aus Strawinsky, Jazz und Bierulk. (...) Da er noch thematisch, motivisch und im wesentlichen sogar tonal empfindet, erschien er den Hyper-Donaueschingern schon als nicht mehr ganz „tragbar“. (...)
Pierre Boulez, in Donaueschingen zum unumstrittenen Avantgarde-Komponisten Nr. 1 gemacht, hielt seine „Conférence“ über „Poésie centre et absence“, eine Darstellung seiner Ästhetik, demonstriert am oft diskutierten Wort-Ton-Problem. Beim Vertonen wird das Grundmaterial auch der musikalischen Gestaltung aus dem Rhythmus und Klang der Verse, aus ihrer Struktur und Form gewonnen ... (Helmut Schmidt-Garre) XI. Jahrgang 1962,6 (Nov./Dez.), Seiten 2 und 17