Vor 100 Jahren: Vermischte Nachrichten +++ Vor 50 Jahren: Komponist Jürg Baur engagiert sich für die Revolution der Blockflöte
Vor 100 Jahren
Vermischte Nachrichten
- In Berlin hat der Verband der konzertierenden Künstler Deutschlands eine Kriegsküche eröffnet, in der Musiker und Vortragskünstler für 20 Pfennige ein reichliches Mittagessen und für 10 Pfennige ein Abendessen erhalten. Wenigstens für die Kriegsdauer ist den Beamten aller möglichen Reichsämter das gewerbsmäßige Musizieren im Nebenamt untersagt worden, womit sie den Berufsmusikern auch noch die kärglichen Gelegenheiten zum Brotverdienen nehmen.
- Kammersänger Prof. Dr. Felix von Kraus hat verfügt, dass für die Dauer des Krieges der ihm als Vortragsmeister der Kgl. Hofoper zu München zufließende Gehalt zur Hälfte der Münchner Hilfsstelle für Berufsmusiker, zur anderen Hälfte dem Deutschen Chorsängerbund (Sitz Mannheim) ausgezahlt werde.
- Der Wiener Tonkünstlerverein hat eine großzügige Hilfsaktion zugunsten der durch den Krieg in Not geratenen Tonkünstler und deren Angehörigen eingeleitet, gespeist von freiwilligen Spenden und Sammlungen, an der Spitze eine eigene Spende.
- Der Deutsche Patriotenbund erließ an alle Tondichter Deutscher Zunge ein Preisausschreiben zur Gewinnung von Tondichtungen, die sich zum Vortrag im Dom des Völkerschlachtdenkmals eignen. An diesem Preisausschreiben haben sich 237 Bewerber mit 304 Werken beteiligt.
Neue Musik-Zeitung, 36. Jahrgang 1914/15, H. 4 (November), S. 37, 38, 52)
Vor 50 Jahren
Komponist Jürg Baur engagiert sich für die Revolution der Blockflöte: Wenn man sich als moderner Komponist heute mit der Blockflöte beschäftigt, zucken die Kollegen verächtlich mit den Schultern: Die Blockflöte gilt in der großen Instrumentenfamilie nicht als vollwertiges Mitglied. Diese herkömmliche Behandlung des Instruments kann auf die Dauer einem modernen Komponisten nicht genügen. Es geht heute darum, die spezifische Eigenart der Blockflöte technisch und klanglich zu entwickeln. Genau das gelingt dem jungen Blockflötist Michael Vetter für sein Instrument, indem er sich zuerst an den Spielanforderungen anderer Blasinstrumente orientiert. Dabei legt er besonderen Wert auf die Atemtechnik und ein natürliches Vibrato, auf vielseitige Fingertechnik zur Verdeutlichung der Artikulation, auf stärkere Differenzierung der Dynamik, auf Zungentechnik, und nicht zuletzt auf eine Modernisierung des gesamten Instruments zugunsten eines Tonumfangs und KlangvolumensÂ… (…). Die relativ einförmige Tongebung der Blockflöte beeinflusste er durch häufiges Wechseln der Griffe zum Erzielen von starken dynamischen Abstufungen, durch Veränderung der Klangfarbe (…), und durch Einsatz verschiedener Vibratoformen (…) zur Intensivierung des ausdrucksvollen Spiels. Es ist erstaunlich, welche Fülle von zarten, bizarren, aggressiven und verschleierten Klangmöglichkeiten uns nun zur Verfügung steht. Diese (…) ergeben für die Blockflöte ganz neue Spiel- und Kompositionsaspekte …
Musikalische Jugend, XIII. Jahrgang 1964, 6 (November), S. 14