Als ich am Ende meiner Reise bei dem wenig musikalischen, aber mit Rhythmischem befassten Filmchen auf http://www.ntk.net/media/dancemonkeyboy.mpg landete, wurde mir zuletzt gegenwärtig, dass nur kräftiges Fluchen den Frust über den Auftrag, der mir von einem nmz-Redakteur „vermacht“ worden war, mindern konnte. Denn so selten die Musik sein sollte, die ich im weltweiten Netz aufzuspüren hatte, so verschwommen war mir zu jedem Zeitpunkt, was unter diesem Passus „seltene Musik“ denn zu verstehen sei.
Als ich am Ende meiner Reise bei dem wenig musikalischen, aber mit Rhythmischem befassten Filmchen auf http://www.ntk.net/media/dancemonkeyboy.mpg landete, wurde mir zuletzt gegenwärtig, dass nur kräftiges Fluchen den Frust über den Auftrag, der mir von einem nmz-Redakteur „vermacht“ worden war, mindern konnte. Denn so selten die Musik sein sollte, die ich im weltweiten Netz aufzuspüren hatte, so verschwommen war mir zu jedem Zeitpunkt, was unter diesem Passus „seltene Musik“ denn zu verstehen sei.Begonnen hatte ich die Reise, wie Reisen im Internet meist beginnen: mit einer Suchanfrage bei der Suchmaschine Google (http://www.google.com). Unter dem Passus „Seltene Musik“ spuckte der Suchknecht „ungefähr 10.500“ Suchergebnisse aus, unter dem englischen Pendant „“ gar 215.000. Das war genug, um sich einiges vorzunehmen – oder gar zu viel, um letztlich zwingend zu scheitern. „Es ist doch immer wieder derselbe mühselige Vorgang“, dachte ich mir und machte mich über die ersten Suchergebnisse her. An Position 1 befand sich ein „cantus-special zum Jahresende“ (http://www.cantus.org/archiv/carol/index.htm) mit einer „Sammlung von Liedern zum Weihnachtsfestkreis“. Interessant – allein, was daran war „selten“? Was wollte der auftraggebende Redakteur überhaupt darunter verstanden wissen? Etwa Musik Lapplands (mit einer solchen Suchanfrage landete ich etwa bei der läppischen Rockgruppe „Giron“, http://www.kiruna.se/~giron/, deren Musik aber nicht als selten, sondern wohl eher als „Kelly Family für Arme“ anzusehen ist) oder die interaktive Sound-Installation „Soundscape“ von Glissmann unter http://www.subcologne.de/com/sub/soundscape/soundscape.htm, eine Seite, die zumindest Spaß bereitet?Also zurück zur Suchmaschine und ihren 10.500 Suchergebnissen, unter denen sich auf Platz 6 sogar ein Link zu einer Seite der nmz befindet: http://www.nmz.de/nmz/nmz1999/nmz09/rumpf/bericht-gruenefeld-brahms.shtml – allerdings geht es da nicht um seltene Musik, sondern um Stichvorlagen von Brahmsnoten; die sind aber immerhin selten. Freunde der analogen Welt – vor allem von seltenen Pop- und Schlagerlangspielplatten längst vergangener, langhaariger Zeiten – werden bei den „Links für Platten- und Musikfreaks“ unter http://www.netigel.de/h_links.htm fündig. Vergleichbares – nur jetzt digital auf CD – gibt es im Hans Zimmer-Archiv unter http://www.hanszimmer-archiv.de/rare.htm. Wer allerdings bestimmt, welche Scheibe beziehungsweise CD selten ist und warum mich das überhaupt interessieren sollte, wollte sich mir zu keinem Zeitpunkt erschließen. Aber Ergebnisse einer Suchanfrage sind eben nur Ergebnisse einer pauschalen Anfrage der Form „Durchsuche alle Seiten nach den Stichworten ‚Seltene‘ und ‚Musik‘.“ Inwieweit ein Suchergebnis tatsächlich treffend ist, zeigt sich erst im Nachhinein – in der Regel verbunden mit Enttäuschung bis Verwirrung. (So landet man über „Seltene Musik“ etwa bei einer Nachricht des Schwulenportals http://www.eurogay.de/entertainment/6870.html und erfährt dort, dass Prinz William einen seltenen Vogel geschossen hat.)
Das brachte alles nicht sonderlich weiter. Seite um Seite hätten sich so die Suchergebnisse ohne befriedigendes Ergebnis durchforsten lassen. Weit einträglicher würde es wohl sein, die Suchmaschinen nach Konkretem zu befragen, von dem ich annahm, dass ich es unter „Seltene Musik“ rubrizieren würde. Weshalb, wusste ich nicht, aber ich dachte dabei sofort an Musik meiner Jugend, nach dem Motto „alt = selten“. Und damals gab es in meiner akustischen Welt zum Beispiel HipHop-Musik der Gründerjahre. Als ich einige der Bandnamen als Suchanfrage eingetragen hatte, gelangte ich auf die Seite http://www.lrz-muenchen.de/~uf121as/www/jive.html, auf der es eine fundierte Einführung in Geschichte, Ästhetik und soziokulturelle Bedeutung des HipHop von Thomas Bärnthaler zu lesen gibt. Aber HipHop ist nicht sonderlich selten – nicht mehr, wenn man sich an der Größe der Fangemeinde orientiert.
Je kleiner also die Fangemeinde, spekulierte ich, umso seltener die Musik? Dann sollte man im Bereich der musikalischen Avantgarde auf Seltenes stoßen. Unter der Suchanfrage „“ landete ich als erstes auf der Seite „Avantgarde Acoustic“ unter http://www.avantgarde-acoustic.de/. Was anfangs spannend klang, entpuppte sich schnell als Seite eines Edel-Lautsprecher-Herstellers. Dann vielleicht unter http://www.avantgardemusic.com? Über diese Adresse landete ich bei „Wounded Love Records“. Nicht sonderlich avantgardistisch, denn dahinter verbergen sich die üblichen Verdächtigen mit Heavy Metal-Sound und -Gestus, aber zumindest bekommt man einen schönen Flash-Movie im bewährten Gothic-Style präsentiert. Noch näher läge ja nach obiger Logik der Quantität die Domain http://www.avantgarde.com. Dort befindet sich aber eine Design-Agentur und unter der gleichnamigen Adresse mit deutscher Toplevel-Domain.de eine weitere. „Aha“, dachte ich mir, „Avantgarde = Werbeagentur.“ Man lernt nie aus oder das kann ja wohl nicht wahr sein! Die weiteren Links hatten dann meist mit bildender Kunst und wenig mit Musik zu tun.
Ich versuchte es deshalb weiter mit dem Passus „selten aufgeführte Musik“. Auf der ersten Ergebnisseite von Google wurden unter anderem die Seiten „Chorische Raritäten in der Marktkirche Neuwied“ (http://www.marktkirche.de/raritaeten.htm), die Hochschule für Musik und Theater in Hannover (http://www.hmt-hannover.de/hmt/geschichte.htm) oder auch Platten bei Cosmopolis (http://www.cosmopolis.ch/cosmo13/Klassik.htm) aufgelistet, auf denen sich alles andere als seltene Musik befindet.
Vielleicht könnte ja „seltsame Musik“ als „selten“ angesehen werden? Darüber fand ich zum Beispiel eine Information über das Lied „Gloomy Sunday“ von Reszo Seress (http://home.t-online.de/home/cat-h./ws-uw-23.htm) oder über die Band „Lecker Sachen“, die Crossover zwischen Folk- und HipHop-Musik versucht und das Ganze dann folgerichtig als „Folk-HipHop“ bezeichnet: http://www.folkworld.de/7/lecker.html. Hörproben dieser „seltenen“ Gattung finden sich auf deren Website unter http://www.leckersachen.de
Durch so viel Erfolg bestärkt, forstete ich weiter: „blöde Musik“. Da stieß ich sogleich auf die Homepage von Friedel von Hagen unter gleichnamiger Domain: http://www.friedelvonhagen.de/. Seltene Musik habe ich dort nicht gefunden, aber ein Beispiel von selten scheußlichem Webdesign und ein MP3 des selten blöden Liedes „Tussi, Zicke, blöde Kuh“. Noch weit wichtiger allerdings: der Link zu den Mallorca-Charts unter http://www.mallorca-charts.de/.
Um noch ein wenig mehr und vielleicht Sinnvolleres zu finden und somit den Redakteur glücklich zu machen, behalf ich mir damit, Adressen wahllos auszuprobieren. Während http://www.seltenemusik.de noch nicht belegt ist (schnell bei der DENIC registrieren lassen!), fand ich unter http://www.raremusic.de den Plattenladen Subsound Records. In einem kleinen Popup-Fenster lässt sich ein netter Soundloop abspielen, der aber ziemlich schnell ziemlich langweilt. Die gleichnamige Domain mit Toplevel.com hält dann lediglich die Textinformation „Slurb Brothers Consulting, Inc.“ bereit. Das ist ein nicht seltenes Beispiel von Datenmüll im Internet. Das kann es nicht gewesen sein!
Eben noch frustriert, erinnerte ich mich an einige heitere Minuten, die ich vor einigen Monaten mit den aufwändig gestalteten Flash-Animationen der Animationsstudios JibJab und AtomFilms zugebracht hatte. Wer entweder über Geduld oder aber über eine schnelle Internetverbindung verfügt, sollte sich die vier Rap-Animationen unter http://www.jibjab.com/cartoons/raps/rp_MOVIE01.HTM bis rp_MOVIE04.HTM ansehen, denn das ist wirklich selten, dass sich jemand so viel Arbeit macht, nur um die Leute mit Blödelei ein wenig zu unterhalten.
Zuletzt landete ich dann bei besagter Adresse, die am Anfang dieses Reiseberichtes angegeben ist. Und was ich dort zu sehen und zu hören bekam, hat mich davon überzeugt, dass es wohl besser wäre, die Reise an dieser Stelle zu beenden und weitere Nachforschungen dem interessierten Surfer zu überlassen.