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Iannis Xenakis 1993 in Berlin. Foto: Martin Hufner
Iannis Xenakis 1993 in Berlin. Foto: Martin Hufner
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Durch das Binsendickicht zurück zu Schostakowitsch - Das Musikfest Berlin 2009

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Das offizielle Eröffnungskonzert des diesjährigen Musikfests Berlin findet zwar erst am 4. September statt, doch schon zuvor ertönen am 3. September Karlheinz Stockhausens 1967 entstandene Hymnen. Rein elektronische Musik in der Berliner Philharmonie. Mit Stockhausens Sohn Simon in der Klangregie. Ein Werk von gewaltigem Anspruch, eine musikalisch konkrete Zukunftsvision vom wohl unerfüllbaren Traum friedlichen Zusammenlebens der Menschen.

Und doch eine in der Besetzung gewissermaßen auf das Mischpult konzentrierte „Vor-Reduktion“. Ein intelligenter Kontrapunkt der Veranstalter, denn bis zum 21. September dominieren dann fast ausschließlich die großen Ensembles.

Eine wahre Materialschlacht von vierzehn internationalen Orchestern, mithin eine repräsentative Auswahl der wohl besten Klangkörper überhaupt. Schwerpunkt: Schostakowitsch, Xenakis und Haydn. Allerdings mit ganz klarer Gewichtung auf Schostakowitsch. Fast alle seiner Sinfonien (außer die Nummern 2, 3, 13 und 14) werden zu hören sein. Eine interpretatorische Bestandsaufnahme der Musik Schostakowitschs - und das drei Jahre nach dem Jubiläumsjahr (100. Geburtstag). Zudem die selten erklingende Suite nach Gedichten von Michelangelo Buonarroti, op. 145a; in einem Programm mit Béla Bartóks einaktiger Oper Herzog Blaubarts Burg, gespielt vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Marek Janowski. Mit den Solisten Petra Lang (Mezzosopran), Albert Dohmen (Bass) und dem Schauspieler Otto Sander als Sprecher.

Überhaupt: die interessantesten Programme kommen von den Gastgebern, von den Orchestern Berlins. Das Konzerthausorchester unter Noch-Chef Lothar Zagrosek bringt am 10.09. zusammen mit dem Lettischen Rundfunkchor und dem Staatschor der Republik Lettland Werke von Leoš Janácek (Otcenáš und Aus einem Totenhaus), Francis Poulenc (Figure humaine) und Iannis Xenakis (Nekuia) zu Gehör. Und am 16.09. widmet sich das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin unter seinem ebenfalls bald scheidenden Chefdirigenten Ingo Metzmacher u. a. dem vielleicht fulminantesten Orchesterwerk des letzten Viertels des 20. Jahrhunderts, Xenakis’ „Binsendickicht“ von 1977 (Jonchaies).

Der Neuen Musik wünscht man dabei, dass sie in Form der im Rahmen des Musikfests anstehenden Ur- und Erstaufführungen qualitativ profund ihre Stimme erheben kann und nicht bloß Schmuckwerk bleibt. Enno Poppes neues Orchesterstück, wie immer lakonisch betitelt, (Markt, am Abschlusstag, den 21.09. zu hören mit der Jungen Deutschen Philharmonie unter Susanna Mälkki) verspricht mit dem musikalisierten Prinzip „von allem zu viel“ ein virtuoses Hörvergnügen. Von Hans Zenders ¿Adónde? Wohin? für Violine, Sopran und Instrumente (am 12.09. mit Solisten und dem Klangforum Wien unter Emilio Pomárico) erhofft man sich dagegen, es möge nicht, wie bei Zenders zuletzt uraufgeführten Schöpfungen, bei altbackener Bemühtheit bleiben.

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