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Haydn-Bewunderer und -Interpret: Bruno Weil
Haydn-Bewunderer und -Interpret: Bruno Weil
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Haydn im Fokus: das Musikfestival „Klang & Raum“ in Kloster Irsee

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Die Aufführung der Werke von Joseph Haydn gehört längst zur musikalischen Visitenkarte des sinnenfrohen Musikfestivals „Klang und Raum“. Man denke nur an die, vor Ort in den 90er-Jahren entstandene Referenzaufnahme der „Schöpfung“, dirigiert von Bruno Weil und dem Barockorcherster Tafelmusik aus Toronto. Zwischen Dirigenten und Orchester besteht eine langjährige Symbiose, die zugleich für eine hohe interpretatorische Qualität steht und dem Festival seit 17 Jahren ein treues Stammpublikum garantiert.

Keine Frage, dass sich die Programmgestaltung auch im Jubiläumsjahr dem immer wieder unterschätzten Meister der Wiener Klassik widmete. In Irsee brachte man neben den „Jahreszeiten“ auch unbekanntere Werke wie das „Te Deum“ oder die frühe Chorkomposition „Der Sturm“ klangvoll zur Aufführung, und Bruno Weil erwies sich hier erneut als profunder Kenner der Haydn-Partituren.

Bruno Weil entdeckt in Haydn’s Schaffen ständig Neues und er bewundert „die Einfachheit, die das Geheimnis der Verständlichkeit seiner Musik ausmacht“. Er entspräche ihm persönlich von seiner Herkunft und der Natürlichkeit seiner Musiksprache denn, „er verbindet Populäres und Gelehrtes wie kein anderer“, schwärmt Weil. Jedes Jahr bemüht er sich mit spürbarer Freude am Musizieren um den Versuch einer Annäherung an den möglichen Originalklang, in diesem Jahr u.a. mit der „Sinfonie Nr. 97, C-Dur“ , 1792 in London uraufgeführt. Weil konfrontiert sein Publikum aber nicht nur mit der nackten Interpretation, sondern stellt ein kompetent und unterhaltsam kommnetiertes Gesprächskonzert voraus. Hier wird dann jedem klar, dass Haydns musikalische Rhetorik eine wahrhafte Quelle für nachfolgende Komponisten zu bieten hatte.

Entdeckungen abseits des vertrauten Repertoires prägen u.a. das unverwechselbare Profil des Festivals und den konzeptionellen Geist in Irsee, - Haydn bietet da eine wahre Fundgrube, aber die Motivation für die Programmdramaturgie hat unterschiedliche Wurzeln und geht es nicht nur um die unbestechliche Aktualität Haydn’scher Musik.
Der Blick fiel auch auf die Frauen, die im Leben des Komponisten eine nicht unwesentliche Rolle spielten, zumal sie unter vielen Facetten und Konstellationen für seine künstlerische Entwicklung von nachhaltiger Bedeutung waren. Das Image des Komponisten als Casanova bleibt nur ein Aspekt, so Reinhold Jehl, der zu diesem Themenfeld ein Symposion konzipiert hatte.

Das Tafelmusik-Orchester, die exzellenten Tölzer Knaben und die stimmlich überzeugende junge Sopranistin Sigrid Plundrich boten u.a. in der barocken Stiftskirche zu Irsee das „Salve Regina“ für Sopran, Chor und Orchester. Ein Werk, das Haydn aus Anlass des Klostereintritts seiner Jugendliebe Theresia Keller komponierte. Die Heirat mit deren Schwester schließlich wurde bekanntlich zum Desaster, und so „war ich auch gegen die Reize anderer Frauenzimmer weniger gleichgültig“, schreibt Joseph Haydn. Diese Tristesse vermochte Haydn offensichtlich nur durch diverse Liebschaften zu ertragen. Hier hatten es ihm vor allem Sängerinnen wie Luiga Polzelli und Marianne Martinez, Frauen die ihn zu Opernkompositionen inspirierten und somit auch viel zur Etablierung der Oper am Hofe Esterhazy beitrugen.

Leider mangelte es diesem Symposion an etwas inspirierten Beiträgen, - die Vortragenden hatten sich dem Thema aus rein musikwissenschaftlichem Blick angenähert und zu sehr auf spezifische Themen konzentriert, die für das ambitionierte Publikum schwer zu fassen waren.

Ein kleines Highlight aber bot der poetische Film mit Marionettenfiguren „Haydns Nacht“. In wunderbaren und atmosphärisch dicht aufgeladenen Bildern sucht der, aus Salzburg stammende Regisseur Georg Jenisch das ewige auch von der Musikgeschichtsschreibung kultivierte Haydn-Denkmal zu hinterfragen.

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