Jetzt haben wir den Salat: Seit Jahren und Jahrzehnten sonntagsschwafelt unsere Politiker-Kaste jeglicher Couleur, wie wichtig Bildung sei für die Zukunft unserer feinen Bundesrepublik. Als Grundlage für das Prosperieren unserer Volkswirtschaft und als Fundament vernünftiger Kommunikation. Was aber geschieht? Die Schulzeit wird verkürzt, das Studium „komprimiert“. Zum Segen einer flotteren Absolventen-Verwertbarkeit im Sinne der Ökonomie. Und dann wundern sich unsere wohlbestallten Volks-Vertreterinnen und -Vertreter, dass ihnen niemand mehr glaubt, zuhört, sie wählt. Dass Unsicherheit und Ängste aufblühen, Treibhäuser für dumpfe irrationale „Bewegungen“. PEGIDA boomt.
Mit konventioneller Pädagogik oder Erwachsenenbildung scheint da aktuell nichts mehr zu retten zu sein. Schnelle Bewusstseins-Veränderungs-Brüter wären gefragt. Und schon erreicht mich in meiner Eigenschaft als Embedded Journalist, derzeit vermutlich in Diensten des Finanzministeriums, eine vielleicht rettende Info: Hacker haben den Server der Sony-Filmdivision geknackt und das Drehbuch für den nächsten James-Bond-Thriller namens „Spectre“ geklaut und veröffentlicht. Eine kapitale Katastrophe, Milliardenverluste stehen ins Haus. Vor allem aber drohen die Vorbild-Funktionen, die meinungsbildende Trendsetter-Kraft dieses Unterhaltungs-Giganten zu verpuffen.
Wahrscheinlich weil ich vor einigen Jahrzehnten – relativ folgenlos – mal eine renommierte Filmakademie absolvierte, erreichte mich – natürlich verschlüsselt – der Auftrag, einen Bond-Plot mit eindringlich aufklärerischer Handlung zu verfassen. Zentraler Schauplatz: Deutschland, die gefährdete Heimat. Hauptdarsteller Daniel Craig blieb gesetzt, wurde aber unverzüglich zu einem Bayerisch-Sprachkurs verpflichtet. Als Schurken-Trio sollen der Präsident der Europäischen Union, Jean-Claude Juncker, Deutsche-Bank-Boss Jürgen Fitchen und Uli Hoeneß engagiert werden. Nicht fehlen dürfen die Bond-Girls: Ursula von der Leyen, Andrea Nahles und Uschi Glas befinden sich bereits in einem Zentrum für kosmetische Chirurgie. Weitere wichtige Drehorte: Luxemburg (hierher wird der Fujiyama transferiert, um die etwas monotone Landschaft für Verfolgungsjagden zu optimieren). Selbstverständlich Washington, Islamabad, der Gaza-Streifen, Köln, Bonn und Dresden als Zentren der Gegenaufklärung.
Kurz die Story: Juncker versucht die EU als 51. Bundesstaat via TTIP an die USA zu verhökern, um dauerhaft mit Uschi Glas im letzten mondialen Steuerparadies (natürlich Luxemburg) als Kaiserpaar eine satte Fettlebe samt viel Schifahrens durchziehen zu können. Dabei geht ihm sein Assistent Fitschen zur Hand, indem er die Deutsche Bank mit Prozessen überziehen und zusammenkrachen lässt, weil er den Export höchstwertiger Hochtechnologie-Rüstungsgüter an die IS und Al Quaida finanziert. Das destabilisiert die Euro-Zone total, weitere Geldhäuser kollabieren. Weltweit drohen Anschläge. Deutsche Sparer und Aktionäre gehen ihrer Einlagen verlustig. Es kommt zu anti-islamischen Massen-Demonstrationen mit AFD-Chef Bernd Lucke an der Spitze, dessen Partei beim Polit-Barometer inzwischen die Neunzig-Prozent-Hürde ansteuert. Daniel Craig und Andrea Nahles versuchen im Alleingang den Schurken Juncker zu eliminieren. Als „Q“ hilft ihnen dabei einzig Edward Snowden, der – von Moskau in die Berliner BND-Zentrale transferiert – versucht, via Internet die Aufenthaltsorte der Europa-Feinde zu lokalisieren. Das gelingt natürlich nicht, weil die technische Ausrüstung des BND sich im Zustand des Willy-Brandt-Flughafens befindet. Immerhin schafft es Nahles, bei einem fingierten Rendezvous Fitschen mit einem beidbeinigen Schenkel-Presser für mehrere entscheidende Stunden das Bewusstsein zu rauben (die einzige wirklich erotische Passage des Films, ansonsten folgt eine Action-Szene auf die nächste).
All dies beobachtet als „M“ im Hintergrund höchst besorgt Ursula von der Leyen. Im letzten Moment durchschaut sie einen heimtückischen Anschlag ihres langjährigen Vertragspartners und Lieferanten Uli Hoeneß auf die Bundeswehr: Er hatte seine „Bruzzler-Würste“ für die Soldaten mit Noro-Viren kontaminiert, um das Heer tagelang so zu schwächen, dass der Nato-Partner USA zur Besetzung der Bundesrepublik verpflichtet gewesen wäre. So bleibt es – dank einer kleinen Verfassungsänderung – möglich, dass sich hunderttausend Freiwilligen-Armisten deeskalierend und Sicherheit ausstrahlend unter die halbe Million Demonstranten der PEGIDA mischen und für Ruhe und Frieden sorgen. Craig stellt schließlich Juncker und Uschi Glas in der Fujiyama-Glühwein-Hütte und befördert die beiden in eine Stammheimer Gemeinschaftszelle – Strafe genug – und very Happy End. Da tritt auch endlich unsere Kanzlerin vors Volk (sie hatte inzwischen an einem Langlauf-Kurs in Oberhof teilgenommen) und singt, Arm in Arm mit den Toten Hosen und Edward Snowden: „An Tagen wie diesen…“
Tja, wenn dieser Blockbuster nicht bewirkt, dass die aufgewühlten deutschen Panik-Gemüter sich besänftigen, stehen uns wohl schwere Zeiten bevor…
Theo Geißler ist Herausgeber von Politik & Kultur