Sucht man einen Schlagzeuger, der phänotypisch für den electric turn des Jazz steht, für Jazzrock und Fusion also, dann landet man unweigerlich bei Billy Cobham. 1944 in Panama als Pianistensohn geboren, dann in New York aufgewachsen, gehört Cobham zur kleinen Schar der begnadeten Musiker, die das Spiel ihres Instruments revolutioniert haben. Völlig neue Techniken etablierte er in der Welt der Rock- wie der Jazzschlagzeuger.
Das gleichberechtigte, völlig unabhängige Spiel der linken und der rechten Hand zum Beispiel, die Brechungen durch lateinamerikanische Rhythmik oder auch die perkussive Behandlung und Erweiterung des bis dato gängigen Drumsets. Nicht zuletzt mit der von ihm in den Jazz eingeführten Double-Bassdrum wurde er zum Urvater einer neuen Wucht, eines neuen Drives im swingenden Gewerbe.
Ein paar historische Stationen ragen dabei heraus: So war Cobham 1971 Gründungsmitglied bei John McLaughlins Mahavishnu Orchestra, das zu den stilprägenden Fusionbands gehörte; auch sein 1973 erschienenes erstes Soloalbum „Spectrum“ – Auftakt für bis heute gut 40 Platten unter eigenem Namen – ist inzwischen legendär. Nachhaltig war auch Cobhams unermüdliche Arbeit als Studiomusiker und Sideman. Immer wieder packte er – von 1981 an auch mit einem Schweizer Wohnsitz - bei Gleichgesinnten aus der Groove-Familie mit an, von Jan Hammer und George Duke über John Scofield und den Brecker Brothers bis zu Peter Gabriel und der kubanischen Band Asere.
Einer dieser Gleichgesinnten fand sich auch in Deutschland: Wolfgang Schmid, der Bassist von Passport und Kick, und damit wie Cobham ein Jazzrock role model, in diesem Fall für die knackende Spielweise des E-Basses seit den frühen siebziger Jahren. Die beiden lernten sich Ende der Achtziger kennen und pflegen seither eine persönliche wie musikalische Freundschaft, die in den späten Neunzigern in der zusammen mit dem Gitarristen Bill Bickford gegründeten, weithin beachteten Band Paradox gipfelte.
Und weil – wie es schon Franz Beckenbauer besang – gute Freunde niemand trennen kann, legten die beiden nun mal wieder gemeinsam los, beim „Jazz am See“ des gleichnamigen rührigen Verein, mit dem der Feldafinger Bürgermeister Bernhard Sontheim seit ein paar Jahren schon etliche Stars in den Landkreis Starnberg geholt und sich so regionsweit um den Jazz verdient gemacht hat. Der definitiv groovendste und funkigste Termin der Saison fand allerdings nicht im angestammten Feldafing statt, sondern im Sommerkeller des neuen Rathauses Bernried.
Wo dann auch Stimmung wie Akustik stimmten für den bei aller herbstlicher Kühle heißen Abend, den an der Seite von Cobham und Schmid dessen langjähriger Weggefährte Peter Wölpl kompletierte – sowie als ideale „Vorband“ das Berliner Souljazz-Quartett Mo’Blow um den Saxophonisten Felix Falk, das mit seinem gerade erschienenen ersten Act-Album und der ersten richtigen eigenen Tour derzeit auch ganz alleine für Furore sorgt.