Stipendium nach Rom – Komponisten-Honorare – Musikvermittlung exzellent – Drei Bände für den „Accordarbeiter“ – Nepomuk zu Breitkopf & Härtel – Geballte Frauen-Power: 25 Jahre Furore Verlag
Stipendium nach Rom
Stipendien für einen einjährigen Studienaufenthalt 2011 in der Villa Massimo in Rom vergab Kulturstaatsminister Bernd Neumann im Bereich Musik an Sven-Ingo Koch aus Düsseldorf, für einen dreimonatigen Aufenthalt in der Deutschen Akademie Rom Casa Baldi an Robert Krampe aus Lübeck und Saam Schlamminger, München. Ein zweimonatiges Künstlerstipendium im Deutschen Studienzentrum Venedig soll Arne Sanders aus Berlin erhalten. Ein halbes Jahr Studienaufenthalt in der Cité Internationale des Arts in Paris wird aus dem Bereich Musik Timo Ruttkamp aus Köln ermöglicht. Ansprechpartner für 2012 ist der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Postfach 170286, 53028 Bonn.
Komponisten-Honorare
Richtwerte und Richtlinien für Kompositionshonorare hat der Schweizerische Tonkünstlerverein erarbeitet und in der Schweizer Musikzeitung in ihrer jüngsten Ausgabe veröffentlicht. Er empfiehlt sie als Vertragsgrundlage für Komponistinnen/Komponisten und ihren Auftraggebern. Je nach Werkkategorie werden Beträge zwischen 300 und 1.000 Schweizer Franken pro Minute genannt, dazu je nach besonderen Gegebenheiten entsprechende Zuschläge. Regelungsbedürftig sind auch die Rechte und Pflichten sowohl des Urhebers wie des Auftragsgebers, zum Beispiel was das Aufführungsmaterial und die Modalitäten bei der Uraufführung eines Auftragswerkes betreffen.
Musikvermittlung exzellent
Eine Auszeichnung für besonders phantasievolle und innovative Produktionen, die das Publikum für Musik begeistern, gibt es im Yeah!-Festival in Osnabrück vom 14. bis 20. November 2011. Bewerbung bis 1. Juni an: YEAH! Young EARopean Award 2011, Erster Wettbewerb für Musikvermittlung in ganz Europa c/o netzwerk junge Ohren e.V., Neue Grünstr. 19, 10179 Berlin, Tel. 030/53 023 419, www.yeah-award.com, yeah [at] jungeohren.de (yeah[at]jungeohren[dot]de)
Drei Bände für den „Accordarbeiter“
Henle präsentiert in München das Reger-Werkverzeichnis und einen Ausstellungskatalog
Worauf die Liszt-Forschung auch im Jubiläumsjahr nach wie vor wartet, ihre Arbeit nämlich auf die solide Basis eines Werkverzeichnisses stellen zu können, ist nunmehr für die Beschäftigung mit Max Reger Realität geworden: Am 21. Januar konnte der G. Henle Verlag in der Bayerischen Staatsbibliothek das zweibändige „Thematisch-chronologische Verzeichnis der Werke Max Regers und ihrer Quellen“ präsentieren. In Zusammenarbeit mit dem Verlag ist es dem Karlsruher Max-Reger-Institut unter Federführung der Herausgeberin Susanne Popp in etwa zehnjähriger Arbeit gelungen, den riesigen Werkbestand eines der bedeutendsten Komponisten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts wissenschaftlich aufzubereiten.
Das „wilhelminische Arbeitsethos“, von dem Susanne Popp in ihrem kurzen, von sympathischer Leidenschaft für ihren Gegenstand durchzogenen Vortrag sprach, darf man somit auch ihr und ihrem Team bescheinigen. 146 Werke mit und knapp 170 ohne Opuszahl, dazu eine kaum zu überblickende Anzahl von Bearbeitungen, die gerade in jüngster Zeit durch Neueinspielungen wieder ins Bewusstsein der musikalischen Öffentlichkeit gelangt sind – kein Zweifel: Max Reger war „Accordarbeiter“, eine Bezeichnung, mit der er sich selbst charakterisierte und die auch der Ausstellung den Namen gibt, die zeitgleich in der Bayerischen Staatsbibliothek eröffnet wurde (noch bis 6. März 2011).
Mit einer überschaubaren, dafür aber exquisiten Auswahl von Exponaten gelingt es den Kuratoren, zentrale Charakteristika von Max Regers Leben und Schaffen erfahrbar zu machen, am handgreiflichsten in der überlebensgroßen 3D-Projektion des Manuskripts zum „Einsiedler“ op. 144a, in das man zum Umblättern förmlich eintauchen kann. Im ebenfalls bei Henle erschienenen Katalog führt Susanne Popp anhand der Exponate anschaulich durch Regers Lebensleistung.
Als besonderer Glücksfall erweist sich die hier erfolgte erstmalige Veröffentlichung der jüngst von der Staatsbibliothek erworbenen Briefe Regers an seinen Arbeitgeber, den Herzog Georg von Sachsen-Meiningen. In einem engen Zeitraum von wenigen Monaten, Ende 1912 bis Anfang 1913, erschließt sich Regers bis zur körperlichen Selbstausbeutung gehender Schaffensfuror.
Die exquisite Interpretation der lichten G-Dur-Serenade op. 141a durch András Adorján, Ana Chumachenco und Wen Xiao Zheng im Rahmen der Veranstaltung machte einmal mehr deutlich, welcher Reichtum hier noch zu entdecken ist. Das RWV wird hoffentlich dazu beitragen. [Juan Martin Koch]
Susanne Popp (Hrsg.): Thematisch-chronologisches Verzeichnis der Werke Max Regers und ihrer Quellen, 1.700 S., Ganzleinen, München, G. Henle Verlag 2011, ISBN 978-3-87328-123-3, HN 2206, 365,00 €
„Max Reger – Accordarbeiter“. Max Reger in den Sammlungen der Bayerischen Staatsbibliothek München und des Max-Reger-Instituts Karlsruhe. Ausstellung in der Bayerischen Staatsbibliothek vom 21. Januar bis 6. März. Erstausgabe von 39 Briefen an Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen, 144 S., gebunden, G. Henle Verlag, München 2011, ISBN 978-3-87328-129-5, HN 2618, 39,00 € (während der Ausstellung: 29,00 €)
Nepomuk zu Breitkopf & Härtel
Breitkopf & Härtel hat zum 1. Januar 2011 den Nepomuk Musik Verlag (Basel) übernommen. Die vorwiegend pädagogischen Notenausgaben, Bücher, Musikspiele und zeitgenössischen Werke des Verlags sind über Breitkopf & Härtel ab sofort komplett lieferbar. Das Nepomuk-Programm wird zukünftig durch Neuausgaben weitergeführt. Der Nepomuk Musik Verlag wurde 1984 vom Schweizer Musikpädagogen und Komponisten Francis Schneider gegründet und von ihm seither geleitet. Der Katalog umfasst 241 Titel von über 100 Autor/-innen und Komponist/-innen. 1991 wurde der Verlagskatalog durch die musikpädagogische Schriftenreihe „Wege“ erweitert. 1997 erhielt der Nepomuk Musik Verlag den Preis der SUISA-Stiftung für Musik für die Edition von Werken Schweizer Komponisten.
Neue Musik − Neue Öffentlichkeit?
Vier Diskussionsrunden und vier Konzerte über und mit Neuer Musik in München
Welche Wege sich für neue Formen der Konzertdarbietung ergeben und wie die vielen Facetten der Neuen Musik einem breiteren Publikum vermittelt werden könnten, ist Thema eines Symposiums, das unter dem Titel „Neue Musik – Neue Öffentlichkeit“ vom 4. bis 6. Februar 2011 in München stattfinden wird. In einer Kooperation von Trägern aus Wissenschaft, Kultur und Kirche will das Symposium den Fragen von Neuer Musik und möglicher neuer Öffentlichkeit nachgehen und zu einer Standortbestimmung der Neuen Musik beitragen.
Im Zusammenspiel von Konzerten und Gesprächen mit Komponisten, Wissenschaftlern, Kritikern und Organisatoren neuer Veranstaltungsformate sollen aktuelle Erfahrungen und Entwicklungen im Bereich der Neuen Musik vorgestellt und diskutiert werden.
Ausdrücklich richtet sich das Symposium nicht primär an „Fachleute“, sondern an ein allgemein kulturell interessiertes Publikum. Im Rahmen des Symposiums spielt auch das Münchner Ensemble piano possibile am 4. Februar die Uraufführung des Zyklus „Les Fleurs du Mal“ von „Hauskomponist“ Klaus Schedl nach Texten von Baudelaire in der Muffathalle. Ein Werk, das die Texte dieses Skandaldichters aus dem 19. Jahrhundert nichts weniger als altbacken klingen lässt und Neue Musik zusammenbringt mit Noise, Metal und Pop – beides charakteristisch sowohl für das Ensemble als auch für den Komponisten. www.evstadtakademie.de
Geballte Frauen-Power: 25 Jahre Furore Verlag
Die Kasseler Betriebswirtin Renate Matthei gründete im September 1986 einen Musikverlag, der im Programm ausschließlich Noten und Bücher von und über Komponistinnen aus allen Jahrhunderten haben sollte. Ihre Firmengründung war erfolgreich: Im Jahr 2011 wird der Furore Verlag 25 Jahre alt. Verlegt wurden bislang mehr als 1.000 Werke von etwa 150 musikschaffenden Frauen aus Europa, Amerika, Asien und Australien. Die Zeitspanne der Entstehung dieser Musik reicht vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Bei seiner Gründung sorgte der Verlag für viel Furore in der Musikwelt, denn bis dato war es ein gängiges Vorurteil, dass Frauen nicht komponieren könnten. „Wenn sie komponieren könnten, wären sie ja verlegt worden. Und da sie nicht verlegt worden sind, können sie auch nicht komponieren“, so der damalige Konsens. Diese Behauptung hat der Verlag mit seiner Arbeit in den vergangenen 25 Jahren überzeugend widerlegt. Die bekannteste Komponistin im Furore Verlag ist Fanny Hensel, die Schwester Felix Mendelssohn Bartholdys. Mehr als 150 Werke der bedeutendsten Komponistin der deutschen Romantik hat „Furore“ erstmalig veröffentlicht: Lieder, große Chor- und Orchesterwerke, Klavier- und Kammermusik; darunter auch die Edition von Hensels großem und vielfach rezipiertem Klavierzyklus „Das Jahr“ als vierfarbiges Faksimile und als moderne Notenedition.
Erstveröffentlichungen sind Schwerpunkt im Verlagsprogramm: Herzogin Anna Amalias Oper „Erwin und Elmire“, Wilhelmine von Bayreuths Cembalokonzert, die 5. Sinfonie von Emilie Mayer, Kammermusik von Louise Farrenc und Mel Bonis, um nur einige Beispiele zu nennen. www.furore-verlag.de