Ein Festival für den Vater der musica viva – Zum Karl Amadeus Hartmann-Jahr 2013 +++ Bayerischer Studenten-Blechbläserwettbewerb 2013 +++ Der Preis der deutschen Schallplattenkritik hat über seine Jahrespreise entschieden
Ein Festival für den Vater der musica viva – Zum Karl Amadeus Hartmann-Jahr 2013
Anlässlich des 50. Todestages des Münchner Komponisten Karl Amadeus Hartmann (Foto: Felicitas Timpe) wird im nächsten Jahr ein raumgreifendes Festival veranstaltet, das mit vielfältigen Aktivitäten aufwartet. Der künstlerische Leiter des Festivals, Andreas Hérm Baumgartner, und der bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Wolfgang Heubisch, gaben in einem Pressegespräch am 14. November 2012 im Prinzregententheater in München detailliert Auskunft darüber, welchem Anliegen sie sich verpflichtet fühlen.
Hartmann war immer, auch in schwerster Zeit, ein widerständiger Geist. Vor dem Nationalsozialismus kämpfte er mit einer eigenen Konzertreihe gegen den Konservativismus der damaligen Staatlichen Akademie für Tonkunst. Im Dritten Reich weitgehend zum Schweigen verdammt, legten seine allenfalls im Ausland aufgeführten Kompositionen Zeugnis davon ab, dass auch in den Mauern der Hauptstadt der Bewegung nicht jeder in Reih‘ und Glied stand. Zu einem Brennpunkt einer diskursiven Auseinandersetzung mit der musikalischen Moderne wurde nach dem Krieg die von ihm ins Leben gerufene Reihe „musica viva“. Und Hartmann versuchte, der Musik etwas zu retten, das heute vielleicht schon als obsolet gilt. Er rettete ihr die Moral. Es kam ihm darauf an, seine auf Humanität hinzielende Lebensauffassung einem künstlerischen Organismus mitzuteilen.
In mehr als 170 Veranstaltungen, die für das Gedenkjahr 2013 weltweit organisiert wurden, zielten die Veranstalter auf Nachvollziehbarkeit und Erkenntnisgewinn. Baumgartner machte deutlich, dass ihm neben der internationalen Ausrichtung des Festivals und dessen Vernetzung besonders auch ein bayerischer Bezug wichtig erschien. In der Orchesterliste stehen dann Ensembles wie das American Symphony Orchestra neben dem Bayerischen Kammerorchester Bad Brückenau. Baumgartners Engagement ist es auch zu verdanken, dass namhafte Interpreten und Referenten gewonnen werden konnten.In Kooperation mit dem Niederländischen Rundfunk werden in Amsterdam in einer Saison die acht Sinfonien des Komponisten aufgeführt. Am 22. Februar 2013 erklingt die 7. Sinfonie Hartmanns im Programm der „musica viva“ in München. In zahlreichen „Projekt-Inseln“, die das Verhältnis Hartmanns zu Luigi Nono, Carl Orff und Hans Werner Henze anhand des Briefwechsels beleuchten, Symposien („Des Simplicius Simplicissimus Jugend“), Vorträgen, Ausstellungen, Ausschreibungen und einem Festkonzert am 5. Dezember 2013 in der Hochschule für Musik und Theater in München wird das ungeheure Spektrum der Aktivitäten sichtbar. Die Bayerische Staatsbibliothek schaltete am 14.11.12 das „Hartmann-Portal“ frei, welches die Digitalisierung sämtlicher Autographe Hartmanns besorgte. ks www.hartmann2013.de
Bayerischer Studenten-Blechbläserwettbewerb 2013
Am 11. und 12. Februar 2013 findet in der Bayerischen Musikakademie in Hammelburg ein Blechbläserwettbewerb statt. Er richtet sich an junge Musiker, die eine Aufnahmeprüfung an einer Bayerischen Musikhochschule beabsichtigen oder bereits einen Studienplatz haben. Weitere Informationen bei Richard Carson Steuart, Initiator und Direktor der „European Brass Academy“ und früherer Präsident der „European Trumpet Guilde“. www.latrombamusic.com
Ein Dutzend Ton-Träger mit Gewicht: Der Preis der deutschen Schallplattenkritik hat über seine Jahrespreise entschieden
Jahrespreise 2012 des Preises der deutschen Schallplattenkritik (PdSK) stehen fest. Die Bandbreite der ausgezeichneten Produktionen reicht vom Singer-Song-Writing über den Jazz bis zum Hörbuch, von sehr alter Musik bis zu sehr junger, gegenwärtiger. Zurück in die Zukunft führt die Wiederentdeckung der weltlichen Motetten und geistlichen Messkompositionen des niederländischen Meisters Johannes Ciconia aus Lüttich, eingesungen von den Ensembles Diabolus und La Morra (Ricercar). Die Kinderkompositions-Klasse des Ensembles L’ART POUR L’ART in Winsen beweist mit ihrer Produktion „Haltbar gemacht“, dass Komponieren eine ernst zu nehmende Sache und kein Kinderkram ist (Berslton). Ein weiterer Jahrespreis geht an Frank Ocean, R&B-Musiker aus Los Angeles, der mit seinen 24 Jahren schon Kult, wenn nicht gar ein Klassiker ist. Sein Debutalbum „Channel Orange“ enthält beste, schwarze Musik, mit Sinn für poetische Details (Def Jam/Island).
Michael Riessler, Jazzlegende aus München, hat alte und neue Freunde um sich geschart, um mit dem Album „Big Circle“ ein verspieltes, überraschend bizarres neues Werk zu schaffen (Intuition). Peter Rosens Dokumentarfilm „Shadows in Paradise“, der über das Schicksal der Exilmusiker in Hollywood (Euroarts) berichtet, wird ebenso mit einem Jahrespreis bedacht, wie die von Harry Rowohlt als Hörbuch eingelesene Autobiographie von Mark Twain (Random House), die vom Autor hundert Jahre in die Schublade verbannt worden war. Die famose Geigerin Hilary Hahn und ihre Klavierpartnerin Valentina Lisitsa holen mit hoher Virtuosität die vier Violinsonaten von Charles Ives (Deutsche Grammophon) wieder ins öffentliche Bewusstsein zurück – auch dafür gibt es einen Jahrespreis. Ebenso für einen Meilenstein der Editionsgeschichte: Robert von Bahr, Chef des schwedischen Labels BIS, ließ das Gesamtwerk von Jean Sibelius einspielen, unter Berücksichtigung neuester Ergebnisse der Sibelius-Forschung – eine diskographische Glanzleistung erster Güte. Weitere Jahrespreise gehen an den Pianisten Kristian Bezuidenhout für seine im Entstehen begriffene Mozart-Gesamteinspielung auf einem Hammerflügel (harmonia mundi), an die bulgarische Sopranistin Krassimira Stoyanova für ihr Album „Slavic Opera Arias“ (Orfeo)an Gotye für das Erfolgs-Album „Making Mirrors“ (Vertigo) sowie an den amerikanischen Singer-Songwriter Bill Callahan, der – so die Jury – mit „Apocalypse“ (Drag City) in seine klassische Phase eingetreten ist. www.schallplattenkritik.de