Exzellenzprogramm Orchesterlandschaft +++ Initiative kulturelle Integration +++ Kritiker-Preis +++ Kulturpreis Ingolstadt +++ „Die Musik in Geschichte und Gegenwart“ nun als Online-Datenbank verfügbar +++ Carl Bechstein Wettbewerb für Kinder und Jugendliche +++ Mehr Geld für Händel-Festspiele +++ München fördert junge Projekte +++ Das Festival „ECLAT“ eröffnet die Neue-Musik-Saison 2017 +++ 71. Frühjahrstagung des Instituts für Neue Musik und Musikerziehung (INMM) in Darmstadt +++
Exzellenzprogramm Orchesterlandschaft
Der Bundestag hat das Programm „Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland“ beschlossen. Damit fördert der Bund ab kommendem Jahr sechs Konzertorchester mit jährlich 5,4 Millionen Euro. Das Modellprogramm über insgesamt 27 Millionen Euro ist vorerst auf fünf Jahre angelegt. Die Förderung erhalten die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz, Bochumer Symphoniker, Hamburger Symphoniker, Jenaer Philharmonie, Münchner Symphoniker und Stuttgarter Philharmoniker. Mit dieser Unterstützung sollen sie sich eigene Entwicklungsziele setzen. Dazu Gerald Mertens von der DOV: „Damit haben die Orchester nicht nur die Chance, sondern auch die Pflicht zur programmatischen Weiterentwicklung.“
Initiative kulturelle Integration
Anknüpfend an die Diskussionen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Vertretern gesellschaftlicher Gruppen, Verbänden und Organisationen zum Thema Flüchtlinge, haben die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, Bundesinnenminister Thomas de Maizière, Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles und Staatsministerin Aydan Özoguz die Initiative kulturelle Integration ins Leben gerufen. Vertreter aus Politik, Kultur und Zivilgesellschaft werden im Rahmen dieser Initiative aktuelle Herausforderungen für die kulturelle Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt diskutieren. Auch der Deutsche Musikrat wird sich an diesem Austausch beteiligen. Die Ergebnisse sollen zum UNESCO-Welttag der Kulturellen Vielfalt am 21. Mai 2017 öffentlich vorgestellt werden.
Kritiker-Preis
Der Preis der deutschen Schallplattenkritik e.V. hat Ende November elf Siegertitel mit einem Jahrespreis 2016 ausgezeichnet. Jahrespreise 2016 gehen unter anderem an den Chordirigenten Hans-Christoph Rademann und seinen Dresdner Kammerchor für ihr „waghalsiges Unterfangen, sämtliche Vokalwerke von Heinrich Schütz aufzunehmen, mit hervorragenden Solisten und auf historisch informierter Textbasis, insbesondere für die 2016 neu erschienene Johannespassion (Carus/Note1)“; an den Dirigenten Pablo Heras-Casado, das Freiburger Barockorchester, die Geigerin Isabelle Faust, den Cellisten Jean-Guihen Queyras sowie den Pianisten Alexander Melnikov für ihr „innovatives Robert-Schumann-Projekt mit Sämtlichen Trios und Konzerten (harmonia mundi)“; an die Berliner Musikethnologin Edda Brandes, die für das kleine Entdecker-Label Benkadi die unerhörten Töne der traditionellen Musikformen Mauretaniens einfing, in Ton und Bild (www.benkadi.org); an den Akkordeonisten Teodoro Anzellotti und den Violaspieler Christophe Desjardins, die auf ihrem Album „…of waters making moan“ sechs zeitgenössische Kompositionen in Ersteinspielung vorstellen, von Hans Zender, Rebecca Saunders, Gérard Pesson, Marco Stroppa und Jonathan Harvey.
Die vollständige Liste samt Jury-Begründungen sind nachzulesen auf : www.schallplattenkritik.de
Kulturpreis Ingolstadt
Ob als Chorleiterin, als Lehrerin, als Vorsitzende des Konzertvereins Ingolstadt oder als Stimme der Kultur im Stadtrat – Eva-Maria Atzerodt lebt für die Musik, beruflich wie privat. Für ihr vielseitiges ehrenamtliches Engagement erhielt die 48-Jährige nun den Kulturpreis der Stadt Ingolstadt. Die Auszeichnung nahm Eva-Maria Atzerodt am 19. Oktober im historischen Sitzungssaal in Ingolstadt aus den Händen des Oberbürgermeisters Christian Lösel entgegen.
Musikenzyklopädie 2.0: „Die Musik in Geschichte und Gegenwart“ nun als Online-Datenbank verfügbar
„MGG Online“, die digitale Enzyklopädie der gesamten zweiten Ausgabe von „Die Musik in Geschichte und Gegenwart“ mit revidierten und neuen Inhalten, wurde am 7. November 2016 auf einer Plattform mit modernen Such- und Browse-Funktionen, integrierter Übersetzungsfunktion und sortierbaren Werkverzeichnissen zugänglich gemacht.
So können beispielsweise die ausführlichen MGG-Werklisten nach verschiedenen Kriterien sortiert werden. Weitere Funktionen ermöglichen ein Umschalten zwischen Artikel-Versionen, individualisierbare Benutzerkonten (in denen Lesezeichen und Anmerkungen erstellt, gespeichert und mit anderen geteilt werden können), integrierte Übersetzung aus dem Deutschen in mehr als 100 Sprachen und Links zu den umfassenden „RILM Abstracts of Music Literature“. Die Plattform wird, so der Bärenreiter Verlag in seiner Mitteilung, kontinuierlich mit neuen Funktionen und Suchmöglichkeiten erweitert werden.
„MGG Online“ enthält den vollständigen Inhalt der zweiten Ausgabe der MGG, herausgegeben in 29 Bänden zwischen 1994 und 2008 von Ludwig Finscher. Diese Druckausgabe besteht aus mehr als 18.000 Artikeln, verfasst von 3.500 Autoren aus 55 Ländern. Mehr als 16.000 biografische Artikel befassen sich mit Komponisten, Sängern, Instrumentalisten und Theoretikern.
„MGG Online“ wurde von den Verlagen Bärenreiter (Kassel), J.B. Metzler (Stuttgart) und Répertoire International de Littérature Musicale (RILM, New York) gegründet, finanziert und umgesetzt.
Klavierduos auf Schloss Britz: Carl Bechstein Wettbewerb für Kinder und Jugendliche
Preise im Wert von mehr als 10.000 Euro vergab die Carl Bechstein Stiftung am 13. November 2016 beim Preisträgerkonzert des dritten Carl Bechstein Wettbewerbs für Kinder und Jugendliche im Kulturstall von Schloss Britz in Berlin. Zum zweiten Mal war der Wettbewerb ausgeschrieben für die Kategorie Klavierduo.
„Die Carl Bechstein Stiftung schließt mit diesem Wettbewerb eine Lücke“, betonte Jury-Leiter Wolfgang Manz beim Preisträgerkonzert des dritten Carl Bechstein Wettbewerbs im Kulturstall von Schloss Britz.
Es spielten Cornelia und Markus Nick aus Karlsruhe (Erste Preisträger der Altersgruppe IV) den hoch virtuosen Danse macabre op. 40 von Camille Saint-Saëns. Den Ersten Preis in der Altersklasse I teilten sich die Duos Valeria Erandi und Alejandro Gonzáles Gerwig aus Königswinter sowie Nina Patricia Purtov und Wilhelmine Freytag aus Leipzig. Während in der Altersgruppe III kein Erster Preis vergeben wurde, ging der Erste Preis in der Altersgruppe II ebenfalls nach Leipzig: an das Geschwisterduo Marie und Florentine Lehnert.
Drei Auftragswerke der Carl Bechstein Stiftung kamen beim Wettbewerb zur Uraufführung: „Gespräch der Gartenzwerge“ von Susanne Hardt, „Drei Marionetten“ von Adrian Goldner und „Story oft the Rocks“ von Jesse Passenier. Die jungen Komponisten waren von der Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Verein „Neues Zeug“ ausgewählt worden.
Der nächste Carl Bechstein Wettbewerb findet vom 17. bis 19. November 2017 im Schloss Britz statt und ist der Kategorie „Klavier solo“ gewidmet.
Bund fördert: Mehr Geld für Händel-Festspiele
Der Bundes-Zuschuss für die Händel-Festspiele in Halle steigt 2017 um 40.000 Euro auf 190.000 Euro, wie die halleschen Bundestagsabgeordneten Christoph Bergner (CDU) und Karamba Diaby (SPD) Ende November nach der Verabschiedung des Bundeshaushaltes mitteilten.
Der Intendant Clemens Birnbaum strich heraus, dass die Bundesförderung ein Zeichen für die gewachsene überregionale und internationale Ausstrahlung des größten Musikfestes in Sachsen-Anhalt sei. Er verstehe die Förderzusage allerdings auch als Auftrag, den eingeschlagenen Weg weiter fortzusetzen. Der Gesamtetat des Festivals liegt bei 1,5 Millionen Euro.
Die Festspiele stehen vom 26. Mai bis zum 11. Juni 2017 unter dem Titel „Original? – Fälschung?“. Anläss- u u lich des 500-jährigen Reformationsjubiläums werden mehrere Oratorien, die biblische Themen behandeln, aufgeführt. Der „Messiah“ wird gleich zweimal dargeboten. Im Dom zu Halle wird die Dubliner Fassung zu erleben sein und in der Marktkirche wird die Londoner Fassung inszeniert.
München fördert junge Projekte
18.000 Euro schreibt die bayerische Landeshauptstadt München 2017 Jahre als Projektstipendium für junge Künstler mit dem Schwerpunkt Musik aus. Unter dem Titel „Junge Kunst/Neue Medien“ sollen konkrete, anspruchsvolle und musikalische Projekte gefördert werden – je unkonventioneller, desto besser. Das Projekt soll Medien beziehungsweise Technologien in besonderem Maße mit einbeziehen. Projekte innerhalb des Studiums (besonders Abschlussarbeiten) sind natürlich ausgeschlossen. Außerdem müssen die Bewerberinnen und Bewerber ihren Wohnsitz innerhalb des MVV-Bereiches München haben. Das Projektstipendium wird in zwei Teilen, einmal für Recherchen und Konzeption und einmal für Produktion und Realisation, ausgezahlt. Gegebenenfalls wird die Produktion von einem Jurymitglied als Kurator begleitet. Die formlose Bewerbung muss folgende Unterlagen in 7-facher Ausführung enthalten: Bewerbungsformular, eine detaillierte Beschreibung des Arbeitsvorhabens, eine Kalkulation des Projekts, biografische Angaben, Arbeitsproben und Fachreferenzen. Einsendeschluss für Bewerbungen ist der 13. Januar 2017. www.muenchen.de/foerderung
25 Uraufführungen in vier Tagen: Das Festival „ECLAT“ eröffnet die Neue-Musik-Saison 2017
„ECLAT“ in Stuttgart: ein „Knall“, ein „Glanz“, ein „Aufschein“, ein „Splitter“, ein „Schmelz“ – ein Festival für Neue Musik mit langer Tradition. Vom 2. bis zum 5. Februar 2017 gastieren erneut renommierte Ensembles im Stuttgarter Theaterhaus, um beim Eclat-Festival gemeinsam mit jungen Komponisten Räume für die unterschiedlichsten künstlerischen Strömungen zu entdecken, gewagte Konzepte zu präsentieren, Grenzen zu überschreiten und sich interdisziplinär mit Schriftstellern, Bildenden Künstlern, Licht-Designern und Video-Künstlern zu verbinden. In insgesamt 12 Veranstaltungen wird es zu 25 Ur- und 4 deutschen Erstaufführungen kommen. Neben dem Ensemble ascolta, dem SWR Symphonieorchester, dem SWR Vokalensemble und den Neuen Vocalsolisten als tragenden Säulen des Festivals betreten die Ensembles MAM aus Frankfurt, Garage aus Köln, Talea aus New York, das Mivos Quartet und drei junge Kammermusikensembles aus Stuttgart zum ersten Mal die diversen Bühnen des Festivals. Unter den Komponisten finden sich Namen wie Clara Iannotta, Elena Mendoza, Sarah Nemtsov, Jagoda Smytka, Gerhild Steinbuch, Hanna Hartmann, Clara Maida, Brigitta Muntendorf, Anna Korsun, Birke Bertelsmeier und Huihui Cheng.
Im Rahmen von „ECLAT“ verleiht die Stadt Stuttgart den 61. Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart.
Clash! Kulturen und Identitäten in Neuer Musik: 71. Frühjahrstagung des Instituts für Neue Musik und Musikerziehung (INMM) in Darmstadt
Vier Tage Konzerte, Gespräche, Diskussionen, Vorträge Workshops und Lectures gibt es vom 5. bis 8. April 2017 im im INMM in Darmstadt.
Differenzen oder sogar Konflikte zwischen unterschiedlichen Kulturen, Generationen und ästhetischen Grundauffassungen spielen heute in fast allen Kultursegmenten eine nicht unerhebliche Rolle. In wachsendem Maße gilt dies offenkundig auch für den Bereich der Gegenwartsmusik. Dieser erscheint insgesamt pluralistischer, aber zugleich widerspruchsvoller als früher – und er bezieht sich zunehmend auf Diskussionen der Gesamtkultur oder sogar auf globalere politische Fragen. Die diesjährige Frühjahrstagung des INMM geht aus von solchen und ähnlichen Beobachtungen. Sie dient der Diskussion darüber, ob und in welcher Weise heute entstehende Musikwerke derartige Konfliktpotenziale produktiv oder zumindest erfahrbar machen können, ohne dabei von einfachen Lösungen oder gar künstlerischen Patentrezepten auszugehen. Anhand von sehr unterschiedlichen Beispielen fragt sie nach den Weltbezügen, Motivationen und Kriterien grundverschiedener künstlerischer Strategien – aber auch danach, wie fruchtbar dieses Nebeneinander, das sich fast allerorten abzeichnet, eigentlich ist.
Während der viertägigen Tagung geben namhafte Fachleute aus den Bereichen Musikwissenschaft, Philosophie und Pädagogik in ihren Vorträgen inhaltliche Impulse, die gemeinsam mit den anwesenden Komponistinnen und Komponisten, Interpreten und Tagungsteilnehmern diskutiert werden. In fünf Konzerten (darunter ein Kinderkonzert) werden die Diskurse sinnlich nachvollziehbar. Aufgeführt und zugleich reflektiert werden u.a. Werke von Komponisten wie Heiner Goebbels, Ondrej Adámek, Joanna Bailie, Sarah Nemtsov, Sergej Newski, Sandeep Bhagwati und Johannes Kreidler, deren Schaffen jeweils eine besondere Beziehung zum Tagungsthema aufweist. Ein Workshop speziell für Schulmusiker ist dem Eröffnungskonzert der Tagung vorangestellt. Parallel zum Tagungsgeschehen werden Kurse zur altersgerechten Vermittlung Neuer Musik durch praktische Arbeit angeboten: ein „Wiesenkonzert“ für Kindergartenkinder, die „Musikwerkstatt“ für Kinder und Jugendliche ab 7 Jahren, sowie ein „Campus Neue Musik“ für Jugendliche.
Weitere Informationen auf www.neue-musik.org