Der Intendant der Sächsischen Staatsoper in Dresden, Christoph Albrecht, wird sich einer neuen Aufgabe zuwenden. Ab Oktober 2003 wird er neuer Präsident der Bayerischen Theaterakademie und damit Nachfolger von Peter Ruzicka. Das bayerische Kabinett billigte nach Angaben der Staatskanzlei einen entsprechenden Vorschlag von Kultusminister Zehetmair. Kaum ein deutscher Intendant war zuletzt derart oft in die Schlagzeilen geraten wie Albrecht. Anlass war sein Eingriff in Peter Konwitschnys Inszenierung der „Csárdásfürstin“. Der Streit ging vor Gericht. In zwei Instanzen unterlag der Intendant. Die Entschärfung der Inszenierung begründete Albrecht auch mit wirtschaftlichen Interessen des Hauses. Seit fast zehn Jahren leitet Albrecht die Geschicke der Semperoper. Mit rund 98 Prozent war der Musentempel in den vergangenen Jahren nahezu komplett ausgelastet. Das lag sicher auch am Touristen-Publikum, das gern in die „Sehenswürdigkeit“ Semperoper kam. Der Spagat zwischen kommerziell erfolgreichen Produktionen und wichtigen zeitgenössischen Werken zeigte sich auch im Spielplan. Doch war gerade in Albrechts Amtszeit auch großes Musiktheater zu erleben: Bernd Alois Zimmermanns „Die Soldaten“, Aribert Reimanns „Lear“ oder die Uraufführung von Matthias Pintschers „Thomas Chatterton“. Albrecht führte die Opernfestspiele in Dresden ein und ließ den Orchestergraben auf Strauss’sche Bedürfnisse erweitern. Vor ein paar Jahren und vor dem Streit mit Konwitschny sagte Albrecht, es gebe kein Theater, an das er nach der Semperoper noch gehen möchte. Daraus wird nun nichts.
Stefan Fraas nach Essen
Der Vogtländer Stefan Fraas ist neuer Chefdirigent des Folkwang Kammerorchesters Essen. Nach Angaben des Orchesters tritt der 37-Jährige sein Amt im August dieses Jahres an und will parallel dazu Intendant, Geschäftsführer und Musikdirektor der Vogtlandphilharmonie Greiz/Reichenbach bleiben. Erfahrungen mit Jugendlichen konnte Stafen Fraas während der Internationalen Musikwettbewerbe in Markneukirchen sammeln.
Siemens-Preis an Kagel
Für den argentinischen Komponisten Mauricio Kagel, dem laut eigenem Bekunden der ganze Musikbetrieb unfreiwillig komisch erscheint, musste die Preisverleihung des Ernst von Siemens Musikpreises gewiss ebenfalls Züge des Grotesken annehmen. Denn 250.000 Mark zu bekommen, das lässt sich einfach nicht als normales Ereignis abbuchen. Nun wurde er, dessen Ästhetik darauf beruht, die Dinge nackt auf die Bühne zu stellen und ihnen dann zuzusehen, selbst auf die Bühne gestellt. Es war an der Zeit. Denn seit 1973 hat der Ernst-von-Siemens-Musikpreis, der in der Regel abwechselnd an einen Interpreten und an einen Komponisten vergeben wird, schon ein weites Feld der musikschöpferischen Crème abgegrast. Mauricio Kagel dachte in seiner Rede auch an das Verhältnis von Geld und künstlerischem Schaffen. „Der angesammelte Pessimismus unserer Vorfahren genügt mir bis zum Ende meiner Tage“, meinte er. Die Krise ist dauerhaft, muss nicht in permanentem Ingrimm herbeigeredet werden – ohne Krise aber sei künstlerisches Tun nicht denkbar. Für die Kunst gelte es, die Güte der Arbeiten hoch zu halten. Ob sich Geld dazu einstellt oder nicht, das sei für die Kunst letztlich nicht ausschlaggebend.
Enttäuschend die Festrede des Carnegie-Hall-Leiters Franz Xaver Ohnesorg: Denn da, wo man ein Feuerwerk an Sprachwitz und schrägen verbalen Verzerrungen in Kagel’scher Manier erwarten durfte, war eine Laudatio auf das eigene Wirken zu hören, bei dem, so klang es, Kagel auch manchmal mitwirken durfte. Gottseidank hat die Musik Kagels den Nachweis ihrer alle Verhältnisse umstülpenden Wirkkraft nicht mehr nötig. So traf der Preis wenn schon nicht den, dann doch zumindest einen Richtigen. Kagels motivische Umwandlung am Schluss: „Dankeschön! – Danke! Schön!“ rs Foto: Charlotte Oswald
Caetani hört auf
Oleg Caetani verlässt das Haus überraschend zum Ende der Spielzeit 2000/2001. Auf eigenen Wunsch wird sein Vertrag als Chefdirigent der Robert-Schumann-Philharmonie sowie als Generalmusikdirektor nicht verlängert, teilten die Städtischen Theater mit. Sein Engagement in Chemnitz begann 1996. Hier widmete er sich besonders dem italienischen Repertoire und den Werken Wagners. Seit November 1998 hatte er mit Operndirektor Michael Heinicke den kompletten „Ring des Nibelungen“ auf die Bühne in Chemnitz gebracht, was dem Haus Achtung von Wagner-Freunden aus aller Welt einbrachte. Auch die Aufführung von Kurt Weills Oper „Der Weg der Verheißung“ brachte ihm internationale Anerkennung.
Eberhard Schmidt 70
Eberhard Schmidts Verdienste sind zahlreich: Zur Förderung von “Jugend musiziert“-Preisträgern entwickelte er eine Kammermusik-Akademie, wirkte als Schulmusiker, daneben belebte er auch die Laienmusikszene mit anspruchsvoller instrumentaler und vokaler Ensemblearbeit. Schmidt vertrat die Jeunesses Musicales im Konzeptions- und Leitungsgremium von “Jugend musiziert“, fand kulturpolitische Schlagkraft als langjähriger Landesmusikratspräsident Niedersachsens und erwirkte entscheidende Mitsprache in Mediengremien. Sich für seine landes- wie bundesweite Verdienste zu bedanken, war sein kürzlicher 70. Geburtstag willkommener Anlass. Die nmz wird Schmidt in der nächsten Ausgabe ausführlich würdigen.
Mambo-King Tito Puente
Er war der einzig wahre „Mambo King“ der 50er-Jahre: Tito Puente. Geboren als Sohn puertoricanischer Einwanderer in New York, konnte Ernest „Tito“ Anthony Jr. Puente zu dieser Zeit schon auf ein langes und erfülltes Musikerleben zurückblicken, als Mitglied der Latin Bands von Xavier Cugat und Machito, und vor allem als Leiter eines eigenen Orchesters seit 1949. Mit diesem Klangkörper nahm er in den späten Fifties vier legendäre Bigband-Platten für RCA Victor auf, die Hausfirma seines Mambo-Konkurrenten Perez Prado (Bear Family Records): „Night Beat“, „Mucho Puente“, „Top Percussion“ und „Dance Mania“. An den Congas: eine andere Legende des Afro Cuban Jazz, Mongo „Watermelon Man“ Santamaria. Tito Puente spielte Klavier, Marimba, Vibraphon, Saxophon und Klarinette. Unverkennbar war sein Timbales-Spiel. „Tito on Timbales“, das war eine Verheißung und eine Aufforderung: „Slave to the Rhythm“. Er hatte schon über 100 Alben aufgenommen, und 400 Nummern komponiert, als er in den frühen 90er-Jahren ein erneutes Comeback erlebte als Ur-„Mambo King“. Die Verfilmung von Oscar Hijuelos sehnsüchtigem Roman verhalf ihm zu einem letzten Voodoo-Hit „Ran Kan Kan“. Am 1. Juni verstarb Tito Puente im gesegneten Alter von 77 Jahren in New York. vr
Edler-Preis für Guinand
Maria Guinand, geboren 1953 in Caracas, Venezuela, gewann den Robert-Edler-Preis für Chormusik 2000. Ihr Bachelor-Examen legte sie im Jahre 1976 und ihr Master-Examen 1982 ab, beides an der University of Bristol, England. Sie studierte Chorleitung bei Alberto Grau und wurde Chordirektorin des Venezela-Jugend-Orchester-Konservatoriums. Seit 1976 ist sie intensiv pädagogisch tätig in den Fächern Musiktheorie, Harmonische Analyse, Musikgeschichte, Harmonielehre und Chorleitung. Sie gründete berühmte Chöre, mit denen sie erfolgreich an internationalen Festivals und Wettbewerben teilnahm. Mit ihrer „Cantoría Alberto Grau“ gewann sie allein im Jahre 1989 sechs internationale Preise. 1997 erhielt sie den Kulturpreis der InterNationes-Stiftung. Maria Guinand leitete Workshops und Seminare über lateinamerikanische und Venezueler Chormusik, studierte Gregorianik bei Luigi Agustoni und Johannes Berchmans-Goeschl, Chor- und Orchesterleitung bei Helmut Rilling (Stuttgart) und machte sich als Dirigentin von Kammer- und Sinfonieorchestern einen Namen. Derzeit lehrt sie unter anderem an der Simón Bolívar Universität. Guinand, die regelmäßig Meisterklassen in den USA unterrichtet, ist seit 1999 erste Vize-Präsidentin des IFCM (International Federation for Choral Music).
Kija Saariaho
Die 1952 geborene finnische Komponistin Kija Saariaho ist mit dem Musikpreis des Nordischen Rates für ihre Komposition „Lonh“ ausgezeichnet worden. Ihre Oper „Clémence“ wird dieses Jahr in Salzburg aufgeführt.
Bülow-Medaille
Die Berliner Philharmoniker verliehen dem österreichischen Dirigenten ihre Hans-von-Bülow-Medaille für fruchtbare Zusammenarbeit.