Das ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe scheut anlässlich seines 20-jährigen Bestehens keinen Aufwand: Mit der großen Ausstellung «Imagining Media@ZKM» zeigt das Haus ab dem 10. Oktober eine Auswahl der in diesen 20 Jahren eigens für, mit und im ZKM geschaffenen Medienkunstwerke.
«Es ist ein Rückblick auf die Zukunft», sagt Peter Weibel, der das ZKM seit zehn Jahren als Direktor leitet. Gemeinsam mit Bernhard Serexhe hatte er die Qual der Wahl, denn das ZKM ermöglicht Künstlern, «bei uns mit den Neuen Medien zu experimentieren und somit eigene Werke zu schaffen, für die sie an anderen Orten weder die technische Einrichtung noch das Know-how finden», erläutert Serexhe.
Mit etwa 200 Arbeiten von rund 70 Künstlern fällt der Rückblick auf die Zukunft entsprechend großflächig aus. Drei Kriterien waren für die Auswahl entscheidend: Anhand der ausgestellten Kunstwerke sollen die Besucher Geschichte und Entwicklung der Medienkunst von 1989 bis heute nachvollziehen können. Außerdem will Weibel einen Aha-Effekt auslösen: «Das alles hat das ZKM produziert, das alles können Medien», diese Reaktion wünscht sich der ZKM-Direktor bei den Besuchern. Nicht zuletzt sollen die ausgewählten Werke heute noch ansprechend wirken.
Medienkunst hat ein Problem, das konventionell gemalte Bilder oder Zeichnungen nicht kennen. So schnell die technische Entwicklung voranschreitet, so schnell sind Medienkunstwerke technisch veraltet. Die Bewahrung dieser Arbeiten ist Peter Weibel ein Herzensanliegen. Stolz verweist er darauf, dass das ZKM als einzige Kulturinstitution ein Labor für die Restaurierung von Medienkunst unterhält. Viele der Arbeiten, die in der Jubiläumsausstellung gezeigt werden, müssen im Labor restauriert werden. Der Aufwand lohnt sich, denn «Imagining Media» soll, kleine Veränderungen eingeschlossen, mehr als ein Jahr lang zu sehen sein.
Weibel will die Besucher nicht nur mit interaktiven Installationen zur aktiven Teilnahme an der Ausstellung bewegen. Er gewährt in «Imagining Media» einen Blick in die Werkstatt. Wie und mit welcher Technik ein Kunstwerk entsteht, wie defekte Arbeiten restauriert werden, wird ebenfalls Teil der Ausstellung sein.
Natürlich wirft das ZKM nicht nur einen Blick zurück in die Zukunft, sondern schaut auch voraus mit einem ersten Ausschnitt aus der Oper, die gerade für die Münchner Musik-Biennale im Mai 2010 komponiert wird. Wobei der Begriff «Komposition» das Wesen dieses Stückes nicht trifft. Weibel spricht von «molekularer Musik». «Es geht nicht um Schönklang», erklärt er, «sondern darum, den Klang von Natur in Algorithmen umzusetzen und daraus eine Lichtinstallation mit Musik zu machen.» Ein Orchester braucht es für die elektronische Oper nicht. Aber, wie immer bei Kunst, eine Vorstellung von dem, was man ausdrücken will. So kam die Ausstellung auch zu ihrem Titel «Imagining Media@ZKM», wie Weibel erläutert: «Am Anfang steht die Idee, dann kommt die Suche nach einer Umsetzung.» Hinter «Imagining Media@ZKM» stehe die Frage: «Wie hat sich das ZKM Medienkunst vorgestellt».
Selbst der Katalog wird unkonventionell ausfallen. Dem ZKM-Direktor schwebt etwas vor, das von seiner Begeisterung für die Künstlerbücher der Renaissance inspiriert ist. Darin geht es nicht etwa um die Deutung ihrer Kunst, sondern ganz praktisch um das Wie und Womit des Aufbaus eines Bildes und der Farbmischungen. Diese Tradition der Unterweisung im Sinne eines Albrecht Dürer soll der Katalog zu «Imagining Media@ZKM» aufgreifen. Bis zum 31. Dezember 2010 ist der Rundumblick über 20 Jahre Medienkunst im ZKM zu sehen.