Selten trifft man mehrere von ihrer Spezies auf einem Haufen und dazu noch an exponierter Stelle: Die Rede ist von Künstleragenten und Konzertmanagern. Etwa 300 Damen und Herren, die im weltweiten Konzertbetrieb die Zügel in der Hand, sich selbst aber eher im Hintergrund halten, trafen sich Ende April im Leipziger Gewandhaus zur alljährlichen Konferenz der International Artists Managers Association (IAMA).
Selten trifft man mehrere von ihrer Spezies auf einem Haufen und dazu noch an exponierter Stelle: Die Rede ist von Künstleragenten und Konzertmanagern. Etwa 300 Damen und Herren, die im weltweiten Konzertbetrieb die Zügel in der Hand, sich selbst aber eher im Hintergrund halten, trafen sich Ende April im Leipziger Gewandhaus zur alljährlichen Konferenz der International Artists Managers Association (IAMA).Nie zuvor hatten Künstlermanager und alle, die mit Künstlern arbeiten, sich mit so vielen Problem auseinander zu setzen, mussten so kreativ und offen sein“, betonte die IAMA-Vorsitzende Virginia Braden aus Sydney bei der Eröffnung der Tagung. In Zeiten weltweit leerer Kassen kommt dem „Geschäft mit der Musik“ ein hoher Stellenwert zu. Dass sich dies auch auf die Inhalte der Kunst auswirkt, ist unbestritten und wurde schon beim Eröffnungsvortrag mehr als deutlich. Der Amerikaner Gilbert Kaplan, einst ein Wallstreet-Tycoon mit millionenstarkem Privatvermögen, stellte in seiner Rede die Frage, warum zeitgenössische Musik so wenig Publikum hat, sprich sich so schwer verkaufen lässt. Kaplans These ist simpel: den heutigen Komponisten sei schlichtweg die Melodie abhanden gekommen. Wenn das Publikum wieder mit Melodien auf den Lippen aus dem Konzertsaal oder der Oper käme, dann würde auch die Krise der neuen Musik ein Ende haben, meinte Kaplan, dem man aufgrund seines „früheren Lebens“ den Sinn für das, was sich gut verkauft, auf keinen Fall absprechen kann.Im Podiumsgespräch unter anderem mit Matthias Brixel, Geschäftsführer eines Unternehmens der „New Economy“, und Hubert Wölbitsch, der eine weltweit erfolgreiche Software zur Orchesterverwaltung entwickelt hat, wurde der Nutzen neuer Technologien für die Praxis des Musikgeschäfts erörtert. Ob das Gespräch für die anwesenden Konzertagenten und Manager Anregungen geben konnte, ist fraglich. Dass es den Protagonisten die gute Gelegenheit gab, ihre Produkte anzupreisen, ist dagegen unbestritten.
Mehr Ergebnisse förderte die Gesprächsrunde unter der Überschrift „Brauchen wir die Schallplattenindust-rie?“ zutage. Klar wurde, dass die x-te Einspielung der Beethoven-Sinfonien nicht der Weg in die Zukunft sein kann. Gefordert sei, so der Geschäftsführer eines Berliner Schallplattenlabels Jens Quint, mehr Kommunikation zwischen den Künstlern und denen, die bei der Produktion und Vermarktung von Musik „aus der Konserve“ das Sagen haben. Dass man mehr miteinander reden muss, war allerorten auf der IAMA-Konferenz zu hören. Der Austausch fand in nahezu allen Winkeln des Musentempels statt – da wurden Spielpläne neu gestrickt, Vermarktungsstrategien beraten und auch überlegt, wie man junges Publikum für das Konzertleben gewinnen kann. Für den Leiter des Amsterdamer Concertgebouws Martijn Sanders ist dieses Problem nicht mehr drängend. Auf seine Initiative hin besuchen sämtliche Schüler aus dem Raum Amsterdam viermal in ihrer Schulzeit die Konzerthalle. Solche Initiativen sind im Nachbarland auch mehr als nötig, denn mit staatlichen Subventionen kann der Concertgebouw, im Gegensatz etwa zum Leipziger Gewandhaus oder dem Münchner Gasteig, kaum rechnen, „Sponsoring“ heißt das allmächtige Zauberwort.
Kunst und Geld – das uralte Dilemma mit all seinen Auswirkungen beherrschte die Inhalte der IAMA-Konferenz und die Diskussionen darüber brachten keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse. Trotzdem, so die IAMA-Vorsitzende Virginia Braden, war Leipzig ein Erfolg und hat bewiesen, wie wichtig es ist, dass die „Szene“ regelmäßig zusammenkommt.