Knapp 4.000 Besucher wollten sich vom 14. bis 16. September 2001 auf der Dresdner Musikmesse „Sound” über Trends und Entwicklungen in der Musikbranche informieren – deutlich weniger als im Vorjahr (6.400). „Dies entspricht dem bundesweiten Besucherverhalten nach den Anschlägen in den USA. Die Leute sind verunsichert und nicht in der Stimmung für Messebesuche, haben auch kein Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunft – sie halten ihr Geld fest“, meint Marketingleiter Tobias Blaurock.
Knapp 4.000 Besucher wollten sich vom 14. bis 16. September 2001 auf der Dresdner Musikmesse „Sound” über Trends und Entwicklungen in der Musikbranche informieren – deutlich weniger als im Vorjahr (6.400). „Dies entspricht dem bundesweiten Besucherverhalten nach den Anschlägen in den USA. Die Leute sind verunsichert und nicht in der Stimmung für Messebesuche, haben auch kein Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunft – sie halten ihr Geld fest“, meint Marketingleiter Tobias Blaurock.Die Ausstellung war zwar konzipiert als Treffpunkt für regionale Instrumentenbauer, Händler, Musiker, Verleger und Konsumenten aus dem In- und Ausland, doch schon zum Start vor einem Jahr erwies sich die „Sound“ nicht gerade als Besuchermagnet. Auch diesmal waren die Angebote der 70 Aussteller schnell abgelaufen; sie umfassten im Wesentlichen den Instrumentenbau, Musikalien, Heim- und semiprofessionelle Software sowie diverse Vereine, die sich zumeist dem Ziel, aktives Musizieren zu fördern, verschrieben haben. „Wer halbwegs etwas zu bieten hat, braucht auf diese Messe nicht zu gehen“, meinte ein Beobachter der Händlerszene und bestätigte damit den Eindruck, der sich bei vielen Besuchern einstellte, die sich schon nach kurzer Zeit fragend anschauten: Sollte das alles gewesen sein? Es war alles.Lobenswert ist die Praxis des Veranstalters, gemeinnützige Vereine einzuladen und ihnen unentgeltlich Standfläche zur Verfügung zu stellen. Das nutzten einige vor allem mit musikerzieherischen und -publizistischen Zielen: das „Weltmuseum für Perkussioninstrumente“, initiiert vom berühmten Schweizer Schlagzeuger Peter Giger, dem Internationalen Arbeitskreis für Musik, dem Dresdner Akkordeonverband sowie den Deutschen Harmonika- beziehungsweise Orgel- und Keyboardlehrerverbänden. Dass diese Begünstigung von Vereinen dann aber auch als „Trojanisches Pferd“ missbraucht wurde, um so genannten High-End-Herstellern sowie einem Händler aus der Dresdner Gegend kostenfrei Flächen zu überlassen, für die die Konkurrenten hätten zahlen müssen, ist – salopp gesagt – mehr als finster. Beim Klangforum Dresden e.V. handelt es sich um einen Verein von High-End-Enthusiasten, der mithelfen will, in der Öffentlichkeit Sinn für unverfälschtes Musikhören zu befördern. Ein solches Vereinsanliegen ist zwar legitim, darf aber nicht zu Wettbewerbsverzerrungen bei der Messepräsentation von Firmen führen. „Das ist uns so direkt nicht bewusst gewesen“, meinte dazu im Nachhinein der projektverantwortliche Matthias Myska von der Dresdner Ausstellungsgesellschaft. Fakt ist: Auf diese Weise wurde ein einziger Händler in den Vordergrund der Klangforum-Messepräsentation gerückt und mit ihm einige wenige Gerätehersteller. Weitere allerdings hatte die Messe auf diesem Sektor nur in sehr kleiner Zahl zu bieten.
Kürzlich formulierte Michael Peters von der Musikmesse Frankfurt in der neuen musikzeitung: „Wir können es uns nicht leisten, dass im unmittelbaren geografischen Umfeld (und damit meinte er St. Petersburg! – MB) jemand anders auch anfängt, Musikmessen zu machen.“ Der Dresdner Versuch, mit einer Musikmesse anzufangen, kann auch im zweiten Jahr nicht annähernd überzeugen. Peters muss also nicht beunruhigt sein.
Tobias Blaurock von der Dresdner Messe nimmt die Luft aus der Problematik: „Wir sehen uns nicht als Wettbewerber zu Frankfurt, dies wäre vermessen. Wir sehen uns als eigenständige Musikmesse in den neuen Bundesländern, die zudem in der anderen Jahreshälfte stattfindet. Vielleicht steht bei uns eher das Erlebnis Musik im Vordergrund.“
Angesichts des Besuchereinbruchs müssen die Dresdner schon sehr laut im „Messewald“ pfeifen, um die Tatsache zu überdecken, dass das, was diesmal angeboten wurde, kaum jemand erleben wollte.