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Impulsgeber für die Gegenwartskunst

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Köln (ddp). Ein Mann und eine Frau, beide nackt und auf Unmengen lebender Maden liegend - es ist gewiss keine leichte Kost, die der taiwanesische Fotograf Chou Yung Hsien den Besuchern der Kunstmesse Art.Fair 21 in Köln zumutet. Doch damit entspricht der Künstler genau dem Konzept der etwas anderen Kunstschau, die am Mittwoch eröffnet wurde.

59 Galerien stellen bis Sonntag (5. Oktober) rund 300 Künstler aus aller Welt vor, die mit ihren Arbeiten die Themen und Inhalte der Gegenwartskunst vorgeben wollen. Laut Ausschreibung ist das Gros der Künstler jünger als 50. Das «21» im Namen der Veranstaltung steht für das 21. Jahrhundert, aus dem die ausgestellten Arbeiten stammen müssen.

Viele der gezeigten Werke sind höchstens zwei oder drei Jahre alt, manche Arbeit kam sogar direkt aus dem Atelier nach Köln. Das Konzept scheint aufzugehen, im vergangenen Jahr meldeten die teilnehmenden Galerien exzellente Verkäufe, mancher Messestand war sogar leer gekauft.

«Der neue Kunstmarkt ist hungrig und will nicht von einem Einheitsbrei satt werden, sondern Verschiedenes probieren», sagte Galeristin und Art.Fair 21-Beiratsmitglied Yasha Young bei der Eröffnung und sparte nicht mit Kritik an renommierten Prestigeveranstaltungen wie der documenta oder der Kölner Art Cologne: «Die kuratierten Großevents sind über ihren Zenit und deswegen bin ich überzeugt, dass die Zukunft wieder dem Underground gehört». Veranstaltungen wie die Art.Fair 21 seien inzwischen der eigentliche Gradmesser dafür, was an Kunst in die Gesellschaft dränge.

Die junge Frau, die erfolgreich Galerien in Berlin und London eröffnet hat, ist überzeugt: «Wir sind endlich im Kunstmarkt wieder an einem Punkt angelangt, wo der persönliche Geschmack über den Kauf entscheiden darf - mit gutem Gewissen.» Der Mut zum eigenen Geschmack könne "eine Herzenswärme erzeugen, die mir auch kein gut geführtes Aktienportfolie geben kann.»

So ganz kann sich aber auch die Art.Fair 21 nicht von den Ritualen der Szene freimachen. Auch hier tragen die Galeristen neongrüne Krawatten auf violetten Hemden und parlieren im englisch-französisch-deutschen Kauderwelsch. Dafür darf hier Kunst frecher und amüsanter sein.

So hat Jin Ho Heo einen nahezu lebensgroßen Anzugträger aus Dachlatten gezimmert, der angestrengt gen Himmel schaut. Vor ihm liegt das, was Hunde beim Gassi-Gehen zurücklassen (- und von dem der Besucher hofft, dass es in der Ausstellung ein Imitat ist). Man ahnt, was für ein Malheur geschieht, wenn der Herr im Anzug weiter nur nach oben guckt.

Wolfgang Auer befremdet mit der fast drei Meter großen Skulptur, die einen blauen und wegen der monströsen Größe beunruhigenden Säugling darstellt. Ebenso heiter wie irritierend sind die Gemälde von Kaya Theis. Sie zeigen Möpse mit dem arttypisch depressiven Gesichtsausdruck, die in rotweißen Rettungsringen im Wasser treiben.

Manches ist auch einfach nur neckisch, wie ein Wand-Gobelin mit Rapper Snoop Doggy Dogg oder die Interpretation von Leonardo da Vincis berühmten Abendmahl als schwule Neu-Inszenierung. Ted Noten steuert zum Thema apart gestaltete Porzellan-Penisse bei, für die gleich dekorative Sperrholz-Kistchen mitgeliefert werden.

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