Body
Das klingt nach Mord, Raub und Krieg: „Copy kills Music" – heißt eine sogenannte Aufklärungskampagne der Schallplattenindustrie in freundschaftlich-finanzieller Zusammenarbeit mit der Gema. Christian Bruhn, Obergott des Verwertungsgesellschafts-Aufsichtsrates, komponierte bei der PopKomm.-Eröffnung folgerichtig ein elftes Gebot in zielgruppengerechtem Slang dazu: „Du sollst die Musik löhnen", lautet es. Und wendet sich wie eine erzengelische Maschinenpistole wider die Hit-Hehler auf Schulhöfen und in Uni-Mensen, gegen die feigen Schwarzbrenner und Sound-File-Kidnapper im Internet.
Zehn Prozent Umsatz-Rückgang beim Tonträgerverkauf im letzten halben Jahr. Da schrillen grell die Alarmglocken in den Talerbunkern der Majors. Nicht ausgeleierter Deutsch-Rap, bis zum Erbrechen versprühte Boygroup-Gülle oder akustische Brandrodung im Viva-Style kann an solcher Marktermattung schuld sein. Es sind die gerissenen Plünder-Kids – vornehmlich aus Familien des gehobenen Mittelstandes, ausgerüstet mit starken Rechnern und zu jedem räuberischen Musik-Deal bereit. Angeleitet werden sie durch gewissenlose, ideologisch fehlgeleitete Pädagogen, die selbst schon ihre Chornoten immer notorisch kopiert haben. Vermutlich lauter Krypto-Kommunisten.
Auge um Auge, Zahn um Zahn: wo der Cash regiert, spielt Kleingeld keine Rolle. Ausgestattet mit einem schlappen Millionenetat sollen Hamburger Sozialklempner aus der Werbebranche kurz mal das öffentliche Bewußtsein zurechtrücken. Da empfiehlt sich Kanonenbootpolitik (Peter Maffay ins Klassenzimmer), oder das Vokabular des kalten Krieges: „Copy kills Music". Und nebenan wird die Musikschule dichtgemacht, weil 20.000 Mark im Jahres-Budget fehlen...
...sorry, Christian Bruhn; ist ja gut, Thomas M. Stein (Bertels Mann); excusé, Peter Zombik (phonographische Wirtschaft): wir wollten weder mit gleichen Mitteln zurückhämmern noch gar die Bedeutung des Urheber-rechtschutzes in Frage stellen. Ganz im Gegenteil. Wir bezweifeln nur die Wirksamkeit Ihres PR-Schusses aus der Hüfte. Bewußtseinsbildung ist ein langsamer, langwieriger, sensibel zu behandelnder Vorgang und kein Gegenstand für mentale Plakatwand-Hudelei. Die Schulung des Bewußtseins um den Wert geistigen Eigentums gehört in die Schule – und dort verantwortungsbewußt behandelt. Mindestens so behutsam und intensiv wie das Wissen um Wert und Schutzbedarf Ihres Eigenheimes. Deshalb trauern wir Ihrer Werbemillion ein wenig nach, weil sie beispielsweise bei der „Aktion für Musik" des Deutschen Musikrates perspektivisch sinnvoll angelegt gewesen wäre. Ob wirklich in Ihrem Sinn, muß man sich jetzt fragen. Wahrscheinlich wollten Sie Ihre schwächelnde Branche nur mal wieder in die Medien hieven. Das ist Ihnen – auch bei uns – gelungen. Bravo.